Die DGUF (Deutsche Gesellschaft für Ur- & Frühgeschichte) möchte Studierende und Doktoranden in ihrer Ausbildung und ihrem Weg in die Archäologie fördern. Für maximal zehn junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wird in diesem Jahr daher im Zusammenhang mit der Tagung „Archäologie und Paläogenetik“ eine neue Form der DGUF-Nachwuchsförderung angeboten. Sie richtet sich ausdrücklich an junge Kolleginnen und Kollegen, die noch nicht DGUF-Mitglied sind.
Blog
„Sprach-Archäologie“ per Mausklick
Computer rekonstruieren Urformen moderner Sprachen…
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5000 Jahre alten Tempel in den Anden entdeckt
In El Paraiso, 40 Kilometer von Lima entfernt, haben Archäologen einen Tempel samt Herd entdeckt. Stimmt die Datierung von 5000 Jahren, wäre es eine der ältesten Kultstätten Amerikas…
Als die Römer eine Mauer um Augsburg bauten
Nur an einer Stelle in der Stadt kann man die Reste der Befestigung noch sehen. Sie sind versteckt im Keller eines Privathauses…
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England: Knochen unter Parkplatz stammen von König Richard III.
Archäologen haben das Rätsel um die Knochen gelöst, die unter einem Parkplatz in England gefunden worden waren. Laut DNA-Analyse stammen die 500 Jahre alten Gebeine von König Richard III. Der Herrscher wurde durch ein Drama von William Shakespeare weltberühmt…
Arabisch-deutsche Tontafel-Edition mit bislang unbekannten Passagen des Gilgamesch-Epos
Tontafeln mit bislang unbekannten Passagen des Gilgamesch-Epos gehören zu dem höchst bemerkenswerten Fund altorientalischer Keilschrifttexte aus dem 7. Jahrhundert vor Christus, die derzeit an der Universität Heidelberg entziffert werden. Sie sollen in einer arabisch-deutschen Edition zugänglich gemacht werden. Gefördert wird die Publikation der Fundstücke, die aus den Ruinen der assyrischen Königsresidenz Assur im heutigen Irak stammen, durch die Gerda Henkel Stiftung. Mit dem dreijährigen Forschungsvorhaben unter Leitung des Heidelberger Assyriologen Prof. Dr. Stefan M. Maul soll auch die Kooperation von irakischen und deutschen Wissenschaftlern wiederbelebt sowie die Altorientalistik in der dortigen Region gefördert werden.
Wie Stefan Maul erläutert, dient das von der Henkel-Stiftung geförderte Vorhaben „auch der Unterstützung der durch Boykott und Krieg darniederliegenden irakischen Altorientalistik, die für die nationale Identitätsbildung von großer Bedeutung ist.“ So sollen irakische Wissenschaftler und Museumsmitarbeiter in die Forschungstätigkeit einbezogen werden. Dr. Mohamed Nouri, ein irakischer Doktorand von Prof. Maul, wird während regelmäßiger Aufenthalte im Irak-Museum in Bagdad die zu edierenden Tontafeln, die bislang nur durch Photographien zugänglich sind, im Original studieren. Das Forschungsvorhaben wird von einem Kooperationsvertrag mit der Universität Bagdad flankiert.
Quelle:
Marietta Fuhrmann-Koch
Kommunikation und Marketing
Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg
Genfluss von Indien nach Australien vor 4.000 Jahren
Lange vor der europäischen Besiedlung wanderten Menschen vom indischen Subkontinent in Australien ein und vermischten sich mit den Aborigines.
Bisher ging man davon aus, dass Australien zwischen seiner ursprünglichen Besiedlung vor etwa 40.000 Jahren und der Ankunft von Europäern im späten 18. Jahrhundert größtenteils isoliert geblieben war. In einer neuen Studie belegen Wissenschaftler vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig jetzt einen substanziellen Genfluss zwischen indischen Populationen und Australiern vor etwa 4.000 Jahren. Darüber hinaus belegen die Forscher eine gemeinsame Herkunft von Populationen aus Australien, Neuguinea und den auf den Philippinen lebenden Mamanwa. Diese Populationen waren einer frühen südlichen Migrationsroute aus Afrika heraus gefolgt, während andere Populationen die Region erst zu einem späteren Zeitpunkt besiedelten.
