Studenten gestalten die dauerhafte Münzausstellung im Römermuseum Schwarzenacker neu

Das Römermuseum in Schwarzenacker bei Homburg ist eine der bedeutendsten kulturgeschichtlichen Stätten des Saarlandes. Nun bereiten Studenten der Saar-Uni die dortige Münzausstellung neu auf. Die angehenden Altertumswissenschaftler arbeiten sich tief in die Geschichte der römischen Münzen ein, die viel mehr waren als reines Zahlungsmittel. Das Geld, das aus einer Zeitspanne von rund vier Jahrhunderten stammt, gibt Rückschlüsse auf das Alltags- und Wirtschaftsleben der Römer im heutigen Saarland und in ganz Europa. Ab dem 15. März soll die Ausstellung den Besuchern des Museums offen stehen.

Als die Inflation drohte, griff der Staat ein. Mit festgelegten Höchstpreisen für Waren und Dienstleistungen sollte die Bevölkerung wieder Vertrauen in das europaweit verbreitete Geld gewinnen. Letzten Endes war das aber wirkungslos; dem wirtschaftlichen Niedergang folgte ein politischer. Nein, es geht nicht um die Eurokrise. Das erwähnte Preisedikt stammt vom römischen Kaiser Diokletian aus dem Jahr 301 n. Chr. Es hatte nicht die gewünschte Wirkung und verpuffte schlussendlich. Das schlägt sich auch in der Währung nieder: „Die Münzqualität wird immer schlechter, je weiter das Römische Reich zeitlich voranschreitet“, berichtet Lisa Hovenbitzer über den Wertverfall der Münzen in der Spätantike.

Sie ist eine von acht Studentinnen und Studenten, die die dauerhafte Münzausstellung im Römermuseum Schwarzenacker überarbeiten. Unter der Anleitung von Susanne Börner vom Institut für Alte Geschichte der Saar-Uni und dem Archäologen Thomas Kreckel vom Römermuseum. nehmen sie Münzen aus verschiedenen Jahrhunderten genau in Augenschein.

Bis dato sind die Münzen in Schaukästen zu sehen, bei denen die Besucher einen gewissen Abstand zu den Jahrtausende alten Zahlungsmittel halten müssen. „Wir möchten die Münzen in Plexiglasscheiben einfassen, die wir wie eine Art Hängetableau an der Wand befestigen möchten. So können die Besucher die Münzen ‚durchblättern’. Schließlich muss man nahe ran, um die wichtigen Details und beide Seiten zu erkennen“, erklärt Studentin Heike Schröder.

Aus diesen Details lesen die angehenden Expertinnen und Experten eine ganze Menge Fakten über die Zeit. „Münzen sind wahre Informationsquellen. Werden sie zu einer Zeit geprägt, in der ein Kaisersohn geboren wurde, sehen sie ganz anders aus als Münzen, die zu Kriegszeiten oder während einer schlimmen Epidemie geprägt worden sind“, erklärt Lisa Hovenbitzer. „Münzen waren auch immer Mittel staatlicher Propaganda. Manche Kaiser ließen sich als Soldaten abbilden. Andere Kaiser sind eher naturgetreu dargestellt. Nero zum Beispiel hatte ein ausgeprägtes Doppelkinn auf den Münzen mit seinem Abbild. Wie seines sind die Abbilder einiger Kaiser wohl nur wenig idealisiert“, sagt die Studentin.

Anhand der Münzen können die Wissenschaftler auch Rückschlüsse auf Handelswege und Wirtschaftsstrukturen des Römischen Reiches gewinnen. „Ähnlich wie heute der Euro in den einzelnen Mitgliedsländern der Währungsunion geprägt wird, wurden in der Spätantike auch Münzen in dutzenden Stätten in ganz Europa geprägt, zum Beispiel in Trier, Lyon und Arles“, führt Archäologe Thomas Kreckel aus. Je nach Häufigkeit der Münzen aus den verschiedenen Prägestätten können die Wissenschaftler nachvollziehen, auf welchen Wegen die Waren innerhalb des Imperiums gehandelt wurden.

