Umstrittenes „Frau Jesu“-Papyrus ist Fälschung – Forscher entlarvt angeblich antikes Schriftstück

Das „Frau Jesu“-Papyrus trieb die Medien- und Wissenschaftswelt lange Zeit um und sorgte für etliche Schlagzeilen über Jesus, Maria Magdalena und die Frauenwelt im frühen Christentum. Können auch Frauen Jünger von Jesus gewesen sein? Und hatte eine oder seine Frau womöglich doch beim letzten Abendmahl unter den Jüngern gesessen? Das ist zwar weiter unklar, klar ist aber: Das antike Papyrusstück ist eine „unglaubliche Fälschung“, wie ein Gastforscher an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster herausfand. Der Experte für neutestamentlichen Textforschung mit einem Schwerpunkt auf koptischen Bibel-Überlieferungen wies die Fälschung nun nach.

Seit September 2012 sorgte das „Frau Jesu“-Papyrus für Zündstoff in der Kirche und in der Wissenschaft: Muss die Geschichte zur Rolle der Frauen im frühen Christentum neu- beziehungsweise umgeschrieben werden? Im Juli 2010 war nämlich ein koptisch-ägyptisches Papyrus-Fragment, groß wie eine EC-Karte, aufgetaucht. Seine Entdeckerin, Kirchenhistorikerin Karen King von der Harvard-Universität, behauptete, auf die Frauen im Urchristentum falle ein neues Licht, auch sie könnten nämlich Jünger Jesus gewesen sein.

In der vermeintlichen Quelle wird Jesus zitiert, er spricht von „Maria“, später von „meiner Frau“ und sagt, „sie wird meine Schülerin sein können.“ Ein Unding für die bisherige männlich dominierte Geschichte des Christentums. Die Entdeckung löste einen Sturm an Berichterstattungen zur Frage „Hatte Jesus nun eine Frau oder nicht?“ aus. Hatte eine oder seine Frau womöglich doch beim letzten Abendmahl unter den Jüngern gesessen?

Aber nun ist klar: Nicht auf die Frauen, aber auf die Quelle, also das antike Papyrusstück, muss ein neues Licht geworfen werden. Es ist nämlich nicht nur nicht echt, sondern sogar eine „unglaubliche Fälschung“, wie der Gastforscher der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), Dr. Christian Askeland, sagt.

Der 37-jährige Wissenschaftler widmet sich der neutestamentlichen Textforschung mit einem Schwerpunkt auf koptischen Bibel-Überlieferungen. Er machte sich im Rahmen des Forschungsaufenthaltes an der WWU die Mühe, in die Tiefen des umstrittenen Papyrus‘ einzutauchen, um das Rätsel zu lösen. Zu Hilfe kam ihm ein zweites angeblich antikes Papyrus-Fragment aus den ins Internet gestellten Forschungsmaterialien der Entdeckerin Karen King, das von derselben Quelle stammt, in ähnlicher Weise aufgebaut ist und von dessen Existenz man schon länger wusste, ohne aber Bilder oder eine genaue Beschreibung von ihm zur Verfügung zu haben.

Dieser Zufallsfund förderte Erstaunliches zutage: „Beide Papyri sahen so gleich aus“, sagt Christian Askeland. Auch die Tinte sei anscheinend identisch gewesen, ebenso das benutzte Schreibgerät. Das zweite Fragment ist aus einer koptischen Übersetzung des Johannesevangeliums und sei ganz offensichtlich eine Fälschung – buchstaben- und zeilentreu aus einem echten Papyrus des vierten Jahrhunderts kopiert. Hinzu kam, wie der Gastforscher feststellte, dass der im Dokument verwendete Dialekt für das 7. bis 9. Jahrhundert nach Christus, auf das Karen King das Papyrus datiert hatte, gar nicht möglich sei. Dieser besondere Dialekt sei nämlich bereits im frühen 6. Jahrhundert verschwunden. Wenn das neue Johannesevangelium-Fragment eine Fälschung sei, so die Schlussfolgerung von Christian Askeland, sei notwendigerweise das „Frau Jesu“-Fragment auch eine Fälschung.

Prof. Dr. Stephen Emmel vom Institut für Ägyptologie und Koptologie der WWU, der den Nachwuchsforscher betreute, war von der Arbeit seines Zöglings fasziniert. Erstaunt habe ihn, der schon 2012 Zweifel angemeldet hatte, die Entdeckung der Fälschung allerdings nicht, sei sie doch so offensichtlich gewesen: „Bislang hatte einfach der absolut sichere Beweis gefehlt“, meint Stephen Emmel. Über Christian Askeland sagt er: „Er hat über die koptische Übersetzung des Johannesevangeliums promoviert. Somit war er genau der Richtige, der das entdecken konnte“, sagt der Koptologe. Die Fälschung hält er für recht jung. „Sie dürfte in den vergangenen zehn Jahren entstanden sein“, mutmaßt der Experte.

