Landesdenkmalamt Berlin veranstaltet Archäologentag

„Archäologie und Stadtplanung“ ist das zentrale Thema des 15. Berliner Archäologentages am 20. Oktober im Berliner Rathaus.

Zukünftig sollen Bodendenkmale in der historischen Mitte Berlins mithilfe „archäologischer Fenster“ in die Neubebauung integriert und somit erlebbar gemacht werden. Neben dem Themenschwerpunkt wird es Vorträge u.a. zu Großgrabungen in den mittelalterlichen Städten Berlin und Cölln geben.

Zusätzlich können Besucher u.a. die Grabung auf dem Gelände des Großen Jüdenhofs besichtigen.

Der Eintritt ist frei.

 

 

Informationen zum Programm finden Sie hier.

 

 

 

 

 

Besuch im Neuen Museum

Sonntag Nachmittag auf der Museumsinsel in Berlin: Seit etwa zehn Tagen ist die Sonderausstellung „Pergamon – Panorama einer antiken Metropole“ geöffnet. Die Warteschlangen reichen vom Museum bis zur Straße. Damit sie nicht kürzer werden, befördern Reisebusse im Minutentakt weitere Menschenmassen an den Ticketstand. Die Ausstellung lockt mit vielen Skulpturen, Gemälden und einem spektakulären 360 ° Panorama. Ich gehe am Pergamonmuseum vorbei und nehme mir vor, die Ausstellung bald zu besuchen – nur bestimmt nicht heute. Ich biege in die nächste Straße ein und steuere zielstrebig auf das Neue Museum zu.

Neben der spektakulären Sonderausstellung im Pergamonmuseum wirkt eine weitere Ausstellung im Bode-Museum derzeit wie ein Besuchermagnet. Es ist also der beste Zeitpunkt, um andere, ruhigere Orte auf der Museumsinsel aufzusuchen – beispielsweise das Neue Museum. Der Kontrast zur Situation vor dem Pergamonmuseum könnte nicht größer sein: Lediglich zwei Damen stehen in der Warteschlange vor mir. Nach drei Minuten halte ich bereits mein Ticket in der Hand. Zwei Minuten später betrete ich den ersten Raum.

Im Neuen Museum sind das Ägyptische Museum und Papyrussammlung sowie das Museum für Vor- und Frühgeschichte mit Objekten der Antikensammlung beheimatet. Heute will ich vor allem das Gebäude und seine Architektur kennenlernen.

Die Geschichte des Bauwerks beginnt im Jahre 1840. Weil die Räume des Alten Museums für die Präsentation der wachsenden Sammlungen nicht mehr genügend Platz boten, beauftragte Friedrich Wilhelm IV, König von Preußen, den Architekten Friedrich August Stüler mit der Planung des Neuen Museums. Architektur und Raumgestaltung waren als ein begehbares Kompendium der Kulturen von der Steinzeit bis in die Neuzeit gedacht. Das Konzept zielte auf ein lückenloses Bild der historischen und künstlerischen Entwicklung ab: Neben Originalobjekten standen viele Repliken. Zudem lieferten dekorative Wandbilder historische Hintergrundinformationen. Passend zur jeweiligen Ausstattung erhielten die Räume Namen wie „Vaterländischer Saal“ oder „Griechischer Hof“.

Während des Zweiten Weltkrieges wurde das Neue Museum schwer beschädigt. Der eigentliche Wiederaufbau des Museums begann nach einer längeren Vorbereitungsphase schließlich 2003. Die Leitung hierfür übernahm der britische Architekt David Chipperfield. Er verzichtete auf die Rekonstruktion verlorener Innenausstattungen. Stattdessen ergänzte Chipperfield die historische Substanz mit modernen Materialien und schlichten Formen.

Meine Eindrücke habe ich in folgenden Bildern festgehalten.