Insgesamt umfasst die Schau die Zeitspanne der Regentschaft von 61 Kaisern bis zu Arcadius, dessen Herrschaft im Jahre 408 n. Chr. endete. Neben erklärenden Tafeln, die die Geschichte anhand der gezeigten Münzen erklären, sollen die Regierungszeiten der Kaiser und die wichtigsten Ereignisse für die Römerstadt Schwarzenacker auf einer gut fünf Meter langen Zeitleiste skizziert werden. Darüber hinaus wollen die Studenten tellergroße Modelle von römischen Münzen und einer Euromünze herstellen, die Schulkinder wie ein Puzzle zusammenbasteln können. „Damit möchten wir auch den jüngsten Besuchern vermitteln, wie ähnlich sich die Zahlungsmittel damals und heute sind“, sagt Studentin Heike Schröder.

Mit solchen Projekten lernen die Studenten die praktischen Seiten ihres Studiums kennen. Heike Schröder beispielsweise reizt besonders, wie sie lernt, auch auf die Kleinigkeiten bei der Organisation einer Ausstellung zu achten. „Wir müssen zum Beispiel darauf achten, dass die Ausstellung leicht zu transportieren ist, wenn sie einmal in einem Multifunktionsbau des Museums gezeigt werden soll, der derzeit noch in Planung ist“, sagt sie. „Außerdem merke ich mir die Fakten viel besser, wenn ich sie nicht nur für eine Klausur lerne.“

In einem Teilprojekt überarbeiten die Studenten auch den Webauftritt des Museums. Auf einer Unterseite der Seite http://www.roemermuseum-schwarzenacker.de erfahren Internet-Nutzer dann, wie Wissenschaftler Münzen genau datieren, wie sie aus der Erde geborgen werden, ohne sie zu beschädigen und wie sie fachgerecht restauriert werden. Außerdem fassen die angehenden Altertumswissenschaftler die Erkenntnisse in einer Publikation zusammen, welche tiefergehende Informationen zur antiken Münzprägung, zur Kaufkraft des römischen Geldes und der Motivvielfalt enthält.

Quelle:

Thorsten Mohr
Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

Deutsche Forscher errichten Teile des antiken Zeus-Tempels von Olympia wieder

Der Zeus-Tempel von Olympia gilt als Höhepunkt der dorischen Baukunst und beherbergte einst die große Zeusstatue, eines der Sieben Weltwunder. Heute lassen sich der Aufbau und die Dimension des Tempels anhand des Ruinenfelds nur noch von Experten erfassen. Deshalb führte das Deutsche Archäologische Institut nach einem 1992 erarbeiteten Masterplan in den letzten Jahren zahlreiche Restaurierungsmaßnahmen und partielle Wiedererrichtungen unter Verwendung der originalen, erhaltenen Bauteile (sog. Anastilosis) durch.