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Quelle:
Juliane Albrecht
Presse- und Informationsstelle
Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Deutsche Archäologen entdecken Goldmünzen aus dem 6. Jahrhundert in einem koptischen Kloster in Luxor

Ein Team des Deutschen Archäologischen Instituts hat im Kloster Deir el-Bachît, dem antiken Pauloskloster (Dra’ Abu el-Naga Nord/Theben-West), einen aus 29 byzantinischen Goldmünzen bestehenden Hortfund entdeckt.

Der Münzhort wurde in einer kleinen Kapelle gefunden, die in ein pharaonisches Grab eingebaut war und zu den ältesten Einrichtungen des Klosters gehört. Die Münzen selbst waren in ein Tuch gewickelt in einer Säule des Altartisches versteckt und können in zwei Gruppen unterteilt werden: 18 größere Münzen, bei denen es sich um Solidi handelt, und elf kleinere, sog. Tremisses.
Nach einer ersten Sichtung lassen sich die Münzen den Kaisern Valens, Valentinian, Justin I. und Justinian I. zuordnen. Mit dem dadurch gewonnenen Datierungsansatz für eine Deponierung im 6. Jahrhundert n. Chr. findet sich der früheste Nachweis für eine Klosterkapelle in Theben-West. Darüber hinaus liefert der Fund einen zeitlichen Beleg für die Umwandlung der von einem Eremiten seit dem 5. Jahrhundert n. Chr. als Wohnbehausung genutzten Grabhöhle in ein sakrales Zentrum, das bis ins 12. Jahrhundert Bestand hatte, wie Besucherinschriften belegen. Der Fund gibt außerdem interessante Einblicke in die ökonomische Situation eines Klosterverbandes der Spätantike.

Die Ausgrabung findet im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Kooperationsprojektes zwischen dem Deutschen Archäologischen Institut Kairo (Dr. Daniel Polz), dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz (Dr. Ina Eichner) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (Dr. Thomas Beckh) statt.

 

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Quelle:
Nicole Kehrer M.A.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Archäologisches Institut

Das Berliner Antike-Kolleg nimmt seine Tätigkeit im Archäologischen Zentrum auf

Die Geschäftsstelle des Berliner Antike-Kollegs zieht dauerhaft in das Archäologische Zentrum in unmittelbarer Nähe der Museumsinsel. Damit wird die international herausragende fächer- und institutionenübergreifende Zusammenarbeit in den Altertumswissenschaften in Berlin weiter ausgebaut. Zum Kolleg, das 2011 aus dem Exzellenzcluster Topoi hervorgegangen ist und mit diesem eng kooperiert, gehört auch eine Graduiertenschule zur Doktorandenausbildung. Ein weiterer Bereich ist das Research Center of Ancient Studies, mit dem der internationale wissenschaftliche Austausch in Berlin gefördert werden soll.

Das Berliner Antike-Kolleg ist mit dem Exzellenzcluster Topoi eng verzahnt und wird wie dieses von allen Institutionen getragen, die sich in Berlin mit der Alten Welt beschäftigen: Beteiligt sind Freie Universität und Humboldt-Universität zu Berlin, die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, das Deutsche Archäologische Institut, das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Das Zentrum umspannt unter anderem die Disziplinen Archäologie, Geschichtswissenschaft, Philologie und Philosophie; integriert sind auch Geo- und andere Naturwissenschaften.

Das 2012 eröffnete Archäologische Zentrum vereint die archäologischen Kompetenzen der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz unter einem Dach. Es bietet damit eine interdisziplinäre Plattform für eigene Mitarbeiter sowie Wissenschaftler und Studierende aus dem In- und Ausland. Fünf archäologische Museen von Weltrang nutzen das Zentrum: das Ägyptische Museum und die Papyrussammlung, die Antikensammlung, das Museum für Islamische Kunst, das Museum für Vor- und Frühgeschichte und das Vorderasiatische Museum haben hier Büros, Arbeitsplätze für Wissenschaftler, Depots und Restaurierungswerkstätten. Außerdem haben das Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin und die Archäologische Bibliothek der Kunstbibliothek hier ihren Sitz. Damit besteht eine einzigartige Infrastruktur für die Beschäftigung mit den Altertumswissenschaften, wie sie vom Berliner Antike-Kolleg betrieben wird.

Der erste Fellow des Berliner Antike-Kollegs in diesem Jahr ist Prof. Dr. Orhan Bingöl von der Universität Ankara. Vom 1. März bis 31. Mai 2014 wird er sich mit der Grabungsgeschichte der antiken Stadt Magnesia in der heutigen Türkei beschäftigen; Berliner Archäologen hatten die Überreste der Stadt Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts freigelegt. Orhan Bingöl, seit den 1980er Jahren selbst Grabungsleiter in Magnesia am Mäander, nutzt die Quellenbestände der am Berliner Antiker Kolleg beteiligten Institutionen: Tagebücher und Briefe der Archäologen sowie weitere wichtige zeitgeschichtliche Dokumente werden im Deutschen Archäologischen Institut aufbewahrt; weitere Quellen existieren in den Archivbeständen der Staatlichen Museen zu Berlin.

