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Bonner Archäologen entdecken auf Sizilien antikes griechisches Gewerbegebiet

Bonner Altertumswissenschaftler haben während zwei Grabungskampagnen im September 2010 und im Herbst 2011 damit begonnen, in der griechischen Koloniestadt Selinunt auf Sizilien (7. bis 3. Jahrhundert vor Christus) eines der größten Handwerkerviertel der griechischen Antike auszugraben. Das Projekt findet in Zusammenarbeit mit den italienischen Behörden und dem Deutschen Archäologischen Institut statt. Ziel des Projekts ist die Erforschung eines bislang wenig beachteten Lebensbereiches der antiken Stadt.

„In welchem Maß es bei den alten Griechen schon so etwas wie ‚Gewerbegebiete’ gab, ist eine Frage, die in Fachkreisen bis heute diskutiert wird“, sagt der Bonner Archäologe Dr. Gabriel Zuchtriegel, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter zusammen mit Dr. Jon Albers am Institut für Klassische Archäologie der Universität Bonn am Lehrstuhl von Prof. Dr. Martin Bentz das Selinunt-Projekt koordiniert. „Die Konzentration von bestimmten ‚Industrien’ und Handwerkern in speziellen Vierteln setzt nicht nur vorausschauende Planung voraus, sie hängt auch mit einer bestimmten Vorstellung davon zusammen, wie man eine Stadt am besten organisiert – in praktischer, aber auch in sozialer und politischer Hinsicht. Etwa: Wer darf oder soll wo wohnen und arbeiten?“ Die Ausgrabungen der Universität Bonn tragen jetzt dazu bei, solche Fragen neu zu beantworten.

Riesige Öfen, gemeinsam genutzt

Es waren vor allem die Töpfereien, die in Selinunt in einem bestimmten Stadtgebiet konzentriert wurden, nämlich am Rand der Siedlung, direkt im Schatten der Stadtmauer. „Qualm, Gestank und Lärm belästigten auf diese Weise nicht so sehr die anderen Bewohner“, erklärt Dr. Zuchtriegel. „Gleichzeitig konnten Öfen und Lager von mehreren Handwerkern gemeinsam benutzt werden.“ Die Grabungen zeigen, dass die Töpfer sich zu Kooperativen zusammenschlossen, die riesige Öfen von bis zu 7 Metern Durchmesser gemeinsam benutzten. Das Handwerkerviertel von Selinunt zog sich wahrscheinlich über mehr als 600 Meter entlang der Stadtmauern und gehörte damit zu den größten, die bislang bekannt sind.

Die Ausgrabung liegt in der Hand von Dozenten und Studierenden aus Bonn und Rom – und sind beschwerlich. Denn die Grabungszeit liegt im August und September, wenn die Hitze am größten ist; dafür regnet es aber auch nur sehr wenig. „Die Arbeit stellt für alle eine Herausforderung dar“, betont Grabungsleiter Bentz. „Das ist kein Camping-Urlaub.“ Dafür sei es aber für die Studierenden eine große Chance, sich archäologische Techniken „learning by doing“ anzueignen.

Überraschend war für die Archäologen der Universität Bonn, dass sie unter den Töpferöfen des 5. Jahrhunderts v. Chr. noch ältere Werkstattreste fanden. Diese Befunde, so die Ausgräber, sind zwar noch nicht ganz freigelegt. Aber es deutet sich an, dass schon in der frühen Phase der Stadt, im 6. Jh. v. Chr., Töpferwerkstätten an derselben Stelle existierten. Das heißt, dass vermutlich schon mit der Anlage der Stadt, die wie bei vielen Koloniegründungen auf dem „Reißbrett“ geplant wurde, Handwerker bewusst am Rand angesiedelt wurden.

Rekonstruktion der Vergangenheit

Die Funde aus dem Handwerkerviertel sind keine Schätze, aber wertvoll für die Rekonstruktion der Vergangenheit sind sie trotzdem. In der Frühphase deuten breit gefächerte Funde von Tongefäßen, Ziegeln und Bronze, darunter auch Importe aus Athen und Sparta, darauf hin, dass Wohn- und Arbeitsbereiche zusammen lagen. Im Lauf des 5. Jahrhunderts werden beide Bereiche dann immer mehr getrennt.