Blick auf die Treppenhalle (LH)
Sichtbare Spuren der Vergangenheit (LH)
Im Ethnopraphischen Saal (LH)
Blick in den Ägyptischen Hof (LH)
Im Apollosaal (LH)
Studiensammlung im Stil des 19. Jahrhunderts (LH)
Aussicht von der dritten Ebene (LH)
Berliner Skulpturenfund im Griechischen Hof (LH)

Archäologischer Dachverband gegründet

Im Rahmen des 7. Deutschen Archäologie-Kongresses fand am 4. Oktober 2011 in Bremen die Gründungsversammlung des „Deutschen Verbandes für Archäologie“ (DVA) statt. Nachdem Versuche einer verbandsmäßigen Vereinigung der deutschen Archäologie zu Beginn des 20. Jahrhunderts und erneut nach der deutschen Wiedervereinigung Anfang der 1990er Jahre jeweils gescheitert waren, entstand mit dem neuen Dachverband nun erstmals in der Geschichte der deutschen Archäologie eine Interessenvertretung für die gesamte vereins- und verbandsmäßig organisierte Archäologie, Altertumsforschung und fachverwandte Wissenschaften in der Bundesrepublik Deutschland.

Mit seinen über 3.000 Mitgliedern wird der DVA ein wichtiges Sprachrohr für die Archäologie und fachverwandte Wissenschaften sein. Er wird sich in Belangen der Bewahrung des kulturellen Erbes, der archäologischen Museen, der Bodendenkmalpflege, der Universitäten und anderer Forschungseinrichtungen auf dem Gebiet der Archäologie engagieren und deren Anliegen und Interessen gegenüber der Politik und der Öffentlichkeit vertreten.

Auf der Gründungsversammlung traten dem DVA folgende Einzelverbände und Gesellschaften bei: Nordwestdeutscher Verband für Altertumsforschung e.V., West- und Süddeutscher Verband für Altertumsforschung e.V., Mittel- und Ostdeutscher Verband für Altertumsforschung e.V., Deutsche Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte e.V., Deutscher Archäologen-Verband e. V., Verband der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland e. V., Deutsche Orient-Gesellschaft e.V., Deutsche Gesellschaft für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit e.V., Dachverband Archäologischer Studierendenvertretungen e.V., Gesellschaft für Naturwissenschaftliche Archäologie – Archäometrie sowie Archäologische Kommission für Niedersachsen e. V.

Zum Präsident des „Deutschen Verbandes für Archäologie“ wurde der Prähistoriker Prof. Dr. Dr. h.c. Hermann Parzinger gewählt. Parzinger war nach seiner Hochschulassistenz und Habilitation im Fach Vor- und Frühgeschichte an der LMU München zunächst Zweiter Direktor der Römisch-Germanischen Kommission des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Frankfurt a. M. (1990-94), anschließend Gründungsdirektor der Eurasien-Abteilung des DAI (1995-2003) und zuletzt Präsident des Instituts (2003-2008); seit 2008 ist er Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Er gehört zweifellos zu den renommiertesten Archäologen in Deutschland; 1998 erhielt Parzinger als bisher einziger Vertreter seines Faches den Leibniz-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft und vor wenigen Monaten wurde er in den Orden Pour le mérite für Wissenschaften und Künste aufgenommen. Er ist Mitglied zahlreicher Akademien in Deutschland, Russland, China, Großbritannien und den USA. Seine Ausgrabungstätigkeit reicht von Spanien über die Türkei und Iran bis Zentralasien, Sibirien und die Mongolei.

Parzinger bezeichnete in seiner Dankesrede die Gründung des neuen Dachverbandes als „historischen Moment“. Weiter stellte er fest: „Die Archäologie hat sich zu einer ungemein dynamischen und transdisziplinär arbeitenden Wissenschaft entwickelt, die äußerst erfolgreich Forschungsmittel einwirbt und durch ihre aktuellen Themen zum Erhalt und zur Erforschung der Bodendenkmäler weltweit großen öffentlichen Zuspruch findet. Es war deshalb höchste Zeit, ein Dach für die Archäologie in Deutschland zu schaffen, unter dem alle Verbände, Gesellschaften und Institutionen mit ihren unterschiedlichen Traditionen, Aufgaben und Zielen zusammengeführt und ihre Interessen gebündelt werden.“