Das Berliner Antike Kolleg wird von einem aus drei Personen bestehenden Vorstand geleitet: Vorsitzender des Vorstands ist derzeit Prof. Dr. Dres. h. c. Christoph Markschies von der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Position übernimmt im April Prof. Dr. Eva Cancik-Kirschbaum von der Freien Universität. Weiteres Mitglied des Vorstands als Vertreter der außeruniversitären Einrichtungen ist der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Hermann Parzinger. Geschäftsführerin der Einrichtung ist die promovierte Ägyptologin Henrike Simon.

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Quelle:
Dr. Nina Diezemann
Stabsstelle für Presse und Kommunikation
Freie Universität Berlin

Über was lachten die Altägypter?

Der Humor kommt nicht aus der Mode: Die Menschen im alten Ägypten lachten schon vor Jahrtausenden über Dinge, die wir auch heute noch komisch finden: Schadenfreude, groteske Übertreibungen und verdrehte Welten. Auf Reliefs, Papyri oder Tonscherben ist vor allem der Oberschichtenhumor überliefert. Prof. Dr. Ludwig Morenz von der Universität Bonn gibt in seinem Buch „Kleine Archäologie des ägyptischen Humors“ einen Überblick. Das Werk ist vor kurzem in den Bonner Ägyptologischen Beiträgen erschienen.

Von den Altägyptern sind vor allem Pyramiden, Mumien und Grabbeigaben bekannt. „Wegen des Totenkults wirkt diese Kultur auf den ersten Blick sehr ernst“, sagt Prof. Dr. Ludwig Morenz von der Abteilung für Ägyptologie der Universität Bonn. Bereits der Dichter und Naturforscher Johann Wolfgang von Goethe (1749-1832) sprach von der altägyptischen Kultur als einem „wüsten Totenreich“. Doch bei genauerer Betrachtung findet man auch in diesem scheinbar sehr jenseitsorientierten Reich zahlreiche Belege für Humor. Für Prof. Morenz ist das ein interessanter Forschungsansatz: „Über was haben die Menschen in Ägypten vor etwa 5000 Jahren bis hinein in die Römerzeit gelacht? Aus den Antworten erfahren wir auch viel Alltägliches darüber, was die Menschen im Pharaonenreich bewegte.“

Der schlafende Türhüter als groteske Nebenrolle

Bei den überlieferten Belegen wird ein sehr subtiler Humor deutlich, der heutige Zeitgenossen nicht dazu bringt, lauthals herauszulachen. Die Komik in Inschriften und Bildnissen der Reliefs, Papyri oder Tonscherben erschließt sich aber teilweise heute noch auf Anhieb: Schadenfreude, groteske Übertreibungen und verdrehte Welten. „Die Altägypter haben gerne ihre Feinde verspottet“, führt Prof. Morenz ein Beispiel an. So zeigt eine Tonscherbe einen mit erhobenen Händen vor Katze und Maus um Gnade flehenden Nubier. Beliebt waren auch Berufssatiren: Ein Relief aus einem Grab in Saqqara zeigt einen schlafenden Türhüter. Der Ägyptologe der Universität Bonn wertet diese Darstellung als eine Art „Shakespearesche groteske Nebenrolle“, die die geordnete Welt der Grab- und Tempelbilder etwas menschlicher machen und zugleich den Sinn für das Komische bedienen sollte. Der schlafende Türhüter ziert auch den Deckel des von Prof. Morenz herausgegebenen Buchs.

Witziges baute schon vor Jahrtausenden auf Übertreibungen: In dem Text „Lehre des Chety“ wird der Schreiberberuf schwarzhumorig übersteigert, indem viele andere Berufe massiv abgewertet werden, z.B. der Töpfer: „Er wühlt sich in dem Sumpf mehr als Schweine, um seine Töpfe zu brennen. Sein Kleid ist steif von Lehm, sein Gürtel ist ein Stofffetzen.“ So wenig die Schreiber an den anderen Berufen ein gutes Haar ließen, umso besser schneidet in ihren Ausführungen die eigene Zunft ab: „Wenn du dich mit dem Schreiberberuf beschäftigst, wirst du dich vor körperlicher Arbeit gerettet sehen.“ In der Tat waren damals viele Erwerbstätigkeiten mit großer Mühsal verbunden. „Nur etwa ein Prozent der Bevölkerung konnte lesen“, sagt Prof. Morenz. Wer diese Fertigkeit beherrschte, sah sich in einer herausgehobenen Position.

Karnevaleske Umkehr des Alltags stellt Herrschaft in Frage

Etwas Vorwissen ist erforderlich, um einen „Cartoon“ zu verstehen, auf dem ein Vogel auf einer Leiter und ein großes Nilpferd im Feigenbaum abgebildet sind. „Aus den Tierhieroglyphen wissen wir, dass das Nilpferd im Sinne von `das Schwere´ verwendet wurde“, erläutert Prof. Morenz. „Die Illustration zielt auf die verkehrte Welt: Der leichte Vogel erklimmt mit ausgebreiteten Schwingen mühsam die Leiter, während das schwere Nilpferd die Früchte sammelt.“ Der Ägyptologe ordnet solche Darstellungen als „karnevalesk“ ein. Freilich gab es damals noch keinen Karneval in der heutigen Form, doch sei bereits im alten Ägypten eine Neigung erkennbar, die Herrschaft durch karnevaleske Umkehr des Alltags in Frage zu stellen. Dazu gehören etwa musizierende Krokodile oder als Säufer dargestellte Stiere. Selbst die Religion blieb davon nicht verschont, wie als Priester und Götter verkleidete Mäuse zeigen.