Bereits 2004 konnte den Besuchern die dritte Dimension des Zeus-Tempels durch die Wiederaufrichtung einer Säule vor Augen geführt worden.
Die nächste Stufe der Restaurierung wurde Ende November 2012 erfolgreich abgeschlossen. Ziel war es, den Bereich der westlichen Rückhalle des Tempels, den sog. Opisthodom, den Besuchern verständlich zu präsentieren.Zuerst mussten für den teilweisen Wiederaufbau des Opisthodoms 38 Architekturbauteile umgelagert werden, die im Zuge der Grabungen des 19. Jahrhunderts dort liegen geblieben waren. Dabei wurden Säulentrommelfragmente und undefinierbare Bruchstücke (wahrscheinlich Hinterfütterungssteine des Frieses) parallel der nordsüdlich verlaufenden Straße vor dem antiken Versturz gelagert, 12 Wandquader hingegen auf die oberste, bereits sichtbare Schicht des Wandfundamentes (Toichobat) der Westmauer der Cella aufgesetzt. Erst durch diese Aufräumarbeiten und den Abschluß der Wandquaderreihe ist die räumliche Erfahrung des Opisthodoms wieder möglich.
Die gut erhaltenen Orthostaten (große, aufrecht stehende Steinblöcke der untersten Lage eines Mauerwerks) der westlichen Ante (vorgezogene Mauerzunge) wurden vom Steinmetz und Restaurator F. Beuthan gereinigt. Die fehlende nördliche Ecke wurde mit einer Titanbewehrung und der schon in den früheren Restaurierungen bewährten Kunststeinmischung ›in Bosse‹ angegossen und anschließend der antiken Oberfläche angeglichen.
Der Stylobat des Opisthodoms wurde von dem Befall durch Flechten und Moose befreit und feine Risse, aber auch einige tiefe Löcher ebenfalls mit einer feineren Mischung des Kunststeins geschlossen, um Eindringen von Feuchtigkeit und dadurch bedingte Schäden für die nächste Zeit zu verhindern. Ein großes Stück der südlichen untersten Trommel der Ophisthodomsäule lag zwar noch in situ, war aber in drei Teile gebrochen. Diese wurden mit profilierten Titanstäben verbunden und das fehlende Stück mit titanbewehrtem Kunststein ergänzt. Abschließend erfolgte dort die Ausarbeitung der Kanneluren in antiker Manier mit der Hand.Die beiden Ophistodom-Kapitelle, die im Westen vor den Tempel lagen, wurden ebenfalls gereinigt und in oben genannter Weise restauriert, aber nicht ergänzt.
Mitte Oktober fand die Versetzung der fünf restaurierten Architekturteile mit einem fünfachsigen Schwerlastkran statt. Der Kran musste zentimetergenau zwischen die verstürzten Bauteile im Westen vor dem Tempel rangiert werden, um die notwendige Transportdistanz von etwa 35 m und maximal 7 m Höhe überwinden zu können.
Der untere Teil des nördlichen Antenkapitells, ein Fragment von etwa 2 t Gewicht, wurde auf die restaurierte westlichen Ante aufgesetzt, wobei das Kapitell natürlich ursprünglich etwa 8 m höher lag. Bauteile, die nicht in originaler Position versetzt werden können, müssen nach der Vorgabe des Referats für Anastilosis des griechischen Kulturministeriums mit einem Abstand zu den benachbarten Bauteilen aufgestellt werden. Dieser Abstand wurde technisch durch Abstandshalter mit insgesamt 15 cm Höhe erreicht, die aus 11 mm Rohr und 15 x 15 cm messenden Basisplatten zur besseren Druckverteilung auf dem relativ weichen Muschelkalk bestehen und aus extrem korrosionsresistentem Chrom-Molybdän-Stahl (ASTM 316L) in Griechenland gefertigt wurden.
Die statische Dimensionierung der Abstandshalter und die Berechnung der Erdbebensicherheit übernahm der Statiker K. Zambas. Um den antiken Muschelkalk nicht zu stark mit dem modernen, glänzenden Stahl zu kontrastieren, behandelte man dessen Oberflächen mit einem feinen Sandstrahl, wodurch eine matte Ansicht erreicht wurde.
Die nunmehr als ein Bauteil wiederhergestellte südliche untere Säulentrommel wurde an ihren ursprünglichen Platz versetzt. Mit Abstandshaltern musste die oberste Säulentrommel darauf platziert werden. Zuoberst schließlich wurde das fast 7 t schwere südliche Ophistodom-Kapitell, das am besten erhaltene des Tempels, gesetzt.
Das nördliche Ophistodom-Kapitell wurde aufgrund fehlender originaler Bauteile der dazugehörenden Säule mit Abstandshaltern direkt auf den Stylobat gestellt. Damit präsentiert sich dem Besucher der Opisthodom wieder als Raum und die beiden allein durch Ihre Größe eindrucksvollen und gut erhaltenen Kapitelle sind aus der Nähe erfahrbar.

 

Weitere Informationen gibt es hier.