In den Vorstand des „Deutschen Verbandes für Archäologie“ wurden neben Parzinger vier Vizepräsidenten gewählt: Prof. Dr. Friedrike Fless, Präsidentin des Deutschen Archäologischen Instituts, Prof. Dr. Ute Halle, Landesarchäologin der Hansestadt Bremen, Prof. Dr. Jürgen Kunow, Vorsitzender des Verbands der Landesarchäologen in der Bundesrepublik Deutschland sowie Prof. Dr. Alfried Wieczorek, Generaldirektor der Reiss-Engelhorn-Museen Mannheim. Zum Geschäftsführer wurde Prof. Dr. Mat-thias Wemhoff bestimmt, Direktor des Museums für Vor- und Frühgeschichte der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, wo sich auch die Geschäftsstelle des neuen Dachverbandes befinden wird.

 

Quelle:
Dr. Stefanie Heinlein
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Stiftung Preussischer Kulturbesitz

KultOrte – Mythen, Wissenschaft und Alltag in den Tempeln Ägyptens

Riesige Tempelanlagen sind auch im heutigen Ägypten sehr dominant. In einer Ägypten-Ausstellung allerdings wurden sie noch nie thematisiert. Das soll sich durch dieses gemeinsames Projekt der Universitäten Würzburg und Tübingen sowie der Hochschule Niederrhein ändern.

Nofretete, Pyramiden, Mumien, Tod und Jenseits – das sind die Schlagwörter, die mit Ägypten assoziiert und in Sonderausstellungen thematisiert werden. Doch jeder, der das Land am Nil bereist hat und nicht nur im Roten Meer tauchen war, ist durch grandiose ägyptische Tempel gewandelt und hat sich Fragen gestellt wie: Was ist hier abgelaufen? Was haben die Hieroglyphen und Szenen auf den Wänden zu bedeuten?

Trotz der Dominanz der riesigen Tempelanlagen auch im heutigen Ägypten wurden diese noch nie in einer Ausstellung thematisiert. Das soll sich durch diese gemeinsame Ausstellung der Universitäten Würzburg und Tübingen ändern.

Dritter Kooperationspartner ist der Fachbereich Design der Hochschule Niederrhein. Ein schon während seines Studiums mehrfach mit ersten Preisen ausgezeichneter Student, Didier Gehlen, wird den ausstellungsarchitektonischen Rahmen schaffen, in dem die Exponate zur Geltung kommen sollen: Im Museum lässt er einen Tempel entstehen, in dem über 100 teilweise bislang unpublizierte altägyptische Originale aus den Sammlungen in Würzburg und Tübingen gezeigt werden.

Ergänzt durch Exponate aus Berlin und Stuttgart machen sie die vielfältigen Aspekte und Funktionen eines ägyptischen Heiligtums anschaulich.

 

Veranstaltungsort:

Martin-von-Wagner-Museum der Universität
Residenzplatz 2 (Tor A, links)
97070 Würzburg
Bayern

 

Öffnungszeiten:

20. Oktober 2011 bis 11. Februar 2012
Dienstag bis Samstag 13.30–17 Uhr
Sonntag 10–13.30 Uhr

 

 

 

 

 

Weitere Informationen hierzu finden Sie hier.

 

 

Quelle:

Robert Emmerich
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Julius-Maximilians-Universität Würzburg

Kopf eines Satyrs im tunesischen Chimtou entdeckt

Kopf des Satyrs „Ludovisi” aus Chimtou. Der Ausbruch an der Stirnseite ist zur Hand der Mänade zu ergänzen (DAI Rom)

Bei den archäologischen Ausgrabungen des Deutschen Archäologischen Instituts, Abteilung Rom in Simitthus (Chimtou, Tunesien) wurde 2010 der fragmentierte Kopf eines Satyrs entdeckt. Bei den Detailuntersuchungen konnte nun festgestellt werden, dass es sich bei dem unterlebensgroßen Kopf um einen Satyr der Satyr-Mänaden-Gruppe „Ludovisi“ handelt. Der Kopf aus Chimtou ist damit der vierte bekannte Satyrkopf der Gruppe weltweit.