Der Wissenschaftler der Universität Bonn kommt zu dem Schluss, dass die Menschen im Altertum wahrscheinlich genauso häufig und lebhaft lachten wie heute. Die überlieferten Belege zeigen jedoch nur einen kleinen Ausschnitt. Witze werden meist mündlich überliefert und finden in keiner Hieroglyphe ihren Niederschlag. „Was wir heute sehen, ist vorrangig Oberschicht-Humor“, sagt Prof. Morenz. Denn nur gut Betuchte hatten die Mittel, ihren Sinn für Komik in Stein zu verewigen. Vermutlich erfüllte der Humor vor Jahrtausenden bereits die gleiche Funktion wie heute: Er fungierte als „gesellschaftlicher Kitt“. „Gemeinsames Lachen schafft soziale Bezüge, polstert den harten Alltag etwas ab und macht das Leben angenehmer“, sagt Prof. Morenz.

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Quelle:
Johannes Seiler
Dezernat 8 – Hochschulkommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

Joachim Latacz erhält den Ausonius-Preis

Baseler Professor ist ein führender Homer-Spezialist – Festveranstaltung im Juli.

Der Ausonius-Preis 2014 wird an den Baseler Gräzisten Prof. em. Dr. Joachim Latacz in Anerkennung seines wissenschaftlichen Gesamtwerks verliehen. Die Auszeichnung wird im jährlichen Wechsel von den Fachbereichen II und III der Universität Trier vergeben. Die Festveranstaltung findet am Freitag, 11. Juli, um 18 Uhr in Hörsaal 1 der Universität Trier statt. Der Preisträger wird in seinem Festvortrag „Fragen an Homers Achilleus“ stellen. Das Preisgeld in Höhe von 1.500 Euro wird in diesem Jahr von der Sparkasse Trier gestiftet.

Prof. Dr. Joachim Latacz gilt als einer der führenden Homer-Spezialisten. Der emeritierte Professor für Griechische Philologie der Universität Basel leitet gemeinsam mit Prof. Anton Bierl das an der Universität Basel angesiedelte Projekt „Basler Homer-Kommentar“, das die Erstellung eines wissenschaftlichen Gesamtkommentars zu Homers Epos „Ilias“ anstrebt.

Hohen Bekanntheitsgrad erreichte Latacz durch seine Zusammenarbeit mit dem Archäologen und Troja-Grabungsleiter Manfred Korfmann. Eine gemeinsame Ausstellung „Troia – Traum und Wirklichkeit“ in den Jahren 2001 und 2002 lockte in einigen deutschen Städten mehr als 800.000 Besucher an.

„Joachim Latacz hat sich nicht auf Homer beschränkt, sondern hat die Besonderheit und Eigenart der Literatur der Antike von vielen Facetten her herausgearbeitet und dabei substantielle Forschungsbeiträge zu vielen grundlegenden Werken und Themen der griechischen wie der römischen Literatur vorgelegt“, heißt es in einer Festschrift zum 70. Geburtstag des Ausonius-Preisträgers.

Zur Person

Prof. Dr. Joachim Latacz wurde 1934 im oberschlesischen Kattowitz geboren. Er studierte Altertumswissenschaften in Halle/Saale, Berlin und Hamburg. 1963 wurde er an der Freien Universität Berlin mit einer Arbeit zum Wortfeld „Freude“ in der Sprache Homers promoviert. Von 1966 bis 1972 war er als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Würzburg tätig, wo er sich 1972 habilitierte. 1978 wurde Latacz zum Professor für Klassische Philologie (Gräzistik) an der Universität Mainz ernannt. 1981 folgte er einem Ruf an die Universität Basel auf die Professur für Griechische Philologie. Nach seiner Emeritierung im Jahr 2002 wurde ihm 2004 im Odeion von Troia der türkische Homer-Preis überreicht.

Zum Preis

Den Ausonius-Preis verleihen die Fachbereiche II und III der Universität Trier seit 1998 einmal jährlich in Anerkennung einer herausragenden wissenschaftlichen Arbeit auf dem Gebiet der Klassischen Philologie oder der Alten Geschichte oder in Anerkennung des wissenschaftlichen Gesamtwerks in diesen Fächern. Benannt ist die Auszeichnung nach dem spätantiken Dichter Ausonius, der im Jahr 365 als Lehrer und Erzieher an den kaiserlichen Hof nach Trier kam. In der Reisebeschreibung „Mosella“ schildert Ausonius die Mosellandschaft und die Stadt Trier.

Quelle:
Peter Kuntz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Universität Trier

Digitales Kulturgüterregister für Syrien

Deutsches Archäologisches Institut macht umfangreiche Datenbestände zu den bedeutendsten archäologischen und historischen Stätten Syriens online zugänglich.