„Wir hoffen, das in Zukunft noch besser zu verstehen“, sagt Prof. Bentz. Bis jetzt, so der Archäologe, wissen wir noch wenig über die sozialen Verhältnisse, die bei einer Koloniegründung herrschten. Sicher ist nur, dass es oft Hunger und Not waren, die die Siedler bewegten, auszuwandern und eine neue Stadt zu gründen. Warum und unter welchen Bedingungen die einen von ihnen Töpfer wurden, die anderen Bauern, wieder andere sogar reiche Großgrundbesitzer, die sich auch die Teilnahme an den olympischen Spielen leisten konnten – zu diesen Fragen können die Ausgrabungen einen Beitrag leisten.

 

Quelle:

Johannes Seiler
Abteilung Presse und Kommunikation

Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

 

 

Bemalte Steine – die bislang älteste Tradition von Malerei in Mitteleuropa

Sonderausstellung der Universität Tübingen präsentiert erstmals wichtige Belege für eiszeitliche Malerei in Mitteleuropa.

Wissenschaftler der Universität Tübingen präsentieren die bislang älteste Tradition von Malerei in Mitteleuropa. Ausgrabungen der Universität Tübingen haben in der Höhle Hohle Fels auf der Schwäbischen Alb in den letzten beiden Jahren wichtige neue Nachweise für 15.000 Jahre alte Malerei erbracht, die am Ende der letzten Eiszeit geschaffen wurde. Diese Epoche nennt man Magdalénien und sie ist nach dem Fundort La Madeleine in Frankreich benannt. Drei der neuen Malereien zeigen Doppelreihen roter Punkte auf Kalksteingeröllen, ein weiteres bemaltes Fragment könnte von der Höhlenwand stammen. Es handelt sich bei diesen Funden um die ersten Entdeckungen bemalter Steine seit 1998, als ebenfalls im Hohle Fels vom Archäologenteam des Tübinger Urgeschichtlers Prof. Nicholas Conard ein einzelner bemalter Stein angetroffen wurde. Zusätzlich zu den bemalten Steinen wurden nun auch Hämatit- und Ockerstücke gefunden, die zur Farbherstellung verwendet wurden.

Die neuen Funde aus dem Hohle Fels stehen im Mittelpunkt einer Sonderausstellung im Museum der Universität Tübingen MUT auf Schloss Hohentübingen unter dem Titel : „Bemalte Steine – das Ende der Eiszeitkunst auf der Schwäbischen Alb“. Die Ausstellung wird vom 10. November 2011 bis zum 29. Januar 2012 gezeigt. Sie präsentiert die Neufunde vom Hohle Fels sowie bedeutende Vergleichsfunde derselben Fundstelle und von anderen Ausgrabungen der Universität Tübingen.

Auch wenn eiszeitliche Höhlenmalerei in Westeuropa, vor allem in Frankreich und Spanien, gut dokumentiert ist, war sie bislang in Mitteleuropa unbekannt. Die Abwesenheit von Wandkunst im Hohle Fels und in Mitteleuropa überhaupt geht unter anderem auf die harten Klimabedingungen in der Region zurück, die zu einer kontinuierlichen Erosion und Zerstörung der Höhlenwände führten. Die Malereien aus dem Hohle Fels im Achtal bei Schelklingen dokumentieren nun die bisher älteste Tradition von Malerei in Mitteleuropa. Die bemalten Kalksteingerölle aus dem Hohle Fels zeigen alle sehr ähnliche Motive: die Reihen gemalter Punkte müssen für die Bewohner der Region zweifellos eine besondere Bedeutung besessen haben. Dennoch lassen sich diese abstrakten Darstellungen im Gegensatz zu den Tierbildern der paläolithischen Kunst nur schwer interpretieren.