 

Quelle:

Nicole Kehrer
Pressestelle
Deutsches Archäologisches Institut

 

 

 

Die ältesten Holzbauwerke der Welt sind datiert

Wissenschaftler dokumentieren am Beispiel von Brunnen die hoch entwickelten Fähigkeiten jungsteinzeitlicher Siedler

Ein Forschungsteam um Willy Tegel und Dr. Dietrich Hakelberg vom Institut für Waldwachstum der Universität Freiburg hat das Alter von vier Brunnen der frühesten mitteleuropäischen Ackerbaukultur mithilfe der Dendrochronologie oder Jahrringdatierung genau bestimmt. Die Brunnen wurden in Siedlungen im Großraum Leipzig ausgegraben und sind die bislang ältesten bekannten Holzbauwerke der Welt. Sie stammen aus der Linearbandkeramik, der Zeit etwa von 5600 bis 4900 vor Christus. Die Forschungsergebnisse, die in der internationalen Fachzeitschrift „PLoS ONE“ veröffentlicht wurden, liefern neue Erkenntnisse zur prähistorischen Technikgeschichte. An der Arbeit waren Experten der Archäologie und Dendrochronologie vom Freiburger Institut für Waldwachstum, vom Sächsischen Landesamt für Archäologie in Dresden und von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft in Birmensdorf/Schweiz beteiligt.

Die vier jungsteinzeitlichen Brunnen waren von ihren Erbauern aus Eichenholz angefertigt worden. Neben den Bauhölzern haben zahlreiche andere organische Überreste, etwa Pflanzenreste, Holzgeräte, Rindengefäße und Bastschnüre, sowie viele reich verzierte Keramikgefäße im Grundwasser unter Luftabschluss die Jahrtausende überdauert. Die Methode der Dendrochronologie erlaubte es den Wissenschaftlern, jahrgenau zu bestimmen, wann die Bäume gefällt worden waren. Damit konnten sie die Bauzeit der Brunnen eingrenzen. Demnach fällten jungsteinzeitliche Ackerbauern zwischen 5206 und 5098 vor Christus mit Steinbeilen mächtige, alte Eichen. Sie spalteten die Stämme zu Bohlen, um diese mit komplexen Eckverbindungen zu kastenförmigen Schächten zusammenzufügen. Mit moderner Laserscantechnik erfassten die Wissenschaftler die Bauhölzer und Bearbeitungsspuren und dokumentierten die hoch entwickelten Fähigkeiten der Siedlerinnen und Siedler. Die sehr gut erhaltenen Bearbeitungsspuren und Holzverbindungen zeugen von einer unerwartet anspruchsvollen Holzbautechnik.

In Mitteleuropa setzte sich im 6. Jahrtausend vor Christus die Sesshaftigkeit mit Ackerbau und Viehzucht gegenüber einer Lebensweise als Jäger und Sammler durch. Dieser Umbruch in der Geschichte der Menschheit wird als „neolithische Revolution“ bezeichnet. Um sesshaft zu werden, brauchte der Mensch feste Behausungen. Häuser jedoch sind ohne entwickelte Holztechnik nicht denkbar – die ersten Ackerbauern waren die ersten Zimmerleute. Die einzigen Überreste ihrer Häuser, die bislang ausgegraben wurden, sind allerdings Bodenverfärbungen. Mit den dendrochronologisch präzise datierten Brunnen lässt sich nun erstmals die Bedeutung von Holzbauten für die Sesshaftwerdung des Menschen genauer untersuchen.

Quelle:
Rudolf-Werner Dreier
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau

Ramses III. wurde ermordet

Wissenschaftliche Untersuchungen klären den Ausgang einer Haremsverschwörung gegen den altägyptischen Pharao

Das ägyptische Museum von Turin verwahrt einen Papyrus, der von einem der schaurigsten Verbrechen der altägyptischen Welt berichtet: Im königlichen Frauenhaus plant Mitte des 12. Jahrhunderts v. Chr. eine der Nebenfrauen des Pharaos, Teje, den Mord an ihrem Gatten, dem als göttlich geltenden König Ramses III. Dies um ihren Sohn Pentawer auf den Thron zu bringen. Doch dann geht alles schief: Die Verschwörung wird entdeckt und alle, die darin verstrickt waren, werden vor Gericht gestellt und bestraft. Bislang unklar war jedoch das Schicksal des Königs selbst.