Die Kulturlandschaft Syrien gehört hinsichtlich der Anzahl und historischen Bedeutung der dort vorhandenen Denkmäler zu den herausragenden Regionen weltweit. Durch die aktuellen Entwicklungen im Land ist die Existenz dieses einmaligen kulturellen Erbes, das in weiten Teilen noch nicht wissenschaftlich erschlossen ist, massiv bedroht.
Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) und das Museum für Islamische Kunst Berlin, die beide durch ihre langfristigen Arbeiten in Syrien über sehr umfangreiche Datensammlungen verfügen, haben im November 2013 in dem gemeinsamen Projekt „Erstellung digitaler Kulturgüterregister für Syrien / Syrian Heritage Archive Project“ mit der digitalen Erschließung ihrer Archive begonnen. Das Projekt wird durch das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland gefördert.

Kooperationsprojekt des Deutschen Archäologischen Instituts und des Museums für Islamische Kunst Berlin

Durch die langjährigen Forschungsprojekte, die in Zusammenarbeit ausländischer Missionen mit der syrischen Generaldirektion für Altertümer und Museen (DGAMS) in den vergangenen Jahrzehnten durchgeführt werden konnten, liegen für viele der bedeutendsten archäologischen und historischen Stätten Syriens umfangreiche Datenbestände vor. Viele dieser Forschungsdaten sind jedoch bisher ausschließlich in analoger Form vorhanden, da die digitale Datengenerierung in der Archäologie im größeren Umfang erst gegen Ende der 1990er begonnen hat.
Die vollständige Digitalisierung der älteren Datenbestände bildet daher eine wesentliche Voraussetzung für die zukünftige Datennutzung und ihre sinnvolle Zusammenführung in größeren Datenbankprojekten sowie die darauf basierenden Auswertungen zum Stand des Kulturerbes in Syrien, insbesondere auch für die Kartierungen der kriegsbedingten Schäden.

Sichtung, Digitalisierung und Archivierung der Forschungsdaten werden in Berlin von zwei deutsch-syrischen Teams durchgeführt. Die Materialien werden in Arachne, der Objektdatenbank des DAI, den DAI-Gazetteer und den DAI-Geoserver eingepflegt. Die Schnittstellen dieser Architektur sichern die von Anfang an angestrebte internationale Vernetzung mit anderen, ähnlichen Projekten zur langfristigen Dokumentation der Kulturgüter Syriens, um eine möglichst umfassende Datensammlung aufzubauen. Regelmäßige Treffen dienen der Absprache über die notwenigen Arbeitsschritte.

Syrien – ein kulturelles Langzeitarchiv droht verloren zu gehen

Viele grundlegende Errungenschaften der Menschheit, z. B. die Landwirtschaft oder Urbanisierung, wurden erstmals in der Region Syriens entwickelt. Da in Syrien zudem alle Zeitabschnitte vom Beginn menschlicher Nutzung ab etwa eine Million Jahre vor heute bis in die osmanische Zeit durch archäologische oder historische Monumente belegt sind, verfügt das Land über eines der umfassendsten kulturellen Langzeitarchive.
Die Zerstörungen in den Altstädten sowie die im großen Stil durchgeführten Raubgrabungen in wichtigen archäologischen Stätten belegen die Dynamik dieses Prozesses, der zum unwiederbringlichen Verschwinden der wichtigsten historischen Zeugnisse des Landes führen kann.
Auch wenn diese Problematik nicht im Fokus der täglichen Berichterstattung steht, bildet sie doch einen wesentlichen Teilaspekt der momentanen Situation in Syrien, die man gegenwärtig allerdings nur registrieren kann. Für die gegenwärtige und zukünftige Bewertung des Denkmälerbestandes ist die systematische Archivierung und Auswertung der vorhandenen Dokumentationen zu den einzelnen Befund- und Fundkategorien daher von grundlegender Bedeutung.

Hier geht es zur Objektdatenbank des DAI.

Quelle:
Nicole Kehrer
Pressestelle
Deutsches Archäologisches Institut

In den Olymp katapultiert

Bei antiker Kunst denken die meisten wohl an kunstvoll bemalte Vasen oder an Statuen von athletischen Männern und verträumt schauenden Frauen mit wallendem Gewand. Die aus dem dritten Jahrhundert vor Christus stammende, etruskische Beinskulptur sieht hingegen eher unscheinbar aus. Das tönerne Bein ist jedoch viel mehr als die profane Nachbildung eines Körperteils: „Das Bein ist ein Körpervotiv und diente als symbolische Opfergabe an die Götter“, weiß Dr. Dennis Graen von der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Je nach gesundheitlichen Beschwerden ließen die Etrusker bei Keramikkünstlern Terrakotten von Körperteilen oder sogar inneren Organen anfertigen. „In diesem Fall hat wahrscheinlich jemand ein krankes Bein gehabt oder konnte nicht mehr laufen“, vermutet der Kustos der Antikensammlungen.