In Australien finden sich die frühesten archäologischen Belege für die Anwesenheit von modernen Menschen außerhalb Afrikas. Die frühesten Fundstätten werden auf ein Alter von wenigstens 45.000 Jahren datiert. Die australischen Aborigines zählen somit zu den ältesten kontinuierlich wachsenden Populationen außerhalb Afrikas. In Fachkreisen wird angenommen, dass es im Anschluss an die ursprüngliche Verbreitung von Menschen über die gemeinsame Landmasse Australien-Neuguinea (Sahul) und vor dem Eintreffen der Europäer im 18. Jahrhundert keinen Kontakt zwischen Australien und dem Rest der Welt gegeben hat.
Die Wissenschaftlerin Irina Pugach und Kollegen vom Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie in Leipzig analysierten in ihrer aktuellen Studie die genetische Variation innerhalb des Erbguts von australischen Aborigines, Bewohnern Neuguineas, Bewohnern der Südostasiatischen Inseln und Indern. Das Ergebnis: Vor 4.230 Jahren kam es während des Holozäns, also deutlich vor dem Kontakt mit Europäern, zu einem substanziellen Genfluss von Indien nach Australien. „Interessanterweise findet man etwa zur selben Zeit zahlreiche Veränderungen im australischen Fossilbericht“, sagt Erstautorin Irina Pugach. „Dazu gehören plötzliche Veränderungen bei der Verarbeitung von Pflanzenteilen und der Herstellung von Steinwerkzeugen sowie das erste Erscheinen des Dingos in der Region.“ Pugach fasst zusammen: “Da es etwa zeitgleich einen Zufluss von Genen aus Indien nach Australien gegeben hat, stehen die Veränderungen sehr wahrscheinlich mit dieser Migration in Verbindung.“
Weiterhin belegen die Wissenschaftler eine gemeinsame Herkunft von Populationen aus Australien, Neuguinea und den auf den Philippinen lebenden Mamanwa – einer Negritogruppe – und schätzen, dass diese Gruppen sich vor etwa 36.000 Jahren getrennt voneinander weiter entwickelten. Max-Planck-Wissenschaftler Mark Stoneking sagt: „Die Ergebnisse unterstützen die Ansicht, dass es sich bei diesen Populationen um die Nachfahren der Menschen handelt, die einer uralten südlichen Migrationsroute aus Afrika heraus gefolgt waren, während andere Populationen die Region erst später über eine andere Migrationsroute besiedelten.“ Das bedeutet auch, dass Australier und Neuguineer sich bereits frühzeitig in der Geschichte Sahuls getrennt voneinander weiterentwickelten und nicht erst nachdem diese Landabschnitte vor etwa 8.000 Jahren durch den ansteigenden Meeresspiegel voneinander getrennt wurden.
Referat Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Max-Planck-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften e.V.
Studenten gestalten die dauerhafte Münzausstellung im Römermuseum Schwarzenacker neu
Das Römermuseum in Schwarzenacker bei Homburg ist eine der bedeutendsten kulturgeschichtlichen Stätten des Saarlandes. Nun bereiten Studenten der Saar-Uni die dortige Münzausstellung neu auf. Die angehenden Altertumswissenschaftler arbeiten sich tief in die Geschichte der römischen Münzen ein, die viel mehr waren als reines Zahlungsmittel. Das Geld, das aus einer Zeitspanne von rund vier Jahrhunderten stammt, gibt Rückschlüsse auf das Alltags- und Wirtschaftsleben der Römer im heutigen Saarland und in ganz Europa. Ab dem 15. März soll die Ausstellung den Besuchern des Museums offen stehen.
Als die Inflation drohte, griff der Staat ein. Mit festgelegten Höchstpreisen für Waren und Dienstleistungen sollte die Bevölkerung wieder Vertrauen in das europaweit verbreitete Geld gewinnen. Letzten Endes war das aber wirkungslos; dem wirtschaftlichen Niedergang folgte ein politischer. Nein, es geht nicht um die Eurokrise. Das erwähnte Preisedikt stammt vom römischen Kaiser Diokletian aus dem Jahr 301 n. Chr. Es hatte nicht die gewünschte Wirkung und verpuffte schlussendlich. Das schlägt sich auch in der Währung nieder: „Die Münzqualität wird immer schlechter, je weiter das Römische Reich zeitlich voranschreitet“, berichtet Lisa Hovenbitzer über den Wertverfall der Münzen in der Spätantike.
Sie ist eine von acht Studentinnen und Studenten, die die dauerhafte Münzausstellung im Römermuseum Schwarzenacker überarbeiten. Unter der Anleitung von Susanne Börner vom Institut für Alte Geschichte der Saar-Uni und dem Archäologen Thomas Kreckel vom Römermuseum. nehmen sie Münzen aus verschiedenen Jahrhunderten genau in Augenschein.
