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Archäologischer Dachverband gegründet

Im Rahmen des 7. Deutschen Archäologie-Kongresses fand am 4. Oktober 2011 in Bremen die Gründungsversammlung des „Deutschen Verbandes für Archäologie“ (DVA) statt. Nachdem Versuche einer verbandsmäßigen Vereinigung der deutschen Archäologie zu Beginn des 20. Jahrhunderts und erneut nach der deutschen Wiedervereinigung Anfang der 1990er Jahre jeweils gescheitert waren, entstand mit dem neuen Dachverband nun erstmals in der Geschichte der deutschen Archäologie eine Interessenvertretung für die gesamte vereins- und verbandsmäßig organisierte Archäologie, Altertumsforschung und fachverwandte Wissenschaften in der Bundesrepublik Deutschland.

Mit seinen über 3.000 Mitgliedern wird der DVA ein wichtiges Sprachrohr für die Archäologie und fachverwandte Wissenschaften sein. Er wird sich in Belangen der Bewahrung des kulturellen Erbes, der archäologischen Museen, der Bodendenkmalpflege, der Universitäten und anderer Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der Archäologie engagieren und deren Anliegen und Interessen gegenüber der Politik und der Öffentlichkeit vertreten.

Auf der Gründungsversammlung traten dem DVA folgende Einzelverbände und Gesellschaften bei: Nordwestdeutscher Verband für Altertumsforschung e.V., West- und Süddeutscher Verband für Altertumsforschung e.V., Mittel- und Ostdeutscher Verband für Altertumsforschung e.V., Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte e.V., Deutscher Archäologen-Verband e. V., Verband der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland e. V., Deutsche Orient-Gesellschaft e.V., Deutsche Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit e.V., Dachverband Archäologischer Studierendenvertretungen e.V., Gesellschaft für Naturwissenschaftliche Archäologie – Archäometrie sowie Archäologische Kommission für Niedersachsen e. V.

Zum Präsident des „Deutschen Verbandes für Archäologie“ wurde der Prähistoriker Prof. Dr. Dr. h.c. Hermann Parzinger gewählt. Parzinger war nach seiner Hochschulassistenz und Habilitation im Fach Vor- und Frühgeschichte an der LMU München zunächst Zweiter Direktor der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Frankfurt a. M. (1990-94), anschließend Gründungsdirektor der Eurasien-Abteilung des DAI (1995-2003) und zuletzt Präsident des Instituts (2003-2008); seit 2008 ist er Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Er gehört zweifellos zu den renommiertesten Archäologen in Deutschland; 1998 erhielt Parzinger als bisher einziger Vertreter seines Faches den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und vor wenigen Monaten wurde er in den Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste aufgenommen. Er ist Mitglied zahlreicher Akademien in Deutschland, Russland, China, Großbritannien und den USA. Seine Ausgrabungstätigkeit reicht von Spanien über die Türkei und Iran bis Zentralasien, Sibirien und die Mongolei.

Parzinger bezeichnete in seiner Dankesrede die Gründung des neuen Dachverbandes als „historischen Moment“. Weiter stellte er fest: „Die Archäologie hat sich zu einer ungemein dynamischen und transdisziplinär arbeitenden Wissenschaft entwickelt, die äußerst erfolgreich Forschungsmittel einwirbt und durch ihre aktuellen Themen zum Erhalt und zur Erforschung der Bodendenkmäler weltweit großen öffentlichen Zuspruch findet. Es war deshalb höchste Zeit, ein Dach für die Archäologie in Deutschland zu schaffen, unter dem alle Verbände, Gesellschaften und Institutionen mit ihren unterschiedlichen Traditionen, Aufgaben und Zielen zusammengeführt und ihre Interessen gebündelt werden.“

In den Vorstand des „Deutschen Verbandes für Archäologie“ wurden neben Parzinger vier Vizepräsidenten gewählt: Prof. Dr. Friedrike Fless, Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts, Prof. Dr. Ute Halle, Landesarchäologin der Hansestadt Bremen, Prof. Dr. Jürgen Kunow, Vorsitzender des Verbands der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland sowie Prof. Dr. Alfried Wieczorek, Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim. Zum Geschäftsführer wurde Prof. Dr. Mat-thias Wemhoff bestimmt, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, wo sich auch die Geschäftsstelle des neuen Dachverbandes befinden wird.