Das lebensgroße, tönerne Bein gehört zu 66 neuen Dauerleihgaben, die die Antikensammlungen der Universität Jena gerade von der Schweizer Nereus-Stiftung erhalten haben. „Die Leihgaben bereichern unsere Sammlung ungemein und schließen wichtige wissenschaftliche Lücken“, freut sich Prof. Dr. Angelika Geyer, die Leiterin der Antikensammlungen, über die einzigartige Lieferung. Zu den Objekten gehören vor allem griechische und etruskische Kunst- und Alltagsgegenstände, etwa Keramiken, Skulpturen, Terrakottafiguren, Schmuck und Gewandnadeln. Im Lieferumfang enthalten sind zudem mehrere griechische Trinkschalen aus der Zeit um 500 vor Christus. „Das sind wirklich die absoluten Highlights“, schwärmt Archäologe Graen. Denn die Keramiken wurden von den berühmten griechischen Vasenmalern Epiktetos und Douris bemalt – und sind damit Objekte von Weltrang. „Sie katapultieren die Jenaer Antikensammlung in den Olymp der deutschen Universitätssammlungen!“, zeigt sich der Mitarbeiter am Lehrstuhl für Klassische Archäologie begeistert.

Mit der Ankunft der neuen Leihgaben fängt die Arbeit für die Wissenschaftler aber erst richtig an. Denn größtenteils sind die Gegenstände unpubliziert und ihr Alter sowie ihre kulturhistorische Herkunft noch nicht bestimmt. Das sollen u. a. Studierende übernehmen, die auf diese Weise die wissenschaftliche Bearbeitung antiker Artefakte praxisnah üben können. „Die neuen Objekte sind nicht nur von herausragender wissenschaftlicher Bedeutung, sondern sie ermöglichen uns auch, die Lehre weiter zu verbessern“, betont Angelika Geyer.

Die Jenaer Antikensammlungen umfassen inzwischen mehr als 2.000 Exponate sämtlicher antiker Mittelmeerkulturen. Der Großteil der wertvollen Originale und Gipsabgüsse ist in den Räumen in der Carl-Pulfrich-Straße 2 untergebracht und seit April 2012 wieder für die Öffentlichkeit zugänglich. Auch die neuen Dauerleihgaben aus der Schweiz werden dort ihr neues Domizil finden. „Wir müssen zunächst ein wenig umbauen und die Vitrinen umgestalten, um für die vielen neuen Objekte einen geeigneten Platz zu finden“, sagt Dennis Graen. Doch dann können die Besucher auch die etruskische Beinskulptur und die griechischen Trinkschalen in den Ausstellungsräumen bewundern.

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Quelle:
Claudia Hilbert
Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Die Überreste der Varusschlacht – Neue Erkenntnisse zum Umgang der Germanen mit der Kriegsbeute

In der Geschichtsschreibung ging sie als Schlacht im Teutoburger Wald ein, die sogenannte Varusschlacht, in der im Jahre 9 n. Chr. ein römisches Heer einem Bündnis germanischer Stämme unterlag. Seit 25 Jahren wird in Kalkriese nördlich von Osnabrück ein ausgedehntes Kampfareal archäologisch erforscht, das sehr wahrscheinlich als Ort dieser militärischen Auseinandersetzung identifiziert werden kann. Erstmals bietet sich hier die Chance, eine antike Feldschlacht mit modernen Methoden zu untersuchen und damit Grundlagen für die neue archäologische Forschungsrichtung der Schlachtfeld- bzw. Konfliktarchäologie zu erarbeiten.

Die Universität Osnabrück und die Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH legen nun erstmals eine Gesamtbewertung des Kalkrieser Fundmaterials unter diesen Gesichtspunkten vor.

Mit finanzieller Unterstützung des Landes Niedersachsen (VW-Vorab) konnten die römischen Funde und die Befunde am Oberesch in den vergangenen Jahren detailliert analysiert werden. »Durch das archäologische Fundmaterial zeichnet sich eine überraschende Vielfalt von Ereignissen ab, die sich während und unmittelbar nach der Schlacht zugetragen haben«, erklärt Dr. Susanne Wilbers-Rost, Leiterin der Archäologie von der Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH.

Aufschlussreich ist insbesondere die sehr unterschiedliche Verteilung der verschiedenen Arten römischer Militaria. So lässt beispielsweise die Konzentration von Bruchstücken römischer Wurflanzen verstärkte Angriffe der Römer mit Fernwaffen gegen den östlichen Abschnitt der germanischen Wallanlage vermuten. Fragmente von Schienen- und Kettenpanzern kennzeichnen Plätze, an denen Gefallene nach den Kämpfen ihrer Ausrüstung beraubt wurden.

Auffällig ist die Verteilung von Resten bronzener Schildrandbeschläge, die ausschließlich am Wall beobachtet wurden. Sie sind wohl auf die Zerlegung römischer Schilde zurückzuführen, die von den Germanen nicht als Waffen weiterverwendet wurden und bei denen deshalb nur die Metallteile als Rohmaterial interessant waren.

»Die Analyse weiterer Objekte legt nunmehr auch den Schluss nahe, dass die Germanen vor der Verschrottung und der Aufteilung des Beutegutes unter den beteiligten Stämmen die Waffen der unterlegenen Römer zu einer Beuteschau am Wall zusammengetragen haben«, führt Dr. Achim Rost vom Fachgebiet Archäologie der Römischen Provinzen an der Universität Osnabrück aus: »Mit solchen Ergebnissen haben wir bisher nicht gerechnet.«

»Die Gesamtbewertung des Kalkrieser Fundmaterials macht deutlich, wie sehr die Fundüberlieferung auf einem antiken Schlachtfeld geprägt ist von den auf die Kämpfe folgenden Prozessen des Bergens und Plünderns. Zugleich ergeben sich damit Einblicke in spannende, archäologisch bisher kaum erforschte kulturgeschichtliche Phänomene im Kontext militärischer Konflikte«, erläutert Professor Dr. Günther Moosbauer, Wissenschaftlicher Leiter des Projektes Kalkriese an der Universität Osnabrück, die Schlachtfeldarchäologie.

»Es ist immer wieder erstaunlich, wie viele neue Facetten die detaillierte Auswertung der Ausgrabungen von Kalkriese nach vielen Jahren noch erbringen. Und auch in der Zukunft werden weitere Erkenntnisse zur Varusschlacht ans Licht kommen – es bleibt also spannend«, ergänzt Dr. Joseph Rottmann, Geschäftsführer der Varusschlacht im Osnabrücker Land GmbH.

Die für die internationale Schlachtfeldarchäologie richtungsweisenden neuen Forschungsansätze werden von den Archäologen Dr. Achim Rost (Universität Osnabrück) und Dr. Susanne Wilbers-Rost (Museum und Park Kalkriese) in der jetzt erschienen Publikation »Kalkriese 6. Die Verteilung der Kleinfunde auf dem Oberesch in Kalkriese – Kartierung und Interpretation der römischen Militaria unter Einbeziehung der Befunde. Römisch Germanische Forschungen Band 70. Verlag Philipp von Zabern (Darmstadt/Mainz 2012)« der Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Der Band vermittelt neben der kritischen Bewertung der auf dem Schlachtfeld erhaltenen archäologischen Quellen auch neue Erkenntnisse zur Zerstörung der germanischen Wallanlage während und nach der Schlacht.

Ergänzt werden die Überlegungen zur Interpretation der Funde und Befunde durch 30 Kartenbeilagen, die erstmals einen umfassenden Einblick in die Verteilungsmuster der römischen Ausrüstungsteile auf dieser Fundstelle bieten. Darüber hinaus finden sich in den Beiträgen von Dr. Margarethe und Prof. Dr. Dr. Hans-Peter Uerpmann (Universität Tübingen) sowie Dr. Birgit Großkopf (Universität Göttingen) Informationen zu den Knochenresten der Gefallenen und ihrer Trosstiere. Außerdem stellen Prof. Dr. Klaus Mueller und Elke Nagel von der Hochschule Osnabrück die Ergebnisse von Phosphatanalysen in Knochengruben vor.

Weitere Informationen gibt es hier.

Quelle:

Dr. Utz Lederbogen
Stabsstelle Kommunikation und Marketing
Universität Osnabrück

Wirtschaft auf Umwegen: Römische Handelsrouten dank größter archäologischer Datenbank nachvollziehbar

Die größte archäologische Forschungsdatenbank der Welt mit mehr als 200.000 namen-gestempelten Gefäßen ermöglicht Forschern am Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) in Kooperation mit der Universität von Reading (England) völlig neue Einblicke in die römische Wirtschaftsgeschichte: Der günstigste Transportweg war nicht immer der kürzeste. Ab sofort bietet ein Kiosk im Museum für Antike Schiffahrt Besuchern die Möglichkeit, antike Transportrouten nachzuvollziehen.

Um ihre Ware möglichst günstig zu transportieren, nahm die römische Wirtschaft weite Umwege in Kauf. Damals wie heute galt, dass der gerade Weg nicht immer der wirtschaftlichste war. So wurden Amphoren aus Südspanien möglichst lange über das Meer und entlang der Flüsse transportiert, was zu Umwegen von bis zu tausend Kilometern führen konnte. Dennoch war der Versand über Wasser günstiger als der teure Landtransport. Auch das römische Porzellan, die sogenannte Terra Sigillata, gelangte beispielsweise von Mittelfrankreich über manchen Umweg nach England.

Mittels softwarebasierter Kartierung des europaweit zerstreuten Fundmaterials rekonstruierten die Forscher am RGZM diese Handelswege. Die Datenbank umfasst mehr als 200.000 namengestempelte Gefäße aus über 3.500 Fundorten.

Die althergebrachten Angaben zu Transportkosten, die vorwiegend aus den spätantiken Preislisten von Kaiser Diokletian stammen, können mit dieser riesigen Materialsammlung jetzt erstmals ernsthaft überprüft und korrigiert werden. So stellte sich heraus, dass die Preise für Terra Sigillata im von den Römern nicht besetzten, freien Barbaricum enorm hoch gewesen sein mussten. Dies wird dadurch bestätigt, dass dort in der Regel nur Einzelstücke gefunden wurden. Diese Gefäße waren somit hohe Statussymbole. In etwa wie heute ein IPhone in Sibirien.