Bis dato sind die Münzen in Schaukästen zu sehen, bei denen die Besucher einen gewissen Abstand zu den Jahrtausende alten Zahlungsmittel halten müssen. „Wir möchten die Münzen in Plexiglasscheiben einfassen, die wir wie eine Art Hängetableau an der Wand befestigen möchten. So können die Besucher die Münzen ‚durchblättern’. Schließlich muss man nahe ran, um die wichtigen Details und beide Seiten zu erkennen“, erklärt Studentin Heike Schröder.
Aus diesen Details lesen die angehenden Expertinnen und Experten eine ganze Menge Fakten über die Zeit. „Münzen sind wahre Informationsquellen. Werden sie zu einer Zeit geprägt, in der ein Kaisersohn geboren wurde, sehen sie ganz anders aus als Münzen, die zu Kriegszeiten oder während einer schlimmen Epidemie geprägt worden sind“, erklärt Lisa Hovenbitzer. „Münzen waren auch immer Mittel staatlicher Propaganda. Manche Kaiser ließen sich als Soldaten abbilden. Andere Kaiser sind eher naturgetreu dargestellt. Nero zum Beispiel hatte ein ausgeprägtes Doppelkinn auf den Münzen mit seinem Abbild. Wie seines sind die Abbilder einiger Kaiser wohl nur wenig idealisiert“, sagt die Studentin.
Anhand der Münzen können die Wissenschaftler auch Rückschlüsse auf Handelswege und Wirtschaftsstrukturen des Römischen Reiches gewinnen. „Ähnlich wie heute der Euro in den einzelnen Mitgliedsländern der Währungsunion geprägt wird, wurden in der Spätantike auch Münzen in dutzenden Stätten in ganz Europa geprägt, zum Beispiel in Trier, Lyon und Arles“, führt Archäologe Thomas Kreckel aus. Je nach Häufigkeit der Münzen aus den verschiedenen Prägestätten können die Wissenschaftler nachvollziehen, auf welchen Wegen die Waren innerhalb des Imperiums gehandelt wurden.
Insgesamt umfasst die Schau die Zeitspanne der Regentschaft von 61 Kaisern bis zu Arcadius, dessen Herrschaft im Jahre 408 n. Chr. endete. Neben erklärenden Tafeln, die die Geschichte anhand der gezeigten Münzen erklären, sollen die Regierungszeiten der Kaiser und die wichtigsten Ereignisse für die Römerstadt Schwarzenacker auf einer gut fünf Meter langen Zeitleiste skizziert werden. Darüber hinaus wollen die Studenten tellergroße Modelle von römischen Münzen und einer Euromünze herstellen, die Schulkinder wie ein Puzzle zusammenbasteln können. „Damit möchten wir auch den jüngsten Besuchern vermitteln, wie ähnlich sich die Zahlungsmittel damals und heute sind“, sagt Studentin Heike Schröder.
Mit solchen Projekten lernen die Studenten die praktischen Seiten ihres Studiums kennen. Heike Schröder beispielsweise reizt besonders, wie sie lernt, auch auf die Kleinigkeiten bei der Organisation einer Ausstellung zu achten. „Wir müssen zum Beispiel darauf achten, dass die Ausstellung leicht zu transportieren ist, wenn sie einmal in einem Multifunktionsbau des Museums gezeigt werden soll, der derzeit noch in Planung ist“, sagt sie. „Außerdem merke ich mir die Fakten viel besser, wenn ich sie nicht nur für eine Klausur lerne.“
In einem Teilprojekt überarbeiten die Studenten auch den Webauftritt des Museums. Auf einer Unterseite der Seite http://www.roemermuseum-schwarzenacker.de erfahren Internet-Nutzer dann, wie Wissenschaftler Münzen genau datieren, wie sie aus der Erde geborgen werden, ohne sie zu beschädigen und wie sie fachgerecht restauriert werden. Außerdem fassen die angehenden Altertumswissenschaftler die Erkenntnisse in einer Publikation zusammen, welche tiefergehende Informationen zur antiken Münzprägung, zur Kaufkraft des römischen Geldes und der Motivvielfalt enthält.
