Blog

Zinn und Gold vom Schlachtfeld der Bronzezeit im Tollensetal

Archäologische Forschungstaucher haben im Ausgrabungsgebiet Tollensetal herausragende Metallfunde aus der Bronzezeit geborgen. Dazu gehören unter anderem ein Goldspiralring und in Deutschland bislang einmalige Zinnringe. Die Fundstücke sind rund 3.300 Jahre alt. Sie passen in die Zeitphase in der bisherigen Ergebnissen zufolge eine Schlacht im Fundgebiet stattgefunden hat.

Im Tollensetal nördlich von Altentreptow werden seit Jahren immer wieder menschliche Skelettreste, teilweise mit Verletzungsspuren, aber auch Waffen, wie zum Beispiel Holzkeulen und Pfeilspitzen, entdeckt. Alle diese Funde datieren nachweislich in die Bronzezeit (um 1250 v. Chr.). Die Ausgrabungsarbeiten werden von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) unterstützt.

Seit 2010 erforscht eine Arbeitsgruppe aus Archäologen, Anthropologen, Geowissenschaftlern und Medizinern unter Federführung der Universität Greifswald und des Landesamtes für Kultur und Denkmalpflege Mecklenburg-Vorpommern die Überreste dieses ca. 3.300 Jahre alten mutmaßlichen Schlachtfeldes. Dazu finden seit einigen Jahren regelmäßig Ausgrabungen statt. Die außergewöhnlichen Funde liegen weit verstreut im Tollensetal. Ehrenamtliche Taucher des Landesverbandes für Unterwasserarchäologie Mecklenburg-Vorpommern unterstützen die Suche nach neuen Fundplätzen im und am Fluss. Im Sommer 2011 ist dabei ein neuer spektakulärer Fundplatz entdeckt worden, der auch einmalige Metallfunde geliefert hat.

Die ehrenamtlichen Forschungstaucher Sonja und Frank Nagel aus Bergen auf der Insel Rügen haben in ihrem letzten Sommerurlaub gemeinsam mit Dr. Joachim Krüger vom Landesverband für Unterwasserarchäologie Mecklenburg-Vorpommern die Archäologen bei ihrer Arbeit unterstützt und die herausragenden Metallfunde aus der Bronzezeit entdeckt und geborgen. Neben einem Goldspiralring, der in dieselbe Zeitphase wie die Skelettreste im Untersuchungsgebiet datiert wird, wurden auch in Deutschland bislang einmalige Zinnringe geborgen. Diese sind von besonderem wissenschaftlichem Wert, da Zinn zur Bronzeherstellung notwendig ist, als Rohmaterial in bearbeiteter Form für diesen Zeitraum aber bisher nur äußerst selten nachgewiesen werden konnte und den Handel dieses wichtigen Rohstoffes nach Norddeutschland nachweist.

Die neuen Ergebnisse werden in der international renommierten Prähistorischen Zeitschrift in Kürze dem Fachpublikum vorgestellt.

Quelle:

Jan Meßerschmidt
Presse- und Informationsstelle
Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald

 

.

Innovationen vor 4000 Jahren in der Eurasischen Steppe

Mit der Region im Trans-Ural an der Grenze zwischen Europa und Asien beschäftigt sich das deutsch-russische Forscherteam um Prof. Dr. Rüdiger Krause. In dieser zunächst nahezu unbesiedelten Region erblühte zu Anfang des zweiten Jahrtausends v. Chr. für mehr als zwei Jahrhunderte eine Kulturlandschaft, die ihresgleichen sucht. Wer waren ihre Bewohner und woher kamen sie? Wie kommt es zu den zahlreichen Innovationen? Die Forscher der Goethe-Universität sind angetreten, diese Rätsel in der Eurasischen Steppe zu lösen.

Über erste Ergebnisse berichten sie in der aktuellen Ausgabe von „Forschung Frankfurt“. Sehr aufschlussreich sind die gefundenen Gräber mit ihren reichen Kupfer- und Bronzebeigaben. Zu den besonders aufregenden Funden gehören zweirädrige Streitwagen – die ältesten der Welt und eine echte Innovation!