Ein Wissenschaftler-Team um den Ägyptologen Zahi Hawass, den Genetiker Carsten Pusch von der Universität Tübingen und den Paläopathologen der Europäischen Akademie Bozen (EURAC) Albert Zink haben die Mumie des Pharaos in Kairo computertomographischen, radiologischen und molekulargenetischen Untersuchungen unterzogen. Die in Bozen und Kairo durchgeführten Analysen der CT- Bilder ergaben, dass dem Pharao zu Lebzeiten die Kehle durchtrennt worden war. „Die Halsverletzung ist erst in der Computertomographie sichtbar geworden“, berichtet Zahi Hawass, der als ehemaliger Generalsekretär der ägyptischen Altertümerverwaltung die Mumie bereits des Öfteren zu Gesicht bekommen hatte. „Klar war, dass Ramses 1155 v. Chr. im Alter von etwa 65 Jahren gestorben war, doch kannten wir vorher nicht die Todesursache“, fährt er fort. Eine Halskrause verdeckt die Verletzung.

Ein Amulett für das Leben im Jenseits
In den CT-Aufnahmen konnten die Forscher außerdem ein Amulett in der Wunde erkennen, das ein so genanntes Horusauge darstellt – ein altägyptisches Symbol zum Schutz vor Unfällen und zum Wiedergewinn von Kraft. „Die durchtrennte Kehle und das Amulett sind eindeutige Hinweise darauf, dass der Pharao ermordet worden war“, erklärt Albert Zink. „Das Amulett war ihm nach seinem Tod in die Wunde gelegt worden, um diese für dessen Nachleben zu heilen.“
Doch war er im Rahmen der Haremsverschwörung ermordet worden, wie es der Turiner Gerichtspapyrus andeutet?

Sohn von Ramses III. identifiziert
Das Forscherteam findet dazu einen Hinweis in einer weiteren Mumie. Mittels DNA-Analysen können die Wissenschaftler nachweisen, dass Ramses III. mit einer bislang als „Unknown Man E“ bekannten Mumie direkt verwandt war. Man hatte bereits vermutet, dass es sich bei dieser Mumie eines 18-20 Jahre alten Mannes, um den Sohn von Ramses III., um Pentawer handeln könnte, der gemeinsam mit seiner Mutter die Haremsverschwörung angestiftet haben soll, um seinen Vater zu entmachten. Die Forscher konnten nun mittels genetischem Fingerabdruck eine 50-prozentige Übereinstimmung zwischen dem Genmaterial von Ramses und dem der unbekannten Mumie feststellen. „Die Mumie ist somit sehr wahrscheinlich ein Sohn Ramses III. Zur 100-prozentigen Aussage, ob es sich um seinen Sohn handelt, bedürfte es der Genomanalyse der Mutter“, erläutert Carsten Pusch, Molekulargenetiker an der Universität Tübingen. Die Mumie von Teje, der Frau Ramses III. und Mutter Pentawers, ist jedoch nicht erhalten.

Selbstmord des Sohnes?
Albert Zink hat mit seinem Team auch diese Mumie radiologisch untersucht: „Auffällig war, dass der Körper von Ramses Sohn stark aufgebläht ist. Am Hals konnten wir zudem eine seltsame Hautfalte erkennen. Diese könnte davon stammen, dass er sich selbst erhängt hatte.“ Zudem sei er mit einem Ziegenfell bedeckt gewesen – das als unrein galt – und sei zudem ohne Organ- und Gehirnentnahme mumifiziert worden, so der Wissenschaftler.
Die Tatsache, dass der Körper von Ramses Sohn auf eine für einen Prinzen unangemessene Art und Weise bestattet war, könnte, so das Forscherteam, darauf hinweisen, dass hier einer der Drahtzieher der Haremsverschwörung bestattet liegt, der – wie das Turiner Gerichtspapyrus berichtet – die Möglichkeit einer Selbsttötung erhalten hatte, um schlimmeren Strafen im Jenseits zu entgehen.

Quelle:

Julia Reichert
Wissenschaftskommunikation
Europäische Akademie Bozen – European Academy Bozen/Bolzano

Wirtschaft auf Umwegen: Römische Handelsrouten dank größter archäologischer Datenbank nachvollziehbar

Die größte archäologische Forschungsdatenbank der Welt mit mehr als 200.000 namen-gestempelten Gefäßen ermöglicht Forschern am Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) in Kooperation mit der Universität von Reading (England) völlig neue Einblicke in die römische Wirtschaftsgeschichte: Der günstigste Transportweg war nicht immer der kürzeste. Ab sofort bietet ein Kiosk im Museum für Antike Schiffahrt Besuchern die Möglichkeit, antike Transportrouten nachzuvollziehen.