Quelle:
Thorsten Mohr
Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes
Deutsche Forscher errichten Teile des antiken Zeus-Tempels von Olympia wieder
Der Zeus-Tempel von Olympia gilt als Höhepunkt der dorischen Baukunst und beherbergte einst die große Zeusstatue, eines der Sieben Weltwunder. Heute lassen sich der Aufbau und die Dimension des Tempels anhand des Ruinenfelds nur noch von Experten erfassen. Deshalb führte das Deutsche Archäologische Institut nach einem 1992 erarbeiteten Masterplan in den letzten Jahren zahlreiche Restaurierungsmaßnahmen und partielle Wiedererrichtungen unter Verwendung der originalen, erhaltenen Bauteile (sog. Anastilosis) durch.
Die nächste Stufe der Restaurierung wurde Ende November 2012 erfolgreich abgeschlossen. Ziel war es, den Bereich der westlichen Rückhalle des Tempels, den sog. Opisthodom, den Besuchern verständlich zu präsentieren.Zuerst mussten für den teilweisen Wiederaufbau des Opisthodoms 38 Architekturbauteile umgelagert werden, die im Zuge der Grabungen des 19. Jahrhunderts dort liegen geblieben waren. Dabei wurden Säulentrommelfragmente und undefinierbare Bruchstücke (wahrscheinlich Hinterfütterungssteine des Frieses) parallel der nordsüdlich verlaufenden Straße vor dem antiken Versturz gelagert, 12 Wandquader hingegen auf die oberste, bereits sichtbare Schicht des Wandfundamentes (Toichobat) der Westmauer der Cella aufgesetzt. Erst durch diese Aufräumarbeiten und den Abschluß der Wandquaderreihe ist die räumliche Erfahrung des Opisthodoms wieder möglich.
Die gut erhaltenen Orthostaten (große, aufrecht stehende Steinblöcke der untersten Lage eines Mauerwerks) der westlichen Ante (vorgezogene Mauerzunge) wurden vom Steinmetz und Restaurator F. Beuthan gereinigt. Die fehlende nördliche Ecke wurde mit einer Titanbewehrung und der schon in den früheren Restaurierungen bewährten Kunststeinmischung ›in Bosse‹ angegossen und anschließend der antiken Oberfläche angeglichen.
Der Stylobat des Opisthodoms wurde von dem Befall durch Flechten und Moose befreit und feine Risse, aber auch einige tiefe Löcher ebenfalls mit einer feineren Mischung des Kunststeins geschlossen, um Eindringen von Feuchtigkeit und dadurch bedingte Schäden für die nächste Zeit zu verhindern. Ein großes Stück der südlichen untersten Trommel der Ophisthodomsäule lag zwar noch in situ, war aber in drei Teile gebrochen. Diese wurden mit profilierten Titanstäben verbunden und das fehlende Stück mit titanbewehrtem Kunststein ergänzt. Abschließend erfolgte dort die Ausarbeitung der Kanneluren in antiker Manier mit der Hand.Die beiden Ophistodom-Kapitelle, die im Westen vor den Tempel lagen, wurden ebenfalls gereinigt und in oben genannter Weise restauriert, aber nicht ergänzt.
Mitte Oktober fand die Versetzung der fünf restaurierten Architekturteile mit einem fünfachsigen Schwerlastkran statt. Der Kran musste zentimetergenau zwischen die verstürzten Bauteile im Westen vor dem Tempel rangiert werden, um die notwendige Transportdistanz von etwa 35 m und maximal 7 m Höhe überwinden zu können.
Der untere Teil des nördlichen Antenkapitells, ein Fragment von etwa 2 t Gewicht, wurde auf die restaurierte westlichen Ante aufgesetzt, wobei das Kapitell natürlich ursprünglich etwa 8 m höher lag. Bauteile, die nicht in originaler Position versetzt werden können, müssen nach der Vorgabe des Referats für Anastilosis des griechischen Kulturministeriums mit einem Abstand zu den benachbarten Bauteilen aufgestellt werden. Dieser Abstand wurde technisch durch Abstandshalter mit insgesamt 15 cm Höhe erreicht, die aus 11 mm Rohr und 15 x 15 cm messenden Basisplatten zur besseren Druckverteilung auf dem relativ weichen Muschelkalk bestehen und aus extrem korrosionsresistentem Chrom-Molybdän-Stahl (ASTM 316L) in Griechenland gefertigt wurden.
Die statische Dimensionierung der Abstandshalter und die Berechnung der Erdbebensicherheit übernahm der Statiker K. Zambas. Um den antiken Muschelkalk nicht zu stark mit dem modernen, glänzenden Stahl zu kontrastieren, behandelte man dessen Oberflächen mit einem feinen Sandstrahl, wodurch eine matte Ansicht erreicht wurde.