3500 Kilometer von Frankfurt entfernt untersuchen die Archäologen der Goethe-Universität seit drei Jahren gemeinsam mit Forschern der Russischen Akademie der Wissenschaften Siedlungen an der topografischen Schnittstelle zwischen Ost und West in den Weiten der Eurasischen Steppe. Zu ihrem Team, das pro Jahr etwa zwei Monate in dieser archäologisch hoch interessanten Gegend verbringt, gehören auch Archäobotaniker, Bodenkundler und Vermessungsspezialisten. Nur mit speziellen geophysikalischen Methoden und Luftbildern lassen sich die Siedlungen ausfindig machen, Hinweise an der Oberfläche sind nur noch sehr vereinzelt zu finden. Diese 22 befestigten Siedlungen, die etwa von 2100 bis 1800 v. Chr. existiert haben, werden mit der Sintašta- oder Petrovka-Kultur, die noch keine Schrift kannte, in Verbindung gebracht. Sie befinden sich in einem Abstand von 25 bis 30 Kilometer auf einem ausgedehnten Areal (350 mal 250 Kilometer) zwischen den Flüssen Tobol und Ural.

Noch ist ungeklärt, ob die Siedlungen gleichzeitig bestanden und möglicherweise sogar eine wirtschaftspolitische Einheit bildeten. Traditionell zogen Menschen in jener Zeit als Nomaden mit ihren Herden durch die Landschaft; die Siedlungen könnten darauf hinweisen, dass Ackerbau und Getreideanbau zunehmend eine Rolle spielte. „Rückschlüsse auf einen hohen kulturellen Entwicklungsstand dieser vorgeschichtlichen Gesellschaft lassen auch die reichen Funde in den großen Kurganen, den Grabhügeln, zu“, so Privatdozent Dr. Jochen Fornasier, der gemeinsam mit Prof. Krause das deutsche Forschungsteam leitet. „Die Kupfer- und Bronzebeigaben bezeugen nicht nur hohe handwerkliche Fertigkeiten, die diese Menschen bereits vor 4000 Jahren beherrschten, sie weisen auch darauf hin, dass sie schon verschiedene Verfahren der Kupfermetallurgie und die erste Zinnbronze kannten.“ Die von den Menschen in dieser Region entwickelten neuen Verfahren, zu denen die Metallurgie mit komplexem Guss in zweischaligen Gussformen zählt, verbreiteten sich in der Zeit um 2000 v. Chr. vom Eurasischen Steppenraum in relativ kurzer Zeit in alle Richtungen: Durch die Weiten der Steppe gelangten die Neuerungen in der Pferdeschirrung nach Westen bis zur Unteren Donau, die leichten Streitwagen mit Speichenrädern bis nach Osten. So erreichte das Know-how der Kupfer- und Bronzemetallurgie im zweiten Jahrtausend v. Chr. Westchina, wo es aufgenommen und weiterentwickelt wurde.

Überrascht waren die Wissenschaftler von einem weiteren Befund in zahlreichen Gräbern herausgehobener Personen: zweirädrige Streitwagen – die ältesten der Welt. Neu waren zudem Formen der Pferdeschirrung, die eine verbesserte Führung der schnellen und wendigen Pferde in der Steppe zuließen: „Dies zeigt, in welchem Maße Innovation und prosperierendes Wachstum offenbar schon in der damaligen Zeit Hand in Hand gingen“, so Krause. Auch bei der Erforschung der Baumaterialien ist das deutsch-russische Forscherteam, dessen Arbeiten maßgeblich von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) gefördert werden, einen wesentlichen Schritt weitergekommen: Die Befestigungsmauern, die die Siedlungen umgaben, entstanden in einer Holz-Erde-Bauweise. Dazu Krause: „Auf einem Fundament aus Rasensoden und Füllmaterial aus lokalem Naturstein diente ein Holzgerüst als Sicherung des Lehmaufbaus, der beim Austrocknen beinahe zementartigen Charakter erlangte. Insgesamt konnten die Mauern auf diese Weise eine Höhe von fünf bis sechs Metern erreichen.“ Die einzelnen Wohneinheiten, deren Anzahl je nach Siedlungsform und Siedlungsgröße schwankt und 20 bis 25 betragen kann, die sich um eine freie Fläche – vermutlich ein Versammlungsplatz – gruppierten, bestanden aus Lehm. „Beiderseits des Eingangs können wir in einigen Fällen kleinere Ofenkonstruktionen nachweisen, die an dieser Stelle höchstwahrscheinlich als eine Art Wärmebarriere fungiert haben“, erläutert Fornasier. Darüber hinaus verfügten die Häuser über Brunnenschächte zur Wasserversorgung, abgedichtet waren sie mit einem äußerst geschickt konstruierten Flechtwerk.