Um ihre Ware möglichst günstig zu transportieren, nahm die römische Wirtschaft weite Umwege in Kauf. Damals wie heute galt, dass der gerade Weg nicht immer der wirtschaftlichste war. So wurden Amphoren aus Südspanien möglichst lange über das Meer und entlang der Flüsse transportiert, was zu Umwegen von bis zu tausend Kilometern führen konnte. Dennoch war der Versand über Wasser günstiger als der teure Landtransport. Auch das römische Porzellan, die sogenannte Terra Sigillata, gelangte beispielsweise von Mittelfrankreich über manchen Umweg nach England.

Mittels softwarebasierter Kartierung des europaweit zerstreuten Fundmaterials rekonstruierten die Forscher am RGZM diese Handelswege. Die Datenbank umfasst mehr als 200.000 namengestempelte Gefäße aus über 3.500 Fundorten.

Die althergebrachten Angaben zu Transportkosten, die vorwiegend aus den spätantiken Preislisten von Kaiser Diokletian stammen, können mit dieser riesigen Materialsammlung jetzt erstmals ernsthaft überprüft und korrigiert werden. So stellte sich heraus, dass die Preise für Terra Sigillata im von den Römern nicht besetzten, freien Barbaricum enorm hoch gewesen sein mussten. Dies wird dadurch bestätigt, dass dort in der Regel nur Einzelstücke gefunden wurden. Diese Gefäße waren somit hohe Statussymbole. In etwa wie heute ein IPhone in Sibirien.

Das RGZM stellt das Forschungsprojekt in einem Kiosk-Informationssystem im Museum für Antike Schiffahrt in Mainz sowie im Internet vor (http://www.rgzm.de/transportroutes). Für jedes Produktionszentrum werden die Kosteneinheiten für mehrere Transportstrecken angezeigt. So zeigt sich, dass der Warentransport von Mittelfrankreich nach Mainz etwa eineinhalb Mal teurer war als nach London, obwohl die Strecke deutlich kürzer war. Der mühsame Weg stromaufwärts nach Mainz war viel kostenintensiver als die Verfrachtung stromabwärts und über das Meer nach London.

Quelle:
Sabrina Ries
Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit
Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) – Forschungsinstitut für Archäologie

Berner Archäologen erforschen griechische Stadt auf Sizilien

Die Abteilung Archäologie des Mittelmeerraumes der Universität Bern führt in der bedeutenden griechischen Koloniestadt «Himera» auf Sizilien ein Projekt interdisziplinärer Stadtforschung durch. Untersucht wird ein bisher unbekannter Teil der Kolonie. Erste Ergebnisse weisen darauf hin, dass Himera zu einer der flächenmässig grössten griechischen Koloniestädte Siziliens gehören könnte.

Himera, die einzige grosse griechische Koloniestadt an der Nordküste Siziliens, wurde 649 v. Chr. gegründet. Sie ist weit nach Westen vorgeschoben und bildete einen griechischen Vorposten in Richtung phönizisch-karthagisches Einflussgebiet. So war Himera zwei Mal – 480 v. Chr. und 409 v. Chr. – Schauplatz grosser historischer Schlachten gegen die Karthager, die «Barbaren» des Westens. Aufgrund ihrer Lage und der Öffnung zum indigenen Hinterland ergab sich eine interessante Begegnung dreier Kulturen: der griechischen, der phönizisch-karthagischen sowie der indigen-sikanischen.

Neben einem bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts freigelegten dorischen Tempel wurden bis heute ein Teil der Wohnsiedlung und insbesondere zwei Nekropolen – Begräbnisstätten – von Himera ausgegraben. «Im Gegensatz dazu wurde die Stadt der Lebenden bisher nur in kleineren Bereichen in der Unter- und Oberstadt erforscht», hält Elena Mango, Professorin für die Archäologie des Mittelmeerraumes und Projektleiterin, fest.

Unterschiedliche Methoden angewandt
Das neue Himera-Projekt der Universität Bern, das in Zusammenarbeit mit der Direktion des Parks von Himera durchgeführt wird, widmet sich einem Bereich der griechischen Kolonie, welcher in der bisherigen archäologischen Forschung weitgehend unbeachtet geblieben ist: dem Piano del Tamburino, einem etwa 120’000 Quadratmeter grossen und 90 Meter über der Unterstadt liegenden Hochplateau.

Die Forschenden vermuten, dass das Hochplateau zur urbanistischen Fläche der antiken Koloniestadt gehörte. «Wenn sich die Vermutung bestätigen sollte, ist dies nicht nur für das Verständnis der Stadt von essenzieller Bedeutung. Himera würde damit auch zu einer der flächenmässig grössten griechischen Kolonien Siziliens avancieren», erklärt Elena Mango.

Untersucht wurde der Piano del Tamburino mittels unterschiedlicher Methoden und Vorgehensweisen: von traditionellen Recherchearbeiten in früheren Reiseberichten und Begehungen des Untersuchungsgebietes über die Auswertung von Luft- und Satellitenbildern mittels Fernerkundung sowie intensivem Oberflächensurvey bis zu grossflächigen geophysikalischen Prospektionen und ersten Grabungen.

Grabungen bestätigen Urbanisierung
Die mittels interdisziplinären Methoden gewonnenen Forschungsergebnisse ergaben klare Hinweise auf eine Urbanisierung des Hochplateaus. «Unsere ersten Grabungen vor wenigen Wochen konnten dann auch die erste archäologische Bestätigung erbringen und unterstreichen zudem die grosse Wichtigkeit dieses Gebietes für die Kolonisationsforschung», freut sich Mango.

So brachten die Forschenden nebst Zerstörungsschutt von der Schlacht im Jahre 409 v. Chr. sowie verschiedenen Keramik- und Bronzefunden auch ein sorgfältig errichtetes Mauerfundament zum Vorschein, das sich durch seine Stärke von fast einem Meter und die qualitative Bauweise von den meisten bisher bekannten Mauerfundamenten in Himera unterscheidet. «Das spricht gegen eine einfache Mauer in einem Wohnquartier», erklärt die Archäologin, «vielleicht gehörte sie zu einem öffentlichen Bau oder einem Tempel. Klarheit wird uns aber erst die Fortsetzung der Ausgrabungen bringen.»

Die Erforschung von Himera bietet gemäss Mango für die Universität Bern die Chance, die schweizerische archäologische Forschung auf Sizilien in dem bisher von internationalen Institutionen dominierten Feld der Kolonisationsforschung zu positionieren.

Quelle:

Universität Bern

 

 

Ein schärferer Blick zurück für die Archäologie und Klimaforschung

Mithilfe einer neuen Messreihe von Radiokohlenstoffdaten an jahreszeitlich laminierten Sedimenten ist in Zukunft eine präzisere Kalibrierung von Radiokohlenstoffdatierungen auch über längere Zeitdistanzen als bisher möglich.

Ein schärferer Blick zurück für die Archäologie und Klimaforschung/Jahresschichtungen in dem japanischen Suigetsu-See ermöglichen eine genauere Kalibrierung von Radiokohlenstoff-Datierungen

Mithilfe einer neuen Messreihe von Radiokohlenstoffdaten an jahreszeitlich laminierten Sedimenten aus dem Suigetsu-See in Japan ist in Zukunft eine präzisere Kalibrierung von Radiokohlenstoffdatierungen möglich. In Kombination mit einer genauen Zählung der saisonal geschichteten Ablagerungen im See ergab sich eine bisher unerreichte Präzision der bekannten 14C-Methode, mit der es jetzt möglich ist, auch ältere Objekte der Klimaforschung oder der Archäologie genauer zu datieren, als es bisher möglich war. Ein internationales Team von Geowissenschaftlern unter Leitung von Prof. Christopher Bronk Ramsey (Univ. Oxford) stellt in der neuesten Ausgabe des Wissenschaftsmagazins Science dieses Ergebnis vor.