Das RGZM stellt das Forschungsprojekt in einem Kiosk-Informationssystem im Museum für Antike Schiffahrt in Mainz sowie im Internet vor (http://www.rgzm.de/transportroutes). Für jedes Produktionszentrum werden die Kosteneinheiten für mehrere Transportstrecken angezeigt. So zeigt sich, dass der Warentransport von Mittelfrankreich nach Mainz etwa eineinhalb Mal teurer war als nach London, obwohl die Strecke deutlich kürzer war. Der mühsame Weg stromaufwärts nach Mainz war viel kostenintensiver als die Verfrachtung stromabwärts und über das Meer nach London.

Quelle:
Sabrina Ries
Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit
Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) – Forschungsinstitut für Archäologie

Jena: Antike Schätze wieder sichtbar

Ehemaliges Archäologisches Museum der Universität Jena wiedereröffnet

Blick auf einige Büsten der wiedereröffneten Antikensammlungen der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Foto: Jan-Peter Kasper/FSU

Jena ist um eine Attraktion reicher. Seit heute (24. April) haben die Antikensammlungen der Friedrich-Schiller-Universität Jena am neuen Standort in der Carl-Pulfrich-Straße 2 ihre Pforten geöffnet. „Das ist für uns ein ganz besonderer Moment“, sagt Prof. Dr. Angelika Geyer, Lehrstuhlinhaberin für Klassische Archäologie. Seit 19 Jahren kämpfte sie gemeinsam mit den Jenaer Altertumswissenschaftlern dafür, die Sammlungen vereint an einem Ort der Öffentlichkeit präsentieren zu können.

Seit der Schließung des Archäologischen Museums der Universität Jena vor genau 50 Jahren war die Originalsammlung auf engstem Raum eingelagert und höchstens während Sonderausstellungen im Stadtmuseum zu sehen. Die Sammlung von Gipsabgüssen antiker Skulpturen befand sich im Magazin des Berliner Pergamonmuseums und kehrte sukzessive, zuletzt im vergangenen Jahr – soweit wie möglich – nach Jena zurück. Hochkarätige Dauerleihgaben und Schenkungen haben die Sammlungen in den letzten Monaten zusätzlich bereichert, so dass sie nun weit mehr als 2.000 Exponate umfassen. Davon können sich Besucher von jetzt an selbst überzeugen. Regelmäßig immer mittwochs und samstags von 14 bis 17 Uhr sind die Sammlungen zugänglich.

„Mit unseren antiken Schätzen können wir uns dank der neuen Ausstellungsfläche mit bedeutenden Sammlungen anderer deutscher Universitäten messen“, sagt Geyer. „Schließlich repräsentiert sie mit den originalen Großplastiken und Gipsabgüssen, den Keramiken, Bankettausrüstungen, Metall- und Glasgegenständen sowie Münzen das gesamte Spektrum antiken Kunstschaffens.“ Außerdem decken die Originale mit ihrer Herkunft fast den gesamten Mittelmeerraum und alle Epochen der Antike ab – von der Bronze- bis weit in die römische Kaiserzeit.

Doch bei aller Wertschätzung gehe es den Archäologen der Universität Jena nicht um Prestige. Vielmehr können sie jetzt endlich die antiken Stücke unkompliziert in die Lehre einbeziehen, da Seminare nun auch in der Carl-Pulfrich-Straße stattfinden können. Die Arbeit an den gegenständlichen Hinterlassenschaften sei schließlich elementar für die Archäologie, erklärt die Jenaer Antikenexpertin. Gleiches gelte für die Forschung: Nun seien endlich auch optimale Rahmenbedingungen für die Arbeit an den Originalen geschaffen, auf die auch auswärtige Wissenschaftler zurückgreifen können.

„Mit der Wiedereröffnung geben wir aber nicht nur der Universität, sondern der gesamten Stadt ein Stück ihrer Geschichte wieder“, sagt Dr. Dennis Graen, der Kustos der Antikensammlungen der Universität Jena. Der Jenaer Altphilologe Carl Wilhelm Goettling hatte das Archäologische Museum 1846 im ehemaligen Jenaer Stadtschloss eröffnet. Nach der Fertigstellung des Universitätshauptgebäudes 1908 fanden die Exponate in dessen Südostflügel ein neues Zuhause. „Nach den ersten Berichten über einen neuen Ausstellungsraum sprachen mich Interessierte aus der ganzen Stadt immer wieder auf das Thema an“, sagt Graen. „Die Begeisterung für die Antike ist in Jena sehr groß.“ Das zeigten die vielen Besucher während der Sonderausstellungen im Stadtmuseum oder etwa der Museumsnacht. Schulen hätten auch schon nachgefragt. „Somit können wir auch hier unseren Studentinnen und Studenten neue Impulse in ihrem Studium geben, die uns vorher nicht möglich waren“, sagt der Kustos. In den neuen Räumlichkeiten können die Studierenden zusätzlich Sonderausstellungen erarbeiten und während der Betreuung von Gästen museumspädagogische Erfahrungen sammeln.

„Wir würden uns freuen, wenn unsere zukünftigen Besucher in den Antikensammlungen der Universität Jena einen Einblick in die Lebenswelten der Menschen der Antike erhalten und sich gleichzeitig an der Schönheit antiker Kunst erfreuen können“, resümiert Angelika Geyer.

Quelle:

Sebastian Hollstein
Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

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