Wenn im Juli die nächste Forschungsreise in den Trans-Ural startet, dann werden sich die Frankfurter Wissenschaftler weiterhin besonders der Frage zuwenden, wie die Infrastruktur oder die wirtschaftlichen Grundlagen der Siedlungen und ihre politische Organisation aussahen. Bis zum Ende der derzeitigen Förderphase durch die DFG im November 2013 hoffen sie, gemeinsam mit ihren russischen Freunden, mehr Details über das Verhältnis zwischen Mensch und Umwelt und die gesellschaftliche Entwicklung dieser bemerkenswerten Kulturlandschaft in Erfahrung bringen zu können.

Quelle:Ulrike Jaspers
Marketing und Kommunikation
Goethe-Universität Frankfurt am Main

Weitere Informationen finden Sie auf der Homepage der Goethe-Universität Frankfurt am Main.

Jena: Antike Schätze wieder sichtbar

Ehemaliges Archäologisches Museum der Universität Jena wiedereröffnet

Blick auf einige Büsten der wiedereröffneten Antikensammlungen der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Foto: Jan-Peter Kasper/FSU

Jena ist um eine Attraktion reicher. Seit heute (24. April) haben die Antikensammlungen der Friedrich-Schiller-Universität Jena am neuen Standort in der Carl-Pulfrich-Straße 2 ihre Pforten geöffnet. „Das ist für uns ein ganz besonderer Moment“, sagt Prof. Dr. Angelika Geyer, Lehrstuhlinhaberin für Klassische Archäologie. Seit 19 Jahren kämpfte sie gemeinsam mit den Jenaer Altertumswissenschaftlern dafür, die Sammlungen vereint an einem Ort der Öffentlichkeit präsentieren zu können.

Seit der Schließung des Archäologischen Museums der Universität Jena vor genau 50 Jahren war die Originalsammlung auf engstem Raum eingelagert und höchstens während Sonderausstellungen im Stadtmuseum zu sehen. Die Sammlung von Gipsabgüssen antiker Skulpturen befand sich im Magazin des Berliner Pergamonmuseums und kehrte sukzessive, zuletzt im vergangenen Jahr – soweit wie möglich – nach Jena zurück. Hochkarätige Dauerleihgaben und Schenkungen haben die Sammlungen in den letzten Monaten zusätzlich bereichert, so dass sie nun weit mehr als 2.000 Exponate umfassen. Davon können sich Besucher von jetzt an selbst überzeugen. Regelmäßig immer mittwochs und samstags von 14 bis 17 Uhr sind die Sammlungen zugänglich.

„Mit unseren antiken Schätzen können wir uns dank der neuen Ausstellungsfläche mit bedeutenden Sammlungen anderer deutscher Universitäten messen“, sagt Geyer. „Schließlich repräsentiert sie mit den originalen Großplastiken und Gipsabgüssen, den Keramiken, Bankettausrüstungen, Metall- und Glasgegenständen sowie Münzen das gesamte Spektrum antiken Kunstschaffens.“ Außerdem decken die Originale mit ihrer Herkunft fast den gesamten Mittelmeerraum und alle Epochen der Antike ab – von der Bronze- bis weit in die römische Kaiserzeit.

Doch bei aller Wertschätzung gehe es den Archäologen der Universität Jena nicht um Prestige. Vielmehr können sie jetzt endlich die antiken Stücke unkompliziert in die Lehre einbeziehen, da Seminare nun auch in der Carl-Pulfrich-Straße stattfinden können. Die Arbeit an den gegenständlichen Hinterlassenschaften sei schließlich elementar für die Archäologie, erklärt die Jenaer Antikenexpertin. Gleiches gelte für die Forschung: Nun seien endlich auch optimale Rahmenbedingungen für die Arbeit an den Originalen geschaffen, auf die auch auswärtige Wissenschaftler zurückgreifen können.