Besondere Aufmerksamkeit erregt der Fund darüber hinaus, da es erst die zweite bekannte Großplastik aus Simitthus ist, die nicht aus numidischen Marmor (gallo antico) gefertigt wurde. Neben dem Kopf des Satyrn aus weißem kristallinem Marmor ist bisher nur der sogenannte „Knabe aus Chimtou“ bekannt. Der Vergleich mit dem Satyrkopf im Thermenmuseum in Rom zeigte nun, dass es sich bei dem Fragment aus Chimtou um eine Replik der hellenistischen Satyr-Mänaden-Gruppe Typus „Ludovisi“ handelt.

Der fragmentierte Kopf war als Spolie in einer mittelalterlichen Mauer verbaut, die im zerstörten Podium eines römischen Tempels dokumentiert werden konnte. Der Podiumtempel, der allgemein als Kaiserkulttempel angesprochen wird, wurde in severischer Zeit mit einer monumentalen Platzanlage ausgestattet. Zusätzlich wurde im Westen des Areals eine Thermenanlage errichtet, aus der möglicherweise auch die Gruppe des Satyrs und der Mänade stammt.

Die Arbeiten am Kaiserkulttempel sind Teil des deutsch-tunesischen Kooperationsprojekts in Chimtou im heutigen Tunesien. Das Deutsche Archäologische Institut, Abteilung Rom und das Institut National du Patrimoine de la Tunisie (INP Tunis) forschen seit 1965 im Stadtgebiet der ehemaligen römischen Colonia Simitthus. Unter der Leitung von Philipp von Rummel und Mustapha Khanoussi konzentrieren sich die Bemühungen derzeit auf das Areal des Forums, den sog. Kaiserkulttempel und die traianische Brücke.

Quelle:
Nicole Kehrer
Pressestelle

Deutsches Archäologisches Institut

Pergamon – Panorama der antiken Metropole

Vom 30. September 2011 bis 30. September 2012 präsentiert die Antikensammlung der Staatlichen Museen zu Berlin eine umfassende Ausstellung zum Thema Pergamon: Im Nordflügel und in den drei zentralen Architektursälen im Ostflügel des Pergamonmuseums werden etwa 450 zum größten Teil noch nie gezeigte Exponate aus dem Bestand der Antikensammlung werden gezeigt.

Eine Vielzahl von Skulpturen, Mosaiken, Münzen, Keramiken und Metallgeräten vermittelt ein anschauliches Bild vom Leben in der antiken Metropole. Zudem geben Gemälde, historische Fotos und Archivunterlagen Einblicke in die Entdeckungs- und Forschungsgeschichte.

Darüber hinaus versetzt ein neues monumentales 360°-Panorama des Künstlers Yadegar Asisi und der asisi GmbH die Besucher in einer eigens errichteten, temporären Rotunde auf den Burgberg von Pergamon im Jahr 129 n. Chr. Die Rekonstruktion der Bebauung basiert auf dem aktuellen Forschungsstand und wurde in enger Zusammenarbeit mit den Archäologen der Berliner Antikensammlung und des Deutschen Archäologischen Instituts erarbeitet. Auf etwa 25 Metern Höhe und 103 Metern Länge zeigt das Panorama die Bauten auf dem Burgberg von Pergamon und viele der in der Ausstellung gezeigten Skulpturen in ihrer ursprünglichen Aufstellung.

Mehr Informationen zur Ausstellung finden Sie hier.

 

Quelle:

Staatliche Museen zu Berlin

DARIAH vernetzt Forscher

Mit Methoden der Digital Humanities sichtbar gemachte Hügelgräber aus der jüngeren Bronzezeit (Lausitzer Kultur) unweit mehrerer Altarme der Schwarzen Elster bei Uebigau (Kreis Elbe-Elster). Mit Aerial-Laser-Scanning-Daten konnte erstmals die gesamte Ausdehnung des Gräberfeldes erfasst werden. Bisher war dies unbekannt, da die meisten Gräber heute durch Erosion fast vollkommen eingeebnet sind und die Vegetation ihre Lokalisation stark erschwert. Bild: Armin Volkmann, interpoliert nach Daten der Landesvermessung und Geobasisinformationen Brandenburg

Geistes- und Kulturwissenschaftler sollen sich künftig stärker vernetzen – über die digitale Forschungsinfrastruktur DARIAH. Das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) fördert deren Aufbau mit 5,8 Millionen Euro, der Lehrstuhl für Computerphilologie der Universität Würzburg ist an dem Projekt maßgeblich beteiligt.