Die Radiokohlenstoffmethode zur Datierung von organischen und kalkhaltigen Materialien nutzt die bekannten Zerfallsraten des radioaktiven Isotops 14C, das in sehr geringen Mengen in der oberen Atmosphäre durch kosmische Strahlung gebildet wird. Da die Bildung von 14C vom Magnetfeld der Erde und der Sonnenaktivität beeinflusst wird und somit nicht konstant ist, ist dieser relative Zeitmaßstab ohne eine absolute Zeitmarke in Kalenderjahren. Die über die gemessen Zerfallsraten erstellte Zeitskala muß also noch kalibriert werden, um die Alter in Kalenderjahren angeben zu können. Dies funktioniert am besten über eine parallele Zählung von Jahreslagen in See-Sedimenten oder Jahrringen in Bäumen. Eine sehr weit zurück reichende Kalibrierung gelang nun mit den Daten aus dem bei Mikata am Japanischen Meer gelegenen Suigetsu-See. Hier konnte ein Bohrkern aus den Sedimenten gezogen werden, die mit einer jahreszeitlichen Auflösung bis über 50000 Jahre zurück reichen.

Diese neuen Daten haben sowohl für archäologische als auch paläoklimatische Forschungen eine große Bedeutung. „Mit solchen Informationen kann man nicht nur die regionalen Auswirkungen von Klimaveränderungen besser verstehen, sondern auch den auslösenden Mechanismen auf die Spur kommen“, erläutert Achim Brauer, einer der Mitinitiatoren des Projektes und am Deutschen GeoForschungsZentrum GFZ verantwortlich für die Erstellung der Zeitskala in Kalenderjahren des Suigetsu-Sedimentprofils. „Wir können damit paläoklimatische Schlüsselprofile aus unterschiedlichen Regionen, wie der Arktis, Ostasien und Europa genauer synchronisieren, um festzustellen, ob plötzliche Klimaänderungen weltweit zeitgleich auftraten, oder ob Änderungen in manchen Regionen früher erkennbar sind als in anderen. Außerdem können mit der neuen Kalibrierung auch die Zeitpunkte des Aussterbens der Neandertaler oder der Ausbreitung des modernen Menschen in Europa in Zukunft genauer bestimmt werden.“Der Suigetsu-See eignet sich besonders für die Anwendung beider Datierungsmethoden, Messung von 14C und Zählung von Jahreslagen, weil an seinen Ufern auch in der letzten Eiszeit Laubbäume wuchsen, deren Blätter in großer Zahl in den Sedimenten konserviert wurden und sich ideal für 14C Datierungen eignen. Gleichzeitig ist dieser See einer der seltenen Fälle, in denen sich Jahresschichtungen im Sediment erhalten haben.

Aufgrund der langjährigen Erfahrung der Arbeitsgruppe von Achim Brauer mit der Erstellung von präzisen Kalenderzeitskalen aus Seeablagerungen wurden GFZ-Wissenschaftler mit dieser Aufgabe betraut. Mit speziellen mikroskopischen Methoden war es erstmals möglich, den Aufbau feinster und jahrtausendealter Schichten in den Suigetsu-Sedimenten im Detail zu entschlüsseln. So identifizierten die Wissenschaftler Frühjahrslagen, die durch die Schneeschmelze gebildet wurden, Sommerlagen aus organischem Material oder Algenresten, Herbstlagen aus einem speziellen Eisenkarbonat und Winterlagen aus feinem Ton. Die Kenntnis dieses saisonalen Rhythmus der Sedimentation war Grundlage der genauen Jahreslagenzeitskala. Die hohe Qualität der neuen Suigetsu-Chronologie für den Zeitraum von 12500 bis 52800 Jahre vor heute wird dadurch deutlich, dass sie als Grundlage der nächsten Ausgabe von IntCal ausgewählt wurde, einem internationalen Standard der Radiokohlenstoff-Kalibrierung.

Quelle:

Dipl.Met. Franz Ossing
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Helmholtz-Zentrum Potsdam – Deutsches GeoForschungsZentrum GFZ