„Mit der Wiedereröffnung geben wir aber nicht nur der Universität, sondern der gesamten Stadt ein Stück ihrer Geschichte wieder“, sagt Dr. Dennis Graen, der Kustos der Antikensammlungen der Universität Jena. Der Jenaer Altphilologe Carl Wilhelm Goettling hatte das Archäologische Museum 1846 im ehemaligen Jenaer Stadtschloss eröffnet. Nach der Fertigstellung des Universitätshauptgebäudes 1908 fanden die Exponate in dessen Südostflügel ein neues Zuhause. „Nach den ersten Berichten über einen neuen Ausstellungsraum sprachen mich Interessierte aus der ganzen Stadt immer wieder auf das Thema an“, sagt Graen. „Die Begeisterung für die Antike ist in Jena sehr groß.“ Das zeigten die vielen Besucher während der Sonderausstellungen im Stadtmuseum oder etwa der Museumsnacht. Schulen hätten auch schon nachgefragt. „Somit können wir auch hier unseren Studentinnen und Studenten neue Impulse in ihrem Studium geben, die uns vorher nicht möglich waren“, sagt der Kustos. In den neuen Räumlichkeiten können die Studierenden zusätzlich Sonderausstellungen erarbeiten und während der Betreuung von Gästen museumspädagogische Erfahrungen sammeln.

„Wir würden uns freuen, wenn unsere zukünftigen Besucher in den Antikensammlungen der Universität Jena einen Einblick in die Lebenswelten der Menschen der Antike erhalten und sich gleichzeitig an der Schönheit antiker Kunst erfreuen können“, resümiert Angelika Geyer.

Quelle:

Sebastian Hollstein
Stabsstelle Kommunikation/Pressestelle
Friedrich-Schiller-Universität Jena

Weitere Informationen finden Sie auf der Seite der Friedrich-Schiller-Universität Jena.

Im Tschad gefundener Schädel eines Vormenschen erstmals rekonstruiert

Das Hessische Landesmuseum Darmstadt (HLMD) ist im Besitz einer neuen Hominidenbüste. Die wissenschaftliche Rekonstruktion des Sahelanthropus tchadensis entstand im Atelier »Wildlife Art« von Wolfgang Schnaubelt und Nina Kieser. Es ist die mittlerweile zehnte Vormenschenbüste des Landesmuseums. Sie wird bei der Wiedereröffnung des HLMD im Herbst 2013 in der Dauerausstellung zur Evolution des Menschen präsentiert. 

Sahelanthropus tchadensis © Atelier Wildlife Art für Hessisches Landesmuseum Darmstadt
Foto: Wolfgang Fuhrmannek, HLMD

Grundlage für die Rekonstruktion der Büste war ein deformierter Schädelfund aus dem Tschad. Im Jahr 2001 wurden dieser Schädel, Kiefer- und Zahnfragmente an der Fundstelle Toros-Menalla gefunden. Sahelanthropus hat ein Alter von 6.8 bis 7.2 Millionen Jahren. Der Schädel wurde von D. Ahounta vom »Centre National d’Appui à la Recherche« (CNAR) entdeckt und wird auch »Toumaï« genannt, was in der lokalen Gorane-Sprache ‚Hoffnung auf Leben’ bedeutet.

Voraussetzung für jede Hominidenrekonstruktion ist ein Schädelfund, der Rückschlüsse auf die Gesichtsmorphologie zulässt. Im Fall des Sahelanthropus lagen zusätzlich Abbildungen von computertomographischen Schädeldaten vor, mit denen im Jahr 2005 von einem Schweizer Team eine virtuelle Rekonstruktion durchgeführt wurde.

Die systematische Position von Sahelanthropus ist umstritten und einige Wissenschaftler bezweifeln, ob er aufrecht ging und ob es sich nicht eher um einen Verwandten des Gorillas, des Schimpansen oder des letzten gemeinsamen Vorfahren von Mensch und Schimpansen handelt.

Vormenschenfunde wie der 6 Millionen Jahre alte Orrorin tugenensis oder der 5.2 bis 5.8 Millionen Jahre alte Ardipithecus kadabba können daher so lange nicht als Büste gezeigt werden, bis ein halbwegs gut erhaltener Schädelfund gemacht wird.

Die neun übrigen Büsten im Hessischen Landesmuseum Darmstadt zeigen die Gattungen Australopithecus (anamensis, afarensis, africanus, boisei), Kenyanthropus (platyops) und Homo (rudolfensis, habilis, erectus, neandertalensis). Die neue Gattung Sahelanthropus stellt den ältesten Vertreter der prominenten Büstensammlung des Museums dar.