 

Quelle:

Michael Seifert

Hochschulkommunikation

Eberhard Karls Universität Tübingen

Forscher der Saar-Uni stellt neue Erkenntnisse zur Bekleidung des Steinzeitmenschen „Ötzi“ vor

Der Steinzeitmensch Ötzi hat für seine Kleidung nicht nur Rinder- und Schaffelle verwendet, sondern auch Felle von Ziegen, Gämsen und Rothirschen sowie von Hunden oder von Verwandten des Hundes. Diese neuen Ergebnisse zu Ötzi hat der Biochemiker Klaus Hollemeyer im Rahmen des zweiten Eismumienkongresses vorgestellt, der vor kurzem im italienischen Bozen stattfand. Der Saar-Forscher entwickelte vor einigen Jahren das SIAM-Verfahren, das die Zuordnung von Haar- und Fellproben zu Tiergruppen erlaubt. 2008 gelang es ihm erstmals, Proben aus der Kleidung des Steinzeitmenschen näher zu bestimmen. Hollemeyers Ergebnisse tragen dazu bei, mehr über Ötzis Leben in der Jungsteinzeit zu erfahren.

Die 5300 Jahre alte Gletschermumie, die mit dem Namen „Ötzi“ weltbekannt wurde, lebte in der Kupferzeit, der letzten Epoche der Jungsteinzeit. Da das Eis die Mumie über die Jahre gut konservierte, bietet Ötzi der heutigen Wissenschaft die Möglichkeit, die Lebensumstände der Steinzeitmenschen im alpinen Raum näher zu erforschen. Der Biochemiker Klaus Hollemeyer von der Universität des Saarlandes trug bereits 2008 erste detaillierte Erkenntnisse zur Bekleidung des Steinzeitmenschen bei. Nun stellte er auf dem zweiten Eismumienkongress im italienischen Bozen weitere Ergebnisse vor.

In seiner Arbeit konnte er unter anderem nachweisen, dass für die Herstellung der Leggings auch Felle von Hunden oder mit Hunden verwandten Tieren verwendet wurde. „Ob es sich dabei um Wolf, Hund oder Rotfuchs handelt, lässt sich aber nicht mehr feststellen“, sagt Hollemeyer. Widerlegen konnte der Saarbrücker Forscher aber die Annahme, dass die Schuhsohlen des Steinzeitmenschen aus Bärenfell seien. „Hier handelt es sich um Rind“, ergänzt der Saar-Forscher. Rinderfell befände sich zudem an der Schließe des Köchers, von der man bislang annahm, dass sie aus Gämsfell bestehe. Außerdem ist es dem Biochemiker gelungen, Fellstücke von Schaf und Gämse in Ötzis Mantel aufzuspüren. Bislang galt die Annahme, dass der Mantel aus Ziegen hergestellt wurde.

Eine weitere genaue Analyse der Kopfbedeckung brachte jedoch keine neuen Erkenntnisse. „Wir konnten hier nicht eindeutig nachweisen, dass es sich um Bärenfell handelt“, sagt Hollemeyer. Denkbar sei auch hier, dass das Fell von Hunden oder mit Hunden verwandten Tieren verwendet wurde. Darüber hinaus konnte er mit seiner Analysemethode auch ältere Ergebnisse anderer Wissenschaftler bestätigen. Das für Ötzis Schuhe verwendete Oberleder stammt zum Beispiel vom Rothirsch, wie auch die Laschen seiner Patchwork Leggings, die in die Schuhe gesteckt wurden.

Mit seinen Ergebnissen hilft der Biochemiker die Lebensumstände der berühmten Mumie näher zu beleuchten. Derzeit vermuten Experten, dass Ötzi Angehöriger einer Bauern- und Viehzuchtgesellschaft war und nicht Teil einer Sammler- und Jägergesellschaft war, wie man lange Zeit dachte.

Der Saarbrücker Klaus Hollemeyer entwickelte vor wenigen Jahren am Technischen Institut für Biochemie unter Professor Elmar Heinzle in Zusammenarbeit mit Wolfgang Altmeyer von der Firma Gene-Facts die sogenannte SIAM-Methode, die seit Herbst 2007 unter Patentschutz steht. Dieses Analyseverfahren ermöglicht es, Haar- und Fellproben mittels charakteristischer Proteinstücke bestimmten Tierarten zu zuordnen.

 

Quelle:
Melanie Löw

Pressestelle der Universität des Saarlandes

Universität des Saarlandes

 

 

Die ersten modernen Menschen erreichten Europa früher als bisher angenommen

 

Blick von vorne (mesial) auf Cavallo-B (linker oberer erster Milchmolar), dem bisher ältesten europäischen anatomisch modernen Menschen. Die weiße Linie in der Abbildung entspricht 1 cm. Foto: Dr. Stefano Benazzi

Ein internationales Team von Paläoanthropologen und Archäologen zeigte, dass die bisher den Neandertalern zugeschriebenen Funde aus der Grotta del Cavallo in Süditalien dem modernen Menschen zuzuordnen sind. Das Team konnte mittels Computeranalysen an fossilen Zähnen und Neu-Datierungen von Muschelresten eine frühere Besiedlung Europas durch anatomisch moderne Menschen beweisen. Die Grotta del Cavallo ist eine 1960 entdeckte prähistorische Höhlen-fundstelle in Apulien. Dort wurden Überreste der sogenannten Uluzzien-Kultur gefunden, die durch persönliche Schmuckreste, Knochenwerkzeuge sowie Farbenreste gekennzeichnet ist. Solche Artefakte werden meist mit dem modernen Menschen in Zusammenhang gebracht. Bisher wurden allerdings zwei damals von Prof. Palma di Cesnola von der Universität Siena gefundene Milchzähne als Zähne von Neandertalern angesehen. Diese Bestimmung verursachte intensive Diskussionen über die kognitiven Fähigkeiten und eine mögliche unabhängige Entwicklung symbolischen Verhaltens bei Neandertalern, welches demnach als ähnlich der Kompetenz früher moderner Menschen angesehen wurde.

Dr. Stefano Benazzi von der Universität Wien und das internationale Forscherteam untersuchten dreidimensionale digitale Modelle der Zahnreste aus der Grotta del Cavallo anhand computertomographischer Daten. Sie verglichen diese mit einer großen Anzahl von Zähnen moderner Menschen und Neandertaler. Zwei unabhängige Vermessungsmethoden dienten zum Vergleich der internen und externen Merkmale der Zähne, einschließlich der Zahnschmelzdicke sowie der generellen Umrisslinie der Kronen.
Die Ergebnisse weisen die beiden Zähne aus der Grotta del Cavallo als Milchzähne von Kindern aus, die eindeutig zu den anatomisch modernen Menschen gehören. Prof. Katerina Harvati von der Universität Tübingen und dem dort angesiedelten Senckenberg Center for Human Evolution and Paleoecology, in deren Computertomographie-Labor ein großer Teil der Vergleichsuntersuchungen durchgeführt wurde, sagt: „Unsere Analyse zeigt eindeutig, dass die Zahn-Überreste aus der Grotta del Cavallo von modernen Menschen stammen und dass deshalb die Uluzzien-Kultur dem modernen Menschen zugeordnet werden muss und nicht Neandertalern. Unsere Untersuchung betont die wichtige Rolle computertomographischer Verfahren und virtueller Anthr-pologie bei der Identifizierung und Interpretation fossiler Überreste.“ Dr. Ottmar Kullmer vom Senckenberg Forschungsinstitut Frankfurt ergänzt: „Fossile Menschenreste aus der Zeit dieser Übergangskulturen sind extrem selten und Milchzähne standen bislang nicht im Fokus solcher Vergleichsuntersuchungen.“

Neue Radiokohlenstoff-Datierungen von marinen Muschelresten aus der gleichen archäologischen Schicht wie die Zähne, die von Dr. Katerina Douka an der Radiocarbon Accelerator Unit der Universität Oxford durchgeführt wurden, ergaben ein absolutes Alter von etwa 43.000 bis 45.000 Jahren vor heute. Damit sind die Funde aus der Grotta del Cavallo die bisher ältesten Nachweise des modernen Menschen in Europa. Kullmer deutet dieses Ergebnis: „Der moderne Homo sapiens ist offensichtlich schon vor dem Beginn des Aurignacien, das heißt vor dem Beginn der jüngeren Altsteinzeit, in das bereits von Neandertalern besiedelte Europa eingewandert.“ Harvati ergänzt “Es scheint, dass sich der moderne Mensch als erstes entlang der mediterranen Küste ausbreitete. Dies unterstreicht die Wichtigkeit Südeuropas in der Verbreitung der frühen Menschen.“

 

Quelle:

Michael Seifert
Hochschulkommunikation
Universität Tübingen

Auf archäologischer Spurensuche in Syrien – Freie Universität zeigt Ausstellung bei „Globetrotter“

Das Institut für Vorderasiatische Archäologie der Freien Universität Berlin zeigt im November eine Ausstellung über Ausgrabungen am Tell Fecheriye in Syrien. Sie wird in der Filiale des Freizeitausrüsters Globetrotter in Berlin-Steglitz präsentiert. Gezeigt werden Ausgrabungsgeräte und Fundstücke der Grabung. Prof. Dr. Dominik Bonatz von der Freien Universität berichtet am 24. November in einem Vortrag über Ergebnisse der Ausgrabungen an dem Ruinenhügel und erläutert deren Relevanz für die Archäologie in Syrien.

Was hätte Indiana Jones wohl auf unserer Ausgrabung gemacht? Obwohl die Archäologie in einem geschichtsträchtigen Land wie Syrien immer noch mit spektakulären Neuentdeckungen überrascht, unterscheidet sich die Arbeit moderner Archäologen doch sehr von den Abenteuern eines Filmhelden. Schlüpfen Sie doch selbst einmal in die Rolle eines Ausgräbers und tauchen Sie in den Alltag der Ausgrabungen am Tell Fecheriye in Syrien ein.

Über mehr als 8000 Jahre haben Menschen am Tell Fecheriye gesiedelt und ihre Spuren hinterlassen. Fragt man nach dem Reiz von Archäologie, so liegt er insbesondere in einer solch unvorstellbar langen Geschichte, die mit jedem Spatenstich zum Greifen nahe wird. Seit 2005 werden Teile dieses faszinierenden Ruinenhügels (arabisch: Tell) von einem deutsch-slowakisch-syrischen Ausgrabungsteam freigelegt. Die Ausstellung zeigt, mit welchen wissenschaftlichen Methoden die Archäologen bei ihrer Arbeit unter extremen klimatischen Bedingungen vorgehen und auf welche Entdeckungen sie dabei stoßen.

Die Suche nach einer unentdeckten Hauptstadt ist dabei nur eine von vielen Herausforderungen, die die Archäologen bei ihrer Arbeit anspornt.
Auch in der Begegnung mit einer anderen Kultur liegt der besondere Reiz einer Ausgrabung in Syrien. Das Leben in einer arabischen Kleinstadt am Rand der Ausgrabung wird durch eine Fotodokumentation in der Ausstellung beleuchtet. Was denkt die lokale Bevölkerung über die Arbeit ausländischer Archäologen, welchen Nutzen zieht sie aus deren Entdeckungen? Die großen und kleinen Besucher der Ausstellung sind eingeladen, über diese und andere Fragen nachzudenken. Auf die Antworten wartet bei etwas Forscherglück ein archäologischer Preis.

Ort und Zeit
• Globetrotter Steglitz, Schloßstr. 78 – 82, 12165 Berlin, S- und U-Bhf. Rathaus Steglitz (S1, U9)
• Dienstag, 1. November bis 24. November 2011 (Vortrag am 24. November um 20 Uhr | 5,- Euro/Person)

Quelle:

Carsten Wette
Presse und Kommunikation
Freie Universität Berlin

15. Berliner Archäologentag – Einblicke in die Geschichte schaffen

Am 20.10. fand der 15. Berliner Archäologentag statt. Unter dem Motto „Archäologie und Stadtplanung“ stellten Vertreter des Landesdenkmalamtes und der Archäologischen Gesellschaft Berlin und Brandenburg e.V. unter anderem die Ergebnisse der Großgrabungen in den mittelalterlichen Städten Berlin und Cölln vor.

Um die historische Vergangenheit wieder erlebbar zu machen, sollen in der historischen Mitte Berlins Ausgrabungsstätten zukünftig in die Neubebauung integriert werden. „Archäologische Fenster“ werden Einblicke in die mittelalterliche Geschichte der Stadt gewähren. So sollen die Bodenfunde auf dem Petriplatz – derzeit lediglich durch einen provisorischen Überbau vor Witterungsverhältnissen geschützt – innerhalb eines geplanten interreligiösen Zentrums für die Öffentlichkeit sichtbar bleiben. Ein Teil des alten Rathauskellers vor dem Roten Rathaus soll ebenfalls hinter einer Glasfront im zukünftigen U-Bahnhof bestehen bleiben. Ähnliche Konzepte gibt es für Kellerräume des Berliner Schlosses.

Neben den Vorträgen konnten die Besucher des Archäologentages die Grabungen auf dem großen Jüdenhof sowie vor dem Roten Rathaus besichtigen.

Auf dem Jüdenhof sind momentan hauptsächlich Strukturen aus dem 18. Jahrhundert freigelegt. Hier hoffen die Archäologen, im nächsten Jahr bis zur ersten Phase des mittelalterlichen Berlins vorzudringen. Schriftlich wird der Große Jüdenhof erstmals 1505 erwähnt. Jüdische Familien, die sich auf dem Molkenmarkt angesiedelt hatten, errichteten ihn dennoch bereits im 13. Jh. und lebten hier bis ins 16. Jh.

Grabung auf dem Großen Jüdenhof (LH)
Großer Jüdenhof: Funde des 18. Jh. (LH)
Auf dem Jüdenhof sind derzeit hauptsächlich Strukturen aus dem 18. Jh. freigelegt. (LH)
Der Archäologentag stieß auf reges Interesse. (LH)
Die freigelegte Königstraße (in der u.a. auch der Berliner Skulpturenfund gemacht wurde). (LH)
Die Kellerräume des mittelalterlichen Berliner Rathauses (LH)

Gerda Henkel Stiftung schreibt Gerda Henkel Preis 2012 aus

Die Gerda Henkel Stiftung lädt dazu ein, Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für den Gerda Henkel Preis 2012 zu benennen. Bis zum 31. Januar 2012 nimmt die Geschäftsstelle der Stiftung Vorschläge für herausragende Forscherinnen und Forscher auf dem Gebiet der Archäologie, Geschichtswissenschaften, Historischen Islamwissenschaften, Kunstgeschichte, Rechtsgeschichte sowie Ur- und Frühgeschichte entgegen. Nominierungen in den Förderfeldern „Konfliktforschung“ und „Islam, moderner Nationalstaat und transnationale Bewegungen“ sind ebenfalls möglich. Der Gerda Henkel Preis ist mit 100.000 Euro dotiert und wird seit 2006 alle zwei Jahre vergeben.

Die Auszeichnung soll die von der Gerda Henkel Stiftung geförderten Fachgebiete stärken und auf Themen aufmerksam machen, die sonst weniger im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses stehen. Die Preisverleihung findet am 29. Oktober 2012 in Düsseldorf statt.

Über den Preisträger bzw. die Preisträgerin entscheidet das Kuratorium der Gerda Henkel Stiftung auf der Grundlage einer Empfehlung der Jury. Dem Kuratorium gehören an: Julia Schulz-Dornburg (Vorsitz, Barcelona), Prof. Dr. Meinhard Miegel (Stellv. Vorsitz, Bonn), Prof. Dr. Hans-Joachim Gehrke (Freiburg), Prof. Dr. Ulrich Lehner (Düsseldorf), Dr. Michael Muth (München) und Dr. Hans-Dietrich Winkhaus (Ehrenmitglied, Düsseldorf). Die Jury unter Vorsitz von Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Wolfgang Frühwald (Augsburg) setzt sich aus den Mitgliedern des Wissenschaftlichen Beirats der Stiftung – Prof. Dr. Andreas Beyer (Paris), Prof. Dr. Willibald Steinmetz (Bielefeld), Prof. Dr. Dr. h.c. Barbara Stollberg-Rilinger (Münster) und Prof. Dr. Martin Zimmermann (München) – und unabhängigen Persönlichkeiten aus den Bereichen Wissenschaft und Politik zusammen. Neben Prof. Dr. Bo Stråth (Helsinki), der dem Auswahlgremium seit 2009 angehört, wirken als neue Mitglieder Dr. Franziska Augstein (München) und Prof. Dr. Dr. h.c. mult. Hermann Parzinger (Berlin) in der Jury mit.

Bisherige Trägerinnen und Träger des Gerda Henkel Preises sind die Berliner Islamwissenschaftlerin Prof. Dr. Dr. h.c. Gudrun Krämer (2010), der New Yorker Soziologe und Kulturhistoriker Prof. Dr. Richard Sennett (2008) und der Hamburger Kunsthistoriker Prof. Dr. Dr. h.c. Dr. h.c. Martin Warnke (2006).

 

Quelle:

Dr. Sybille Wüstemann

Geschäftsstelle


Gerda Henkel Stiftung

DAI – Dr. Friedrich Lüth übernimmt neues Amt in Berlin

Fragen des Kulturgüterschutzes und des site managements spielen mittlerweile in der Archäologie weltweit eine zentrale Rolle. Sie können im Rahmen von Forschungsprojekten nur über internationale Kooperationen und die Einwerbung von Drittmitteln erfolgversprechend angegangen werden. Das Deutsche Archäologische Institut schätzt sich deshalb glücklich, mit Dr. Friedrich Lüth einen herausragenden Kollegen für einen einschlägigen, neu zu begründenden Arbeitsbereich an der Zentrale in Berlin gewonnen zu haben. An der Römisch-Germanischen Kommission in Frankfurt hat Dr. Friedrich Lüth als Erster Direktor nicht nur die internationale Vernetzung im Bereich archäologischer Verbundforschung mit zahlreichen Drittmittelprojekten, sondern auch die internationale Diskussion zu Fragen des cultural heritage nicht zuletzt in seiner Funktion als Präsident der European Association of Archaeologists (EAA) mit großem Erfolg vorangetrieben. Ab dem 1. November 2011 wird er diese Kompetenzen für das gesamte Deutsche Archäologische Institut in der Zentrale in Berlin einbringen.

 

Quelle:

Nicole Kehrer

Pressestelle

Deutsches Archäologisches Institut

Briefe aus der koptischen Vergangenheit…

Im Konzessionsgebiet der Unternehmung Dra‘ Abu el-Naga des Deutschen Archäologischen Instituts Kairo in Theben-West/Oberägypten gelang einem Team der Ludwig-Maximilians-Universität München eine überraschende Entdeckung: Bei Arbeiten im Umland des auf der Hügelkuppe gelegenen Klosters Deir el-Bachit wurden 175 Ostraka geborgen, die aufgrund der Fundumstände zweifelsfrei dem Kloster zuzuordnen sind. Bereits eine erste Sichtung der Texte führte zu spektakulären Ergebnissen: Außer einigen Briefen an die „Klosterväter“ Apa Zacharias (siehe Foto) und Apa Papas fand sich auch die Erwähnung eines „Topos (Klosters) des heiligen Paulos“.

Diese Ergebnisse sind insofern interessant, als eine Identifikation der Anlage von Deir el-Bachit bisher nicht möglich war. Das ist umso bedauerlicher, als es sich hierbei nicht nur um die größte monastische Anlage der Region handelt, sondern auch um die letzte noch recht gut erhaltene. Sie wird seit einigen Jahren im Rahmen zweier DFG-geförderter Projekte und im Rahmen des von der Fritz-Thyssen-Stiftung finanzierten Projekts „Zwischen Christentum und Islam“ archäologisch und epigraphisch erforscht. Die neuen Befunde sind nun in hohem Maße geeignet, diese Wissenslücke zu füllen: Beide in den Texten als Adressaten genannte Klosterväter sind bisher, wie aus bereits veröffentlichten, allerdings nicht verorteten Texten bekannt ist, ausschließlich für das seinerseits noch nicht lokalisierte, im thebanischen Raum gelegene Pauloskloster belegt. Die Identifikation der Anlage von Deir el-Bachit mit dem Pauloskloster ist damit sehr wahrscheinlich geworden.