 

Quelle:
Dr. Stefanie Heinlein
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Stiftung Preussischer Kulturbesitz

KultOrte – Mythen, Wissenschaft und Alltag in den Tempeln Ägyptens

Riesige Tempelanlagen sind auch im heutigen Ägypten sehr dominant. In einer Ägypten-Ausstellung allerdings wurden sie noch nie thematisiert. Das soll sich durch dieses gemeinsames Projekt der Universitäten Würzburg und Tübingen sowie der Hochschule Niederrhein ändern.

Nofretete, Pyramiden, Mumien, Tod und Jenseits – das sind die Schlagwörter, die mit Ägypten assoziiert und in Sonderausstellungen thematisiert werden. Doch jeder, der das Land am Nil bereist hat und nicht nur im Roten Meer tauchen war, ist durch grandiose ägyptische Tempel gewandelt und hat sich Fragen gestellt wie: Was ist hier abgelaufen? Was haben die Hieroglyphen und Szenen auf den Wänden zu bedeuten?

Trotz der Dominanz der riesigen Tempelanlagen auch im heutigen Ägypten wurden diese noch nie in einer Ausstellung thematisiert. Das soll sich durch diese gemeinsame Ausstellung der Universitäten Würzburg und Tübingen ändern.

Dritter Kooperationspartner ist der Fachbereich Design der Hochschule Niederrhein. Ein schon während seines Studiums mehrfach mit ersten Preisen ausgezeichneter Student, Didier Gehlen, wird den ausstellungsarchitektonischen Rahmen schaffen, in dem die Exponate zur Geltung kommen sollen: Im Museum lässt er einen Tempel entstehen, in dem über 100 teilweise bislang unpublizierte altägyptische Originale aus den Sammlungen in Würzburg und Tübingen gezeigt werden.

Ergänzt durch Exponate aus Berlin und Stuttgart machen sie die vielfältigen Aspekte und Funktionen eines ägyptischen Heiligtums anschaulich.

 

Veranstaltungsort:

Martin-von-Wagner-Museum der Universität
Residenzplatz 2 (Tor A, links)
97070 Würzburg
Bayern

 

Öffnungszeiten:

20. Oktober 2011 bis 11. Februar 2012
Dienstag bis Samstag 13.30–17 Uhr
Sonntag 10–13.30 Uhr

 

 

 

 

 

Weitere Informationen hierzu finden Sie hier.

 

 

Quelle:

Robert Emmerich
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Kopf eines Satyrs im tunesischen Chimtou entdeckt

Kopf des Satyrs „Ludovisi” aus Chimtou. Der Ausbruch an der Stirnseite ist zur Hand der Mänade zu ergänzen (DAI Rom)

Bei den archäologischen Ausgrabungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Rom in Simitthus (Chimtou, Tunesien) wurde 2010 der fragmentierte Kopf eines Satyrs entdeckt. Bei den Detailuntersuchungen konnte nun festgestellt werden, dass es sich bei dem unterlebensgroßen Kopf um einen Satyr der Satyr-Mänaden-Gruppe „Ludovisi“ handelt. Der Kopf aus Chimtou ist damit der vierte bekannte Satyrkopf der Gruppe weltweit.

Besondere Aufmerksamkeit erregt der Fund darüber hinaus, da es erst die zweite bekannte Großplastik aus Simitthus ist, die nicht aus numidischen Marmor (gallo antico) gefertigt wurde. Neben dem Kopf des Satyrn aus weißem kristallinem Marmor ist bisher nur der sogenannte „Knabe aus Chimtou“ bekannt. Der Vergleich mit dem Satyrkopf im Thermenmuseum in Rom zeigte nun, dass es sich bei dem Fragment aus Chimtou um eine Replik der hellenistischen Satyr-Mänaden-Gruppe Typus „Ludovisi“ handelt.

Der fragmentierte Kopf war als Spolie in einer mittelalterlichen Mauer verbaut, die im zerstörten Podium eines römischen Tempels dokumentiert werden konnte. Der Podiumtempel, der allgemein als Kaiserkulttempel angesprochen wird, wurde in severischer Zeit mit einer monumentalen Platzanlage ausgestattet. Zusätzlich wurde im Westen des Areals eine Thermenanlage errichtet, aus der möglicherweise auch die Gruppe des Satyrs und der Mänade stammt.

Die Arbeiten am Kaiserkulttempel sind Teil des deutsch-tunesischen Kooperationsprojekts in Chimtou im heutigen Tunesien. Das Deutsche Archäologische Institut, Abteilung Rom und das Institut National du Patrimoine de la Tunisie (INP Tunis) forschen seit 1965 im Stadtgebiet der ehemaligen römischen Colonia Simitthus. Unter der Leitung von Philipp von Rummel und Mustapha Khanoussi konzentrieren sich die Bemühungen derzeit auf das Areal des Forums, den sog. Kaiserkulttempel und die traianische Brücke.

Quelle:
Nicole Kehrer
Pressestelle

Deutsches Archäologisches Institut

Pergamon – Panorama der antiken Metropole

Vom 30. September 2011 bis 30. September 2012 präsentiert die Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin eine umfassende Ausstellung zum Thema Pergamon: Im Nordflügel und in den drei zentralen Architektursälen im Ostflügel des Pergamonmuseums werden etwa 450 zum größten Teil noch nie gezeigte Exponate aus dem Bestand der Antikensammlung werden gezeigt.

Eine Vielzahl von Skulpturen, Mosaiken, Münzen, Keramiken und Metallgeräten vermittelt ein anschauliches Bild vom Leben in der antiken Metropole. Zudem geben Gemälde, historische Fotos und Archivunterlagen Einblicke in die Entdeckungs- und Forschungsgeschichte.

Darüber hinaus versetzt ein neues monumentales 360°-Panorama des Künstlers Yadegar Asisi und der asisi GmbH die Besucher in einer eigens errichteten, temporären Rotunde auf den Burgberg von Pergamon im Jahr 129 n. Chr. Die Rekonstruktion der Bebauung basiert auf dem aktuellen Forschungsstand und wurde in enger Zusammenarbeit mit den Archäologen der Berliner Antikensammlung und des Deutschen Archäologischen Instituts erarbeitet. Auf etwa 25 Metern Höhe und 103 Metern Länge zeigt das Panorama die Bauten auf dem Burgberg von Pergamon und viele der in der Ausstellung gezeigten Skulpturen in ihrer ursprünglichen Aufstellung.

Mehr Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.

 

Quelle:

Staatliche Museen zu Berlin

DARIAH vernetzt Forscher

Mit Methoden der Digital Humanities sichtbar gemachte Hügelgräber aus der jüngeren Bronzezeit (Lausitzer Kultur) unweit mehrerer Altarme der Schwarzen Elster bei Uebigau (Kreis Elbe-Elster). Mit Aerial-Laser-Scanning-Daten konnte erstmals die gesamte Ausdehnung des Gräberfeldes erfasst werden. Bisher war dies unbekannt, da die meisten Gräber heute durch Erosion fast vollkommen eingeebnet sind und die Vegetation ihre Lokalisation stark erschwert. Bild: Armin Volkmann, interpoliert nach Daten der Landesvermessung und Geobasisinformationen Brandenburg

Geistes- und Kulturwissenschaftler sollen sich künftig stärker vernetzen – über die digitale Forschungsinfrastruktur DARIAH. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert deren Aufbau mit 5,8 Millionen Euro, der Lehrstuhl für Computerphilologie der Universität Würzburg ist an dem Projekt maßgeblich beteiligt.

Ein über die ganze Welt verstreutes Experten-Team arbeitet per Internet zeitgleich an einem gemeinsamen Projekt: Dieses Prinzip steckt hinter dem Online-Lexikon Wikipedia, und nach diesem Prinzip soll in drei Jahren auch DARIAH funktionieren, eine digitale Forschungsinfrastruktur für Geistes- und Kulturwissenschaftler.

DARIAH steht für „Digital Research Infrastructure for the Arts and Humanities“. In Deutschland sind an dem europaweiten Projekt 17 Partner beteiligt. Dazu gehört auch ein Team vom Lehrstuhl für Computerphilologie der Universität Würzburg: der Literaturwissenschaftler Professor Fotis Jannidis, der Archäologe Armin Volkmann und der Romanist Christof Schöch.

IT-Methoden verstärkt im Einsatz

Warum DARIAH sein muss? „Auch in den Geistes- und Kulturwissenschaften werden computergestützte Forschungsmethoden zunehmend komplexer“, sagt Professor Jannidis. Darum sei es wichtig, die Forscher mit den neuesten Technologien und Methoden besser vertraut zu machen, ihnen Unterstützung anzubieten und neue Forschungsansätze zu eröffnen. Letzteres sei besonders dann zu realisieren, wenn die neuen Methoden fachübergreifend zum Einsatz kommen.

Armin Volkmann nennt als Beispiel ein Projekt, an dem er selbst mitgearbeitet hat: Archäologen, Historiker und Klimatologen aus Deutschland, Israel und den USA befassten sich mit dem Niedergang des Römischen Reichs im fünften Jahrhundert nach Christus. Bei ihrer Kooperation übers Internet fanden sie mit einer gemeinsamen Datenbank und einem web-basierten geographischen Informationssystem heraus: Genau in dieser Zeit gab es jahrzehntelange Klimakapriolen. Diese dürften – neben den bekannten politischen Ereignissen – wesentlich zur Krise des Reichs beigetragen haben. Denn Dürren, Überschwemmungen, Missernten und Nahrungsmangel können gesellschaftliche Umbrüche mitbestimmen.

Forschungsquellen in digitalen Umgebungen zusammenführen

Damit solche Forschungen künftig verstärkt möglich sind, entwickeln Professor Jannidis und sein Team im DARIAH-Verbund eine Infrastruktur im Internet. Bildlich gesagt: Sie bauen die Autobahn, auf der Geistes- und Kulturwissenschaftler auch ohne größeres technisches Vorwissen ihre Projekte fahren können. Weit verstreute Forschungsquellen – wie einzelne digitalisierte Handschriften, Manuskripte und Akten – lassen sich mit der Unterstützung von DARIAH in digitalen Umgebungen zusammenführen. „Das macht Forschungen möglich, die wegen der großen Quellenbasis auf einem guten Fundament stehen und fundierte Aussagen durch automatisierte Reihenvergleiche überhaupt erst zulassen“, so das DARIAH-Team.

Anwendungsmöglichkeiten gibt es viele: Historiker, Philosophen und Literaturwissenschaftler können kollaborativ Texte edieren und mit digitalen Methoden auf Wortwahl, Sprachgebrauch und andere Kennzeichen untersuchen. Filme lassen sich damit ebenso analysieren wie Musikstücke oder Partituren.

Digitale Werkzeuge im Fokus

Für derartige Analysen werden im Projekt auch digitale Werkzeuge weiterentwickelt. Das ist nötig, um die teils sehr unterschiedlichen digitalen Quellen miteinander vergleichbar und damit wissenschaftlich auswertbar zu machen. Auch neue Werkzeuge für spezifische Analysen sollen geschaffen werden.

Zwei Beispiele: Es gibt Software, die Laserscandaten der Erdoberfläche in dreidimensionale Karten umsetzt. Auf dieser Basis lassen sich automatisierte Verfahren entwickeln, um auf der Karte Bodendenkmäler wie prähistorische Hügelgräber oder mittelalterliche Burgwälle aufzuspüren. Oder: Zunehmend verwenden online verfügbare Textarchive standardisierte, strukturierte Formate zur Textcodierung. Es mangelt jedoch aber noch an Werkzeugen für komplexe Abfragen, die der zielgerichteten Analyse dieser Textdaten dienen.

Ablauf des Drei-Jahres-Projekts

Das BMBF fördert die Arbeit an DARIAH für zunächst drei Jahre. In dieser Zeit werden die Würzburger Wissenschaftler zuerst den Bedarf analysieren: Welche Forschungsfragen sind in den Geistes- und Kulturwissenschaften aktuell oder im Kommen? Welche digitalen Forschungswerkzeuge gibt es schon, wo herrscht noch Bedarf? Welche fachwissenschaftlichen Anforderungen müssen digitale Werkzeuge und virtuelle Forschungsumgebungen erfüllen?

Parallel dazu wird das Team Fallbeispiele entwickeln, um das Potenzial von DARIAH anschaulich zu machen. Weiterbildungen für Wissenschaftler und die Verankerung der neuen Methoden („Digital Humanities“) in der Studierendenausbildung runden das Vorhaben ab.

Mehr Informationen hierzu finden Sie hier.

 

Quelle:
Gunnar Bartsch
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Julius-Maximilian-Universität Würzburg

Geheimnisse der Steppe enthüllt

Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt und der Akademie der Wissenschaften in Ekaterinburg finden bemerkenswerte Zeugnisse einer vergessenen Kultur im Trans-Ural

FRANKFURT. Der Ort des Geschehens liegt 3.530 Kilometer Luftlinie vom Campus Westend der Goethe-Universität entfernt in Westsibirien, mitten in der russischen Steppe. Dieses Gebiet im Trans-Ural spielt seit kurzem eine wichtige Rolle für Prof. Rüdiger Krause, Professor für Vorgeschichte Europas am Institut für Archäologische Wissenschaften und seine russische Kollegin, Prof. Dr. Ludmila Korjakova von der Russischen Akademie der Wissenschaften aus Ekaterinburg. Unterstützt wird das Projekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Russischen Stiftung für Geistes- und Sozialwissenschaften in Moskau (RGNF).

Von Anfang Juli bis Mitte August 2011 haben die beiden Archäologen und ihr großes Team an Mitarbeitern und Studenten bei einer Grabungskampagne weitere Geheimnisse der Steppe enthüllt. Über den Alltag einer längst verflossenen Menschheitsepoche gab die Erde viele Zeugnisse frei: Hausgrundrisse bronzezeitlicher Häuser wurden ebenso gefunden wie zahlreiche Hinterlassenschaften des täglichen Lebens (Keramikscherben, Tierknochen, Geräte aus Stein, Knochen und Bronze). Spektakulär sind die zahlreichen Brunnenschächte zur Wasserversorgung, die sich in jedem Haus finden. Aus den Brunnenverfüllungen liegen erstmals zahlreiche Hölzer mit Bearbeitungsspuren vor, die wertvolle Hinweise zur Holzbearbeitung vor 4000 Jahren liefern. Aus Grabhügeln, die an vielen Stellen die karge Landschaft überragen, sind seit Jahren Streitwagen bekannt, die über die älteste, weltweit bekannte Speichenrad-Technologie verfügen. Auch finden sich in den Grabhügeln Pferdegeschirre mit scheibenförmigen Trensenknebeln, die bis an die untere Donau und zu den bronzezeitlichen Schachtgräbern von Mykene zu finden sind und somit weiträumige Kontakte durch die Weiten der Steppe zwischen Ost und West bezeugen.

Bei den Grabungen wurde auch klar, dass die bronzezeitlichen Steppen-Menschen bereits über einen hohen gesellschaftlichen Organisationsgrad verfügten, der aber offenbar nicht von Dauer war: Befestigte Siedlungen mit regelhafter, funktionaler Innengliederung und systematisch angeordneten Häusern, die wie aus dem Nichts aufzutauchen scheinen und nach ungefähr zwei Jahrhunderten ebenso plötzlich im bislang noch undurchsichtigen Nebel der weiteren Geschichte wieder verschwinden, setzten die Forscher in Erstaunen.

Grundlage für diese frühe kulturelle Blüte bilden u.a. die überaus reichen Mineral- und Erzvorkommen des Urals, die seit dieser Zeit bis heute genutzt werden und von herausragender Bedeutung für die Entwicklung des eurasischen Steppenraums sind. Die Grabungen werden unterstützt von einem interdisziplinären Team von Wissenschaftlern: Archäobotanikern und Vegetations¬geschichtlern, Bodenkundlern und Biologen, Archäometallurgen, Geologen, Geophysikern und Vermessungsspezialisten, zu denen renommierte Wissenschaftler der Akademie der Wissenschaften aus Ekaterinburg, Tscheljabinsk, Miass sowie der Goethe-Universität gehören.
Weitere Informationen hierzu finden Sie hier.

Quelle:
Dr. Olaf Kaltenborn
Marketing und Kommunikation

Goethe-Universität Frankfurt am Main

«Mumien: Mensch, Medizin, Magie»: Von Ötzis Knochenstück bis zur ägyptischen Mumie

Frank Rühli (rechts) und Hendrik von Waldburg mit peruanischer Hockermumie vor einem MRI-Gerät. Siemens-Pressebild

Die Universität Zürich zeigt auf dem Campus Irchel eine umfassende Mumien-Ausstellung. Sie präsentiert unterschiedliche Arten von Mumien und erklärt die moderne Mumienforschung. Die Ausstellung vermittelt aber auch den faszinierenden Totenkult im alten Ägypten und die Magie, die von Mumien ausgeht. «Mumien: Mensch, Medizin, Magie» dauert vom 23. September 2011 bis 8. Januar 2012.

Die Ausstellung gibt einen Einblick in die Welt der Mumien und die neuesten Techniken, mit denen Mumien heute an der UZH medizinisch erforscht werden. Herzstück der Ausstellung ist eine begehbare ovale Mumienkapsel. Darin aufgebahrt sind die Mumie des ägyptischen Priesters Nes-Schu, eine peruanische Hockermumie, die Basler Barfüssermumie, eine Römermumie aus Ägypten, ein mittelalterliches Kinderhirn und ein Knochenstück von «Ötzi». An diesen und anderen Mumien erforschen Privatdozent Frank Rühli und sein Team am Zentrum für Evolutionäre Medizin Todesursachen und diagnostizieren Krankheitsbilder. Ihr Ziel ist es, mehr zu erfahren über die Veränderungen und Neuentstehungen von Krankheiten über die Jahrhunderte hinweg. So gelangen sie zu neuen Erkenntnissen über Krankheits- und Gesundungsprozesse in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Mumien auswickeln

Mumien tragen historische Krankheiten in sich, sind tote Patienten und medizinische Forschungsobjekte. Die Ausstellung zeigt anhand von Filmen und Schautafeln, wie Mumien durchleuchtet und untersucht werden. Die Forscher nutzen beispielsweise Computertomographie oder Magnet-Resonanz-Bildgebung (MRI), um eine Mumie am Computer auszupacken, ohne sie anfassen oder beschädigen zu müssen.

Mumien-DNA entschlüsseln

Besucherinnen und Besucher der Ausstellung erfahren, wie Mumien mit Methoden der Molekularbiologie untersucht werden. Sie lernen die modernsten genetischen Techniken kennen, mit denen der DNA-Code von historischen Mumien geknackt und ihre Krankheitserreger festgestellt werden können. Die Besucher können selber erfahren, wie man mit DNA-Analysen verwandtschaftliche Beziehung von Mumien nachweisen kann.

Mumien erzählen

Mumien sind nicht nur Objekte der Forschung; Mumien haben gelebt, geliebt, gelitten. Sie sind Zeugnisse historischer Epochen und erzählen von Werten und Kenntnissen früherer Kulturen. In der Ausstellung wird darum auch der Totenkult vorgestellt und erklärt, warum und wie die alten Ägypter die Verstorbenen mumifiziert haben. Ihre Jenseitsvorstellungen werden beschrieben und die Ausstattung ihrer Gräber. Zu sehen sind unter anderem Grabbeigaben wie der Ba-Vogel, Amulette oder die kopfartigen Deckel der Kanopen-Krüge, in denen die Organe der Verstorbenen aufbewahrt wurden.

Weitere Informationen hierzu finden Sie hier.

 

Quelle:
Beat Müller
Kommunikation

Universität Zürich

Gold, Sklaven und Elfenbein. Mittelalterliche Reiche im Norden Nigerias

Die Sonderausstellung des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) bietet seltene Einblicke in das Mittelalter Afrikas: Den Europäern unbekannt entstanden in Westafrika mächtige Reiche mit weitreichenden Handelsbeziehungen. Fundstücke aus drei Elitegräbern in Nordnigeria, die im RGZM restauriert wurden, bezeugen die Macht jener Länder.

Eiserne Beinringe aus Grab 4 des Gräberfeldes von Durbi Takusheyi, Katsina State, Nigeria. 13/14 Jh. n. Chr. Foto: RGZM / R. Müller

Das mittelalterliche Europa nahm Afrika kaum wahr. Ihm entging, dass sich in der Sahel- und Sudanzone Westafrikas einflussreiche islamische Staaten mit sakralen Herrschern bildeten. Diese Staaten standen in regem kulturellen Austausch mit der arabischen Welt. Ihr wirtschaftlicher Erfolg beruhte auf dem Export von Gold, Sklaven und Elfenbein – ihre Handelsverbindungen reichten bis nach Europa und Indien. Auch als Portugiesen, Franzosen, Niederländer und Briten im 15. Jahrhundert die Küsten Westafrikas erschlossen, blieben ihnen die Staaten im Innern Afrikas unbekannt und geheimnisvoll. Nur die nach Europa gelangten Kostbarkeiten, wie Gold und Elfenbein, ließen die Macht jener Reiche erahnen. Erst im 19. Jahrhundert gerieten die Länder südlich der Sahara ins Visier europäischer Expansionsinteressen. Mit Beginn des Imperialismus am Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie in die Nationalstaaten ihrer Besatzer integriert, wo sie bis zur Unabhängigkeit als Emirate fortbestanden.
Beleuchtet werden die Entstehung und die Expansion der mittelalterlichen Reiche im Norden Nigerias bis hin zu ihrer Entdeckung durch die Europäer im 19. Jh. Zudem führt die Ausstellung in den Naturraum der Sahel- und Sudanzone ein und integriert Elemente der traditionellen Architektur in das Ausstellungskonzept. Im Mittelpunkt stehen Fundstücke aus drei Elitegräbern dieser Gesellschaften – u. a. reiche Importe aus der arabischen Welt –, die ins 13./14. Jahrhundert und um 1500 datieren. Sie zeugen von der wirtschaftlichen und politischen Bedeutung Westafrikas sowie ihres weitreichenden Handelsnetzes im Mittelalter.
Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der nigerianischen Denkmalbehörde (National Commission for Museums and Monuments – NCMM), deren Objekte in den Werkstätten des RGZM restauriert wurden. Auch Leihgaben des Weltkulturen Museums und aus der Sammlung des Frobenius-Instituts, beide in Frankfurt am Main, werden gezeigt.

Weitere Informationen zu der Sonderausstellung finden Sie hier.

 

Quelle:
Christina Nitzsche
Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit

Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) – Forschungsinstitut für Vor- und Frühgeschichte

Antikes Theater entdeckt

Im berühmten Apollonheiligtum von Didyma (Westtürkei) stießen deutsche Archäologen überraschend auf ein Theater aus der römischen Kaiserzeit

Bei den Ausgrabungen der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Künste und des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Didyma (Westtürkei) wurden im August 2011 völlig unerwartet die Reste eines antiken Theaters gefunden. Schon im Sommer 2010 hatten die Grabungen eine große gerundete Mauer mit einem Treppenzugang zutage gefördert, welche damals noch als Terrassenmauer gedeutet wurde. Dieses Jahr wurden nun gerundete Sitzstufen in situ gefunden, die ohne Zweifel zu einem Theater gehören, und dessen Existenz sicher belegen.

Interessant ist dieser Fund in verschiedener Hinsicht: Theater gab es zwar in vielen antiken Städten; aber Didyma war keine Stadt, sondern ein außerstädtisches Heiligtum, das zu dem 17 km entfernten Milet gehörte, das selbst ein großes Theater besaß.
Obwohl Theater in der Regel nicht zur Ausstattung eines Heiligtumes gehörten, hatte man im Fall von Didyma schon früh den Verdacht, dass es ein solches gegeben haben könnte. Denn den antiken Inschriften zufolge fanden im Heiligtum regelmäßig Wettkämpfe zu Ehren Apollons statt, die auch Gesangs- und Redewettbewerbe umfassten. Da aber im Verlauf der Grabungen nur ein Stadion für die sportlichen Wettkämpfe zutage trat, vermutete man, die musischen Agone (griech. „Wettstreit“) wären im Theater von Milet abgehalten worden. Seit den diesjährigen Ausgrabungen ist jedoch klar, dass die Gesangs- und Redewettbewerbe für Apollon doch in seinem Heiligtum in Didyma stattfanden.

Mit dem Fund des Theaters in Didyma kann womöglich ein weiteres, langjähriges Rätsel gelöst werden. Bei den ersten deutschen Ausgrabungen Anfang des 20. Jhs. wurden Bauteile eines sogenannten Tabernakelbaues gefunden, der für die Fassaden von Nymphäen und Toranlagen, aber auch für die von Bühnengebäuden typisch war. Im Apollonheiligtum von Didyma existierte jedoch bislang kein Fundament, mit dem man diese Teile hätten verbinden können. Da nun die Existenz eines Theaters erwiesen ist, gilt es zu überprüfen, ob die Tabernakelfassade zum Bühnenhaus gehört hat; dessen Unterbau im kommenden Jahr ausgegraben werden soll. Wenn sich die vermutete Verbindung mit der Tabernakelfassade bestätigt, hätte man auch eine sichere Datierung gewonnen, da diese neben Apollon u. a. dem römischen Kaiser Hadrian (117-138 n. Chr.) geweiht ist. So ließe sich diese Phase des Theaters in die Blütezeit des Römischen Reiches einordnen.

Der Fund des Theaters von Didyma ist ferner deshalb bedeutend, weil wir vom Apollonheiligtum bisher fast ausschließlich seinen riesigen Marmortempel (60 m x 120 m im Grundriss messend) kennen, der zu den größten und am besten erhaltenen Tempeln der Antike gehört. Da am Ort des antiken Didyma im 18. Jh. eine neue Siedlung entstand, waren den Ausgrabungen von Beginn an enge Grenzen gesetzt. Um den Tempel freizulegen, wurde zwar ein Teil der modernen Bebauung abgetragen, doch die Häuser im unmittelbar angrenzenden Areal bestanden weiter, sodass das Zentrum des Heiligtums nicht weiter freigelegt werden konnte. Dementsprechend konzentrierten sich die Grabungen seit den siebziger Jahren des 20. Jhs. dann auch auf das Gebiet im Norden des Tempels, wo man z. B. den Endabschnitt der gepflasterten Heiligen Straße, Hallen mit Läden und eine römische Therme freilegte. Weitere, insbesondere aus den Inschriften bekannte Großbauten konnten dabei jedoch nicht lokalisiert werden.
Erst in den letzten Jahren hat sich die Ausgangsposition für die archäologische Erschließung der berühmten Orakelstätte grundlegend geändert, da mittlerweile viele Wohnhäuser des 18. und 19. Jhs. verlassen und eingestürzt sind. Damit ergeben sich rund um den Apollontempel ganz neue Grabungsmöglichkeiten, und durch die Auffindung des Theaters wird nun eindrucksvoll deutlich, dass in Didyma in den nächsten Jahren mit der Entdeckung weiterer Großbauten zu rechnen ist.

Der Grabungsleiter von Didyma ist Prof. Dr. Andreas Furtwängler (Universität Halle). Das an der Universität Bonn angesiedelte Projekt „Kulte im Kult“ der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Künste wird von Prof. Dr. Helga Bumke (Universität Bochum) geleitet und gemeinsam mit Dr. Jan Breder, Dr. Ivonne Kaiser und Dr. Ulf Weber durchgeführt.

Weitere Informationen hierzu :

http://www.dainst.org/de/pressrelease/antikes-theater-entdeckt?ft=all
http://www.ai.uni-bonn.de/lehre-und-forschung/projekt-kulte-im-kult-1

 

Quelle:

Nicole Kehrer M.A.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Deutsches Archäologisches Institut

.hist2011 – Geschichte im digitalen Wandel

Der Einsatz digitaler Medien ist heute fester Bestandteil von Forschung und Lehre in der Geschichtswissenschaft. Weiterhin offen ist die Frage, welche Konsequenzen daraus für die Wissenschaft entstehen. Wie verändern das Internet und EDV-gestützte Arbeitsmethoden die historische Forschung? Welche Perspektiven bieten digitale Medien in den Geschichtswissenschaften für die weitere Entwicklung von Forschung und Lehre? Wie haben sich die Grenzen zwischen Fachwissenschaft und Öffentlichkeit bei der Veröffentlichung und Wahrnehmung von Quellen und Publikationen verschoben? In vielen interdisziplinären Projekten stellen sich Wissenschaftler diesen Fragen und beobachten dabei Veränderungen quantitativer und qualitativer Art: Zahlreiche internetgestützte Informations- und Kommunikationsangebote haben das Experimentalstadium verlassen und sich im Netz des Web 2.0 etabliert, beispielsweise als kollaborative Arbeitsplattformen oder in sozialen Netzwerken. Vor allem Nachwuchswissenschaftler greifen auf Internetangebote wie Facebook, Twitter, Wikipedia und Co. zurück und eignen sich deren mediale Informations- und Kommunikationsstrukturen für Forschung und Lehre an. Mit welchen intendierten Zielen, Auswirkungen und Perspektiven ist dabei allerdings noch offen und bietet Raum für Diskussionen.

Das 15-jährige Jubiläum von H-Soz-u-Kult, dem Fach- und Kommunikationsforum für die Geschichtswissenschaften, und das einjährige Bestehen von L.I.S.A. – Das Wissenschaftsportal der Gerda Henkel Stiftung, sind der Anlass, die Veränderungen von Forschungspraktiken in den Geschichtswissenschaften vor dem Hintergrund des digitalen Wandels zu reflektieren und zu diskutieren. Im Mittelpunkt steht dabei der Wandel von Arbeitspraktiken und Methoden. Zugleich wird eine Werksschau aktuellen Projektentwicklungen den Raum zur Präsentation geben.

Termin: 14. und 15. September 2011
Ort: Senatsaal, Hauptgebäude der Humboldt-Universität zu
Berlin, Unter den Linden 6, 10117 Berlin
Veranstalter: Clio-online – Historisches Fachinformationssystem e.V.,
Gerda Henkel Stiftung, Düsseldorf

Hier geht es zur Seite der Tagung

 

Quelle:

Dr. Sybille Wüstemann
Geschäftsstelle

Gerda Henkel Stiftung