Ein über die ganze Welt verstreutes Experten-Team arbeitet per Internet zeitgleich an einem gemeinsamen Projekt: Dieses Prinzip steckt hinter dem Online-Lexikon Wikipedia, und nach diesem Prinzip soll in drei Jahren auch DARIAH funktionieren, eine digitale Forschungsinfrastruktur für Geistes- und Kulturwissenschaftler.

DARIAH steht für „Digital Research Infrastructure for the Arts and Humanities“. In Deutschland sind an dem europaweiten Projekt 17 Partner beteiligt. Dazu gehört auch ein Team vom Lehrstuhl für Computerphilologie der Universität Würzburg: der Literaturwissenschaftler Professor Fotis Jannidis, der Archäologe Armin Volkmann und der Romanist Christof Schöch.

IT-Methoden verstärkt im Einsatz

Warum DARIAH sein muss? „Auch in den Geistes- und Kulturwissenschaften werden computergestützte Forschungsmethoden zunehmend komplexer“, sagt Professor Jannidis. Darum sei es wichtig, die Forscher mit den neuesten Technologien und Methoden besser vertraut zu machen, ihnen Unterstützung anzubieten und neue Forschungsansätze zu eröffnen. Letzteres sei besonders dann zu realisieren, wenn die neuen Methoden fachübergreifend zum Einsatz kommen.

Armin Volkmann nennt als Beispiel ein Projekt, an dem er selbst mitgearbeitet hat: Archäologen, Historiker und Klimatologen aus Deutschland, Israel und den USA befassten sich mit dem Niedergang des Römischen Reichs im fünften Jahrhundert nach Christus. Bei ihrer Kooperation übers Internet fanden sie mit einer gemeinsamen Datenbank und einem web-basierten geographischen Informationssystem heraus: Genau in dieser Zeit gab es jahrzehntelange Klimakapriolen. Diese dürften – neben den bekannten politischen Ereignissen – wesentlich zur Krise des Reichs beigetragen haben. Denn Dürren, Überschwemmungen, Missernten und Nahrungsmangel können gesellschaftliche Umbrüche mitbestimmen.

Forschungsquellen in digitalen Umgebungen zusammenführen

Damit solche Forschungen künftig verstärkt möglich sind, entwickeln Professor Jannidis und sein Team im DARIAH-Verbund eine Infrastruktur im Internet. Bildlich gesagt: Sie bauen die Autobahn, auf der Geistes- und Kulturwissenschaftler auch ohne größeres technisches Vorwissen ihre Projekte fahren können. Weit verstreute Forschungsquellen – wie einzelne digitalisierte Handschriften, Manuskripte und Akten – lassen sich mit der Unterstützung von DARIAH in digitalen Umgebungen zusammenführen. „Das macht Forschungen möglich, die wegen der großen Quellenbasis auf einem guten Fundament stehen und fundierte Aussagen durch automatisierte Reihenvergleiche überhaupt erst zulassen“, so das DARIAH-Team.

Anwendungsmöglichkeiten gibt es viele: Historiker, Philosophen und Literaturwissenschaftler können kollaborativ Texte edieren und mit digitalen Methoden auf Wortwahl, Sprachgebrauch und andere Kennzeichen untersuchen. Filme lassen sich damit ebenso analysieren wie Musikstücke oder Partituren.

Digitale Werkzeuge im Fokus

Für derartige Analysen werden im Projekt auch digitale Werkzeuge weiterentwickelt. Das ist nötig, um die teils sehr unterschiedlichen digitalen Quellen miteinander vergleichbar und damit wissenschaftlich auswertbar zu machen. Auch neue Werkzeuge für spezifische Analysen sollen geschaffen werden.

Zwei Beispiele: Es gibt Software, die Laserscandaten der Erdoberfläche in dreidimensionale Karten umsetzt. Auf dieser Basis lassen sich automatisierte Verfahren entwickeln, um auf der Karte Bodendenkmäler wie prähistorische Hügelgräber oder mittelalterliche Burgwälle aufzuspüren. Oder: Zunehmend verwenden online verfügbare Textarchive standardisierte, strukturierte Formate zur Textcodierung. Es mangelt jedoch aber noch an Werkzeugen für komplexe Abfragen, die der zielgerichteten Analyse dieser Textdaten dienen.

Ablauf des Drei-Jahres-Projekts

Das BMBF fördert die Arbeit an DARIAH für zunächst drei Jahre. In dieser Zeit werden die Würzburger Wissenschaftler zuerst den Bedarf analysieren: Welche Forschungsfragen sind in den Geistes- und Kulturwissenschaften aktuell oder im Kommen? Welche digitalen Forschungswerkzeuge gibt es schon, wo herrscht noch Bedarf? Welche fachwissenschaftlichen Anforderungen müssen digitale Werkzeuge und virtuelle Forschungsumgebungen erfüllen?

Parallel dazu wird das Team Fallbeispiele entwickeln, um das Potenzial von DARIAH anschaulich zu machen. Weiterbildungen für Wissenschaftler und die Verankerung der neuen Methoden („Digital Humanities“) in der Studierendenausbildung runden das Vorhaben ab.

Mehr Informationen hierzu finden Sie hier.

 

Quelle:
Gunnar Bartsch
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

Julius-Maximilian-Universität Würzburg

Geheimnisse der Steppe enthüllt

Wissenschaftler der Goethe-Universität Frankfurt und der Akademie der Wissenschaften in Ekaterinburg finden bemerkenswerte Zeugnisse einer vergessenen Kultur im Trans-Ural

FRANKFURT. Der Ort des Geschehens liegt 3.530 Kilometer Luftlinie vom Campus Westend der Goethe-Universität entfernt in Westsibirien, mitten in der russischen Steppe. Dieses Gebiet im Trans-Ural spielt seit kurzem eine wichtige Rolle für Prof. Rüdiger Krause, Professor für Vorgeschichte Europas am Institut für Archäologische Wissenschaften und seine russische Kollegin, Prof. Dr. Ludmila Korjakova von der Russischen Akademie der Wissenschaften aus Ekaterinburg. Unterstützt wird das Projekt von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Russischen Stiftung für Geistes- und Sozialwissenschaften in Moskau (RGNF).

Von Anfang Juli bis Mitte August 2011 haben die beiden Archäologen und ihr großes Team an Mitarbeitern und Studenten bei einer Grabungskampagne weitere Geheimnisse der Steppe enthüllt. Über den Alltag einer längst verflossenen Menschheitsepoche gab die Erde viele Zeugnisse frei: Hausgrundrisse bronzezeitlicher Häuser wurden ebenso gefunden wie zahlreiche Hinterlassenschaften des täglichen Lebens (Keramikscherben, Tierknochen, Geräte aus Stein, Knochen und Bronze). Spektakulär sind die zahlreichen Brunnenschächte zur Wasserversorgung, die sich in jedem Haus finden. Aus den Brunnenverfüllungen liegen erstmals zahlreiche Hölzer mit Bearbeitungsspuren vor, die wertvolle Hinweise zur Holzbearbeitung vor 4000 Jahren liefern. Aus Grabhügeln, die an vielen Stellen die karge Landschaft überragen, sind seit Jahren Streitwagen bekannt, die über die älteste, weltweit bekannte Speichenrad-Technologie verfügen. Auch finden sich in den Grabhügeln Pferdegeschirre mit scheibenförmigen Trensenknebeln, die bis an die untere Donau und zu den bronzezeitlichen Schachtgräbern von Mykene zu finden sind und somit weiträumige Kontakte durch die Weiten der Steppe zwischen Ost und West bezeugen.

Bei den Grabungen wurde auch klar, dass die bronzezeitlichen Steppen-Menschen bereits über einen hohen gesellschaftlichen Organisationsgrad verfügten, der aber offenbar nicht von Dauer war: Befestigte Siedlungen mit regelhafter, funktionaler Innengliederung und systematisch angeordneten Häusern, die wie aus dem Nichts aufzutauchen scheinen und nach ungefähr zwei Jahrhunderten ebenso plötzlich im bislang noch undurchsichtigen Nebel der weiteren Geschichte wieder verschwinden, setzten die Forscher in Erstaunen.

Grundlage für diese frühe kulturelle Blüte bilden u.a. die überaus reichen Mineral- und Erzvorkommen des Urals, die seit dieser Zeit bis heute genutzt werden und von herausragender Bedeutung für die Entwicklung des eurasischen Steppenraums sind. Die Grabungen werden unterstützt von einem interdisziplinären Team von Wissenschaftlern: Archäobotanikern und Vegetations¬geschichtlern, Bodenkundlern und Biologen, Archäometallurgen, Geologen, Geophysikern und Vermessungsspezialisten, zu denen renommierte Wissenschaftler der Akademie der Wissenschaften aus Ekaterinburg, Tscheljabinsk, Miass sowie der Goethe-Universität gehören.
Weitere Informationen hierzu finden Sie hier.

Quelle:
Dr. Olaf Kaltenborn
Marketing und Kommunikation

Goethe-Universität Frankfurt am Main

«Mumien: Mensch, Medizin, Magie»: Von Ötzis Knochenstück bis zur ägyptischen Mumie

Frank Rühli (rechts) und Hendrik von Waldburg mit peruanischer Hockermumie vor einem MRI-Gerät. Siemens-Pressebild

Die Universität Zürich zeigt auf dem Campus Irchel eine umfassende Mumien-Ausstellung. Sie präsentiert unterschiedliche Arten von Mumien und erklärt die moderne Mumienforschung. Die Ausstellung vermittelt aber auch den faszinierenden Totenkult im alten Ägypten und die Magie, die von Mumien ausgeht. «Mumien: Mensch, Medizin, Magie» dauert vom 23. September 2011 bis 8. Januar 2012.

Die Ausstellung gibt einen Einblick in die Welt der Mumien und die neuesten Techniken, mit denen Mumien heute an der UZH medizinisch erforscht werden. Herzstück der Ausstellung ist eine begehbare ovale Mumienkapsel. Darin aufgebahrt sind die Mumie des ägyptischen Priesters Nes-Schu, eine peruanische Hockermumie, die Basler Barfüssermumie, eine Römermumie aus Ägypten, ein mittelalterliches Kinderhirn und ein Knochenstück von «Ötzi». An diesen und anderen Mumien erforschen Privatdozent Frank Rühli und sein Team am Zentrum für Evolutionäre Medizin Todesursachen und diagnostizieren Krankheitsbilder. Ihr Ziel ist es, mehr zu erfahren über die Veränderungen und Neuentstehungen von Krankheiten über die Jahrhunderte hinweg. So gelangen sie zu neuen Erkenntnissen über Krankheits- und Gesundungsprozesse in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft.

Mumien auswickeln

Mumien tragen historische Krankheiten in sich, sind tote Patienten und medizinische Forschungsobjekte. Die Ausstellung zeigt anhand von Filmen und Schautafeln, wie Mumien durchleuchtet und untersucht werden. Die Forscher nutzen beispielsweise Computertomographie oder Magnet-Resonanz-Bildgebung (MRI), um eine Mumie am Computer auszupacken, ohne sie anfassen oder beschädigen zu müssen.

Mumien-DNA entschlüsseln

Besucherinnen und Besucher der Ausstellung erfahren, wie Mumien mit Methoden der Molekularbiologie untersucht werden. Sie lernen die modernsten genetischen Techniken kennen, mit denen der DNA-Code von historischen Mumien geknackt und ihre Krankheitserreger festgestellt werden können. Die Besucher können selber erfahren, wie man mit DNA-Analysen verwandtschaftliche Beziehung von Mumien nachweisen kann.

Mumien erzählen

Mumien sind nicht nur Objekte der Forschung; Mumien haben gelebt, geliebt, gelitten. Sie sind Zeugnisse historischer Epochen und erzählen von Werten und Kenntnissen früherer Kulturen. In der Ausstellung wird darum auch der Totenkult vorgestellt und erklärt, warum und wie die alten Ägypter die Verstorbenen mumifiziert haben. Ihre Jenseitsvorstellungen werden beschrieben und die Ausstattung ihrer Gräber. Zu sehen sind unter anderem Grabbeigaben wie der Ba-Vogel, Amulette oder die kopfartigen Deckel der Kanopen-Krüge, in denen die Organe der Verstorbenen aufbewahrt wurden.

Weitere Informationen hierzu finden Sie hier.

 

Quelle:
Beat Müller
Kommunikation

Universität Zürich

Gold, Sklaven und Elfenbein. Mittelalterliche Reiche im Norden Nigerias

Die Sonderausstellung des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) bietet seltene Einblicke in das Mittelalter Afrikas: Den Europäern unbekannt entstanden in Westafrika mächtige Reiche mit weitreichenden Handelsbeziehungen. Fundstücke aus drei Elitegräbern in Nordnigeria, die im RGZM restauriert wurden, bezeugen die Macht jener Länder.

Eiserne Beinringe aus Grab 4 des Gräberfeldes von Durbi Takusheyi, Katsina State, Nigeria. 13/14 Jh. n. Chr. Foto: RGZM / R. Müller

Das mittelalterliche Europa nahm Afrika kaum wahr. Ihm entging, dass sich in der Sahel- und Sudanzone Westafrikas einflussreiche islamische Staaten mit sakralen Herrschern bildeten. Diese Staaten standen in regem kulturellen Austausch mit der arabischen Welt. Ihr wirtschaftlicher Erfolg beruhte auf dem Export von Gold, Sklaven und Elfenbein – ihre Handelsverbindungen reichten bis nach Europa und Indien. Auch als Portugiesen, Franzosen, Niederländer und Briten im 15. Jahrhundert die Küsten Westafrikas erschlossen, blieben ihnen die Staaten im Innern Afrikas unbekannt und geheimnisvoll. Nur die nach Europa gelangten Kostbarkeiten, wie Gold und Elfenbein, ließen die Macht jener Reiche erahnen. Erst im 19. Jahrhundert gerieten die Länder südlich der Sahara ins Visier europäischer Expansionsinteressen. Mit Beginn des Imperialismus am Ende des 19. Jahrhunderts wurden sie in die Nationalstaaten ihrer Besatzer integriert, wo sie bis zur Unabhängigkeit als Emirate fortbestanden.
Beleuchtet werden die Entstehung und die Expansion der mittelalterlichen Reiche im Norden Nigerias bis hin zu ihrer Entdeckung durch die Europäer im 19. Jh. Zudem führt die Ausstellung in den Naturraum der Sahel- und Sudanzone ein und integriert Elemente der traditionellen Architektur in das Ausstellungskonzept. Im Mittelpunkt stehen Fundstücke aus drei Elitegräbern dieser Gesellschaften – u. a. reiche Importe aus der arabischen Welt –, die ins 13./14. Jahrhundert und um 1500 datieren. Sie zeugen von der wirtschaftlichen und politischen Bedeutung Westafrikas sowie ihres weitreichenden Handelsnetzes im Mittelalter.
Die Ausstellung entstand in Zusammenarbeit mit der nigerianischen Denkmalbehörde (National Commission for Museums and Monuments – NCMM), deren Objekte in den Werkstätten des RGZM restauriert wurden. Auch Leihgaben des Weltkulturen Museums und aus der Sammlung des Frobenius-Instituts, beide in Frankfurt am Main, werden gezeigt.

Weitere Informationen zu der Sonderausstellung finden Sie hier.

 

Quelle:
Christina Nitzsche
Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit

Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) – Forschungsinstitut für Vor- und Frühgeschichte