Ein vor kurzem durchgeführter erster Abgleich der dem Pauloskloster zuzuweisenden Textbestände des British Museum, London mit den im Bereich der Anlage von Deir el-Bachit gefundenen Ostraka ergab einige zweifelsfreie Übereinstimmungen in den Handschriften der jeweiligen Texte und untermauert damit diese Zuordnung.

Diese neuen Erkenntnisse ermöglichen nicht nur neue absolute Datierungsmöglichkeiten in Bezug auf das zeitlich sonst nur schwer einzuordnende koptische Material der Region, sondern sie bieten darüber hinaus neue wichtige Informationsquellen. So steht zu erwarten, dass im Zuge der noch andauernden Projekte Einsichten in die Lebenswelt, Organisation und Vernetzung einer monastischen Landschaft von der Spätantike bis in islamische Zeit gewonnen werden können, die diese sonst häufig unbeachtete „dunkle“ Epoche weiter zu erschließen helfen.

Quelle:

Nicole Kehrer

Pressestelle

Deutsches Archäologisches Institut

Römerkastell Saalburg

Kastelle waren ein wichtiger Bestandteil des römischen Heerwesens: Zunächst in ihrem äußeren Umriss oft noch polygonal dem Gelände angepasst, setzte sich ab der Kaiserzeit ein festes Grundschema durch. Römische Militärlager bestanden nun fast immer aus einer rechteckigen Umwehrungsmauer mit abgerundeten Ecken. Auch die Innenbauten waren weitgehend überregional genormt.

Bei Bad Homburg in der Nähe von Frankfurt steht die Saalburg. Sie gilt als das besterforschte und am vollständigsten rekonstruierte Kastell des Obergermanisch-Raetischen Limes. Seit 2005 gehört die Saalburg zum UNESCO-Weltkulturerbe.

Von hier bewachten die Römer einen Limesabschnitt im Taunus. Die erste Anlage, eine kleine Erdschanze für ca. 80 bis 100 Mann, entstand um 83 n. Chr. Einige Jahre später bauten die Römer ein Holzkastell mit Truppenunterkünften, Ställen, Verwaltungs- und Vorratsgebäuden. Innerhalb der letzten Bauphase – um 200 n. Chr. – bestand das Lager aus einer gemauerten Wehrmauer und Innenbauten aus Stein und Holz.

Während des Mittelalters und bis weit in die Neuzeit dienten die Ruinen der Saalburg als Steinbruch. Die ersten archäologischen Untersuchungen fanden hier Mitte des 19. Jahrhunderts statt. Am Ende desselben Jahrhunderts begann die Reichs-Limes-Kommission, den Verlauf des Obergermanisch-Raetischen Limes und die Standorte seiner Kastelle zu erforschen. So intensivierten sich auch die Ausgrabungen auf der Saalburg. Zur selben Zeit beauftragte Kaiser Wilhelm II. den Architekt und Altertumsforscher Louis Jacobi mit dem Wiederaufbau des Römerkastells. Bis 1907 entstand auf den antiken Fundamenten die Rekonstruktion der Saalburg.

Vor allem bei schönem Wetter lohnt sich ein Spaziergang durch das Kastell, um das typische Schema eines römischen Militärlagers kennen zu lernen.

Hier geht es zur Homepage des Römerkastells.

Porta Praetoria – Das Haupttor (LH)
Zur obligatorischen Ausstattung eines Badegebäudes gehörte die Warmluftheizung – das Hypokaustum. (LH)
Die rekonstruierte Principia, das Stabsgebäude. (LH)
Umwehrung des Kohortenkastells (LH)
Exponate aus der Sonderausstellung über den Mithraskult. (LH)