Link zur Homepage des Hessischen Landesmuseums Darmstadt

Quelle:

Yvonne Mielatz
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Hessisches Landesmuseum Darmstadt

Naturwissenschaft trifft auf Archäologie

Vom 28. bis 31. März findet die Jahrestagung „Archäometrie und Denkmalpflege 2012“ an der Universität Tübingen statt.

Vom 28. bis 31. März findet an der Universität Tübingen die gemeinsame Jahrestagung des „Arbeitskreises Archäometrie und Denkmalpflege“ der Deutschen Mineralogischen Gesellschaft, des „Arbeitskreises Archäometrie“ der Fachgruppe Analytische Chemie in der Gesellschaft Deutscher Chemiker und der Gesellschaft für Naturwissenschaftliche Archäologie – ARCHAEOMETRIE statt. Der Verbund hat das Ziel, naturwissenschaftliche Fachkompetenz im Bereich Kulturwissenschaften zu etablieren.

Auf den Jahrestagungen werden aktuelle Ergebnisse analytischer Untersuchungen zur Lösung kulturhistorischer Fragestellungen vorgestellt. Ob archäologische Objekte aus Keramik, Glas, Stein; organischen Materialien wie Zähnen oder Elfenbein; Münzen und Waffen; oder die Reste von Fertigungsstätten: neue Entwicklungen in der Analytik erweitern die Möglichkeiten substanzschonender Untersuchungen. Auch Kulturgüterschutz und Denkmalpflege profitieren, denn Natursteinbauwerke, Glasfenster, bemalte Skulpturen und Wandmalereien können nur gerettet werden, wenn ihre chemischen und mineralogischen Zusammensetzungen sowie zerstörende Mechanismen bekannt sind und bei konservatorischen Arbeiten berücksichtigt werden können.

Bei der diesjährigen Tagung spricht Juniorprofessor Dr. Johannes Krause vom Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters an der Universität Tübingen über „Das Genom des Schwarzen Tods: Genetische Untersuchung des mittelalterlichen Pesterregers“. Der Vortrag am Mittwoch, 28. März, (19:30 Uhr im Audimax, Neue Aula, Geschwister-Scholl-Platz) ist öffentlich.

Tagungsthemen sind unter anderem analytische Untersuchungen an glasierter Baukeramik in Zentralasien, die physikalisch-chemische Untersuchung von Wasserzeichen oder ein Echtheitstest für Bronze, der am Tübinger Institut für Ur- und Frühgeschichte und Archäologie des Mittelalters entwickelt wurde. „Mit dieser Methode konnte beispielsweise die Echtheit der „Himmelsscheibe von Nebra“ nachgewiesen werden“, sagt Professor Ernst Pernicka, der lokale Organisator der Tagung.

An der Universität Tübingen wird seit einigen Jahren die Naturwissenschaftliche Archäologie im Bereich Forschung und Lehre konsequent aufgebaut. Diesen Aktivitäten liegt eine Verbundforschung zugrunde, die mit multidiziplinären Methoden der Naturwissenschaften interdisziplinäre Fragestellungen aus dem Bereich der Archäologie beantwortet, und die unter dem Begriff Umweltarchäologie zusammengefasst werden kann. Um diesen Forschungsschwerpunkt zu stärken, wurden Stellen für Professoren und Wissenschaftler/innen in Tübingen geschaffen und 2007 das interfakultäre Zentrum für Naturwissenschaftliche Archäologie (ZNA) gegründet. Durch eine Langzeitkooperation mit dem Curt-Engelhorn-Zentrum Archäometrie in Mannheim und mit einem Langzeitprojekt der Heidelberger Akademie der Wissenschaften im Bereich menschliche Evolution erfolgten weitere Schritte, um einen bundesweiten Spitzenplatz auf dem Gebiet der Naturwissenschaftlichen Archäologie zu erlangen.

Seit Herbst 2008 bietet Tübingen erstmalig in Deutschland den Masterstudiengang Naturwissenschaftliche Archäologie an. Nachwuchswissenschaftler der fünf Säulen des Zentrums (Archäobotanik, Archäometrie, Archäozoologie, Geoarchäologie, Paläoanthropoloige) können hier alle Phasen der Ausbildung bis zur Promotion absolvieren. Das Promotionsstudium ist wiederum in die sich im Aufbau befindliche Tübinger Graduiertenakademie integriert und wird durch zwei Promotionsverbünde von der Universität unterstützt.

Quelle:
Michael Seifert
Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen