Von Rom verschmäht

Neuigkeiten aus der Antike: Irland war den alten Römern zu unattraktiv für eine Invasion – zu diesem Befund gelangt der Marburger Althistoriker Patrick Reinard aufgrund eingehender Quellenstudien. Das römische Imperium ließ die Insel demnach erkunden, sah aber nach gründlicher Kosten-Nutzen-Abwägung von einem militärischen Engagement ab. Reinard berichtet über seine Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Marburger Beiträge zur Antiken Handelsgeschichte“.

Das grüne Irland: Für Römer zu unattraktiv?
Das grüne Irland: Für Römer zu unattraktiv?

 

 

Römer in Irland? „In der Forschung war man bisher stets der Meinung, dass die Insel keineswegs im römischen Interessengebiet gelegen habe“, erklärt Reinard. „Eine römische Präsenz, vielleicht sogar eine militärische Invasion, wurde immer ausgeschlossen.“ Dabei fänden sich bei den Autoren Juvenal und Tacitus, die noch dazu zeitgleich lebten, Angaben zu römischen Militäraktionen in Irland und sogar zu einer detaillierten Planung einer Einnahme der Insel; „Juvenal war als Soldat höchstwahrscheinlich in der Provinz Britannia stationiert“. Außerdem sei mit Drumanagh, nördlich von Dublin an der Ostküste gelegen, eine als römisch anzusprechende Anlage archäologisch nachgewiesen, die als Anlaufstelle für den Handelsverkehr diente.

Reinard zog für seine Untersuchung sämtliche literarischen und archäologischen Quellen aus der Antike heran und verglich sie mit Befunden zu anderen Grenzregionen der römischen Welt. Der Geschichtswissenschaftler kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: „Die Römer waren definitiv auf der Insel!“

Römische Erkundungsfahrten hätten Irland mit Sicherheit sorgfältig erforscht. „Die Quellen zeigen, dass sich Rom an der ‚irischen Seegrenze‘ genauso wie an jeder anderen Grenze verhalten hat“, führt Reinard aus: „Land und Leute wurden genau untersucht, mögliche ökonomische, militärische und politische Potenziale ebenso beobachtet und bewertet wie die geographische und nautische Situation.“ Es müsse zudem intensive politische und wirtschaftliche Kontakte zwischen der britannischen Provinz und Irland gegeben haben.

Warum kam es dennoch nicht zu einer Invasion und einer dauerhaften Provinzialisierung Irlands? Reinard macht hierfür zwei Gründe geltend: Die ökonomische Leistung der Insel sowie die militärische Bedrohung durch sie waren letztlich zu gering. Dennoch blieb Irland keineswegs ein entlegener Teil der antiken Welt – von Mitte des 1. Jahrhunderts an gab es enge Handelsbeziehungen zur römischen Provinz Britannia.

„Tacitus nutzt das Thema der unterlassenen Irland-Invasion, um den verhassten Kaiser Domitian als unfähigen Herrscher abzuqualifizieren, der aus persönlichem Neid die günstige Gelegenheit der Einnahme einer bisher unbekannten Insel habe verstreichen lassen“, urteilt Reinard: Die Propaganda des Tacitus habe den klaren Blick auf die realen Beweggründe der römischen Außenpolitik verstellt.

Originalveröffentlichung: „arma ultra litora Iuvernae promovimus – Römer in Irland?“, in: Marburger Beiträge zur Antiken Handelsgeschichte 31 (2013), S. 1-36.

 

Weitere Infos zum Bericht von Patrick Reinard gibt es hier. 

 

Quelle:
Johannes Scholten
Philipps-Universität Marburg

Klassische Archäologie: deutsch-französischer Studiengang

Gemeinsam mit der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne bietet die Universität des Saarlandes den deutsch-französischen Bachelorstudiengang Klassische Archäologie an. Die Studenten und Studentinnen lernen die Kunst und Alltagskultur der griechischen und römischen Antike kennen, die Europa prägende Grundlagen gegeben haben. Außerdem erwerben sie dabei interkulturelle Kompetenzen und kommen mit einer fremden Wissenschaftskultur in Kontakt. Wer sich für das binationale Studium interessiert, kann sich noch bis zum 30. September an der Saar-Uni bewerben.

Der deutsch-französische Studiengang gibt Einblicke in Leben und Vorstellungswelten antiker Gesellschaften, vermittelt Methoden zur Auswertung ihrer Artefakte und beleuchtet vielfältige kulturhistorische Zusammenhänge. „Das Studium ist in dieser Form ein bundesweit einmaliges Angebot und fördert die Internationalität“, erklärt Carola Reinsberg, Professorin für Klassische Archäologie an der Saar-Uni und Koordinatorin des Studiengangs, der in Saarbrücken als Variante des Studiengangs Altertumswissenschaften angeboten wird.

Das erste und das dritte Studienjahr verbringen die Studentinnen und Studenten in Saarbrücken, das zweite Studienjahr in Paris. Die notwendigen Französischkenntnisse können sie in den ersten beiden Semestern in Sprachkursen an der Saar-Uni verbessern. Darüber hinaus stehen eine größere Exkursion und ein Praktikum auf dem Programm des Studiengangs. Die Absolventen erhalten den Abschluss „Bachelor of Arts“. Wer den Weg zu wissenschaftlicher Forschung einschlagen will, hat dann beste Voraussetzungen für den aufbauenden Masterstudiengang. Ansonsten können Absolventen des deutsch-französischen Studiengangs in den unterschiedlichsten Bereichen in Kultur und Wissensvermittlung dies- und jenseits der Grenze tätig werden – zum Beispiel in Museen, Verlagen, in der Erwachsenenbildung oder im Tourismus.

 

Weitere Infos zu dem deutsch-französischen Bachelorstudiengang gibt es hier.

 

Quelle:
Melanie Löw
Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

Unter Mexiko-Stadt

Nach dem Sieg über die Azteken im 16. Jahrhundert hatten die spanischen Kolonialherren das aztekische Tenochtitlán so konsequent zerstört, dass heute an der Oberfläche nichts mehr an diese Stadt erinnert. Nur im Untergrund von Mexiko-Stadt konnten Spuren Tenochtitláns die Zeit der spanischen Kolonialherrschaft überdauern…

Hier geht es zum lesenswerten Bericht „Under Mexico City“ im Magazin „Archaeology“!

Archäologie hautnah erleben

Von Freitag, den 29. August, bis einschließlich Sonntag, den 31. August 2014 findet für alle archäologisch Interessierten die 1. Archäologische Sommerakademie in Bamberg statt. Ziel der Sommerakademie ist es, die Arbeit von Archäologen mit den dazugehörigen Methoden einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. 

Archäologen des Lehrstuhls für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit der Universität Bamberg vermitteln in Vorträgen und praktischen Workshops Grundkenntnisse zu den in der Feldarchäologie angewandten Dokumentationsmethoden sowie zum Umgang mit archäologischem Fundmaterial. Themenschwerpunkte der diesjährigen Sommerakademie bilden die Datierung und Beschreibung von keramischen Funden des Mittelalters und der Neuzeit sowie die Bestimmung und Interpretation von Überresten menschlicher Bestattungen.

Unterstützt werden die Archäologen dabei von Referenten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege und der Kommunalarchäologie. Diese erläutern insbesondere Aspekte zum Denkmalschutz und zeigen Möglichkeiten auf, wie sich jeder ehrenamtlich in der bayerischen Bodendenkmalpflege einbringen kann.

Alle archäologisch Interessierten, denkmalpflegerisch tätigen Ehrenamtlichen und wissbegierigen Schülerinnen und Schülern ab 12 Jahren sind herzlich zur Archäologischen Sommerakademie eingeladen!

Die Teilnahmegebühr beträgt für Berufstätige 15 Euro/Tag (Sonderpreis 3 Tage: 35 Euro), für Schüler, Studierende und Arbeitslose 5 Euro/Tag (Sonderpreis 3 Tage: 10 Euro). Anmeldeschluss ist der 31. Juli 2014.

 

Weitere Infos gibt es hier. 

 

Quelle:

Freyja Ebner
Dezernat Kommunikation
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

 

 

The Sanctuary Project

Das Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt startet ein neues Forschungsprojekt. „The Sanctuary Project“ soll untersuchen, wie Heiligtümer (sanctuaries) menschliche Erfahrungen und religiöses Wissen in der Antike beeinflussten. Das Projekt wird im Rahmen des Anneliese-Maier-Forschungspreises der Alexander von Humboldt-Stiftung finanziert und von dem Anneliese-Maier-Preisträger Prof. Dr. Gregory Woolf in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Jörg Rüpke als Gastgeber an der Universität Erfurt geleitet.

Heiligtümer sind allgemeine – vielleicht universelle – Produkte menschlicher Gesellschaften. Zuerst nachgewiesen im Zeitalter des Jungpaläolithikums traten die ersten Heiligtümer ungefähr zur gleichen Zeit in Erscheinung wie die ersten Belege für Riten, Kunst und Musik. Da man in Heiligtümern eine Fülle gegenständlicher Objekte einerseits gefunden hat und sie zugleich Orte symbolischen Aufwands sind, zählen sie zu wichtigen Bestandteilen archäologischer Untersuchungen. Als frühe Nachweise für kognitive Aktivitäten des anatomisch modernen Menschen sind sie immer wieder zentral für Debatten um eine „Archäologie des Geistes“.

Bisherige Studien zu Heiligtümern untersuchten diese unter anderem als rituelle Orte, als Bühne für die Festkultur, als Kontaktstätte zum Göttlichen oder auch als Einflussfaktoren bei der Bildung von Staaten. Das „Sanctuary Project“ baut auf diesen bisherigen Studien auf, fokussiert sich jedoch auf den religiösen Akt und erforscht, welche Rolle Heiligtümer bei der Bildung religiöser Erfahrungen von Personen, die antike Kultstätten besuchten, spielten. Dafür sollen Experten miteinander ins Gespräch kommen, die aus ganz unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven wie der Archäologie, Sozialanthropologie, der Alten Geschichte, Kunstgeschichte sowie der Jüdischen und Frühchristlichen Studien auf diese Frage blicken. Das „Sanctuary Project“ möchte zudem Nachwuchsforscher ermutigen, sich an dem interdisziplinären Austausch zu beteiligen und sich so auch mit anderen Fachgebieten vertraut zu machen. Entsprechende Dissertationsstipendien werden dafür an der Universität Erfurt ausgeschrieben.

Weitere Infos gibt es hier. 

 

Quelle:
Carmen Voigt
Pressestelle
Universität Erfurt

DAI unterstützt Capacity Building in Libyen

Gemeinsam mit der Universität Durham hat die Abteilung Rom des DAI einen zweiwöchigen Intensivkurs für libysche Archäologen zu GIS und Geodatenbanken in Sfax (Tunesien) durchgeführt.

Der Kurs für sechs Mitarbeiter des libyschen Antikendienstes fand vom 12. bis 23. Mai 2014 an der Universität Sfax in Tunesien statt. An dem Kurs nahmen Angestellte des Zentrums für Digitalisierung in Tripolis teil, die mit der archäologischen Landesaufnahme und der Erstellung digitaler archäologischer Karten beauftragt sind. Der Leiter des Zentrums, Dr. Moftah Haddad, war während des Kurses ebenfalls anwesend und vermittelte die Inhalte zusammen mit dem Kursleiter Marco Nebbia von der Universität Durham. Gelehrt wurden Grundkenntnisse in der Arbeit mit Geo-Informations-Systemen, in der Verarbeitung anhand von Satellitenbildern und im Feld aufgenommen Daten, sowie in der Erstellung, Pflege und Nutzung von Geodatenbanken für die wissenschaftliche und denkmalpflegerische Arbeit.
Der Kurs in Sfax ist Teil des Engagements des DAI