Die nunmehr als ein Bauteil wiederhergestellte südliche untere Säulentrommel wurde an ihren ursprünglichen Platz versetzt. Mit Abstandshaltern musste die oberste Säulentrommel darauf platziert werden. Zuoberst schließlich wurde das fast 7 t schwere südliche Ophistodom-Kapitell, das am besten erhaltene des Tempels, gesetzt.
Das nördliche Ophistodom-Kapitell wurde aufgrund fehlender originaler Bauteile der dazugehörenden Säule mit Abstandshaltern direkt auf den Stylobat gestellt. Damit präsentiert sich dem Besucher der Opisthodom wieder als Raum und die beiden allein durch Ihre Größe eindrucksvollen und gut erhaltenen Kapitelle sind aus der Nähe erfahrbar.
Weitere Informationen gibt es hier.
Quelle:
Nicole Kehrer
Pressestelle
Deutsches Archäologisches Institut
Die ältesten Holzbauwerke der Welt sind datiert
Wissenschaftler dokumentieren am Beispiel von Brunnen die hoch entwickelten Fähigkeiten jungsteinzeitlicher Siedler
Ein Forschungsteam um Willy Tegel und Dr. Dietrich Hakelberg vom Institut für Waldwachstum der Universität Freiburg hat das Alter von vier Brunnen der frühesten mitteleuropäischen Ackerbaukultur mithilfe der Dendrochronologie oder Jahrringdatierung genau bestimmt. Die Brunnen wurden in Siedlungen im Großraum Leipzig ausgegraben und sind die bislang ältesten bekannten Holzbauwerke der Welt. Sie stammen aus der Linearbandkeramik, der Zeit etwa von 5600 bis 4900 vor Christus. Die Forschungsergebnisse, die in der internationalen Fachzeitschrift „PLoS ONE“ veröffentlicht wurden, liefern neue Erkenntnisse zur prähistorischen Technikgeschichte. An der Arbeit waren Experten der Archäologie und Dendrochronologie vom Freiburger Institut für Waldwachstum, vom Sächsischen Landesamt für Archäologie in Dresden und von der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft in Birmensdorf/Schweiz beteiligt.
Die vier jungsteinzeitlichen Brunnen waren von ihren Erbauern aus Eichenholz angefertigt worden. Neben den Bauhölzern haben zahlreiche andere organische Überreste, etwa Pflanzenreste, Holzgeräte, Rindengefäße und Bastschnüre, sowie viele reich verzierte Keramikgefäße im Grundwasser unter Luftabschluss die Jahrtausende überdauert. Die Methode der Dendrochronologie erlaubte es den Wissenschaftlern, jahrgenau zu bestimmen, wann die Bäume gefällt worden waren. Damit konnten sie die Bauzeit der Brunnen eingrenzen. Demnach fällten jungsteinzeitliche Ackerbauern zwischen 5206 und 5098 vor Christus mit Steinbeilen mächtige, alte Eichen. Sie spalteten die Stämme zu Bohlen, um diese mit komplexen Eckverbindungen zu kastenförmigen Schächten zusammenzufügen. Mit moderner Laserscantechnik erfassten die Wissenschaftler die Bauhölzer und Bearbeitungsspuren und dokumentierten die hoch entwickelten Fähigkeiten der Siedlerinnen und Siedler. Die sehr gut erhaltenen Bearbeitungsspuren und Holzverbindungen zeugen von einer unerwartet anspruchsvollen Holzbautechnik.
In Mitteleuropa setzte sich im 6. Jahrtausend vor Christus die Sesshaftigkeit mit Ackerbau und Viehzucht gegenüber einer Lebensweise als Jäger und Sammler durch. Dieser Umbruch in der Geschichte der Menschheit wird als „neolithische Revolution“ bezeichnet. Um sesshaft zu werden, brauchte der Mensch feste Behausungen. Häuser jedoch sind ohne entwickelte Holztechnik nicht denkbar – die ersten Ackerbauern waren die ersten Zimmerleute. Die einzigen Überreste ihrer Häuser, die bislang ausgegraben wurden, sind allerdings Bodenverfärbungen. Mit den dendrochronologisch präzise datierten Brunnen lässt sich nun erstmals die Bedeutung von Holzbauten für die Sesshaftwerdung des Menschen genauer untersuchen.
Rudolf-Werner Dreier
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Albert-Ludwigs-Universität Freiburg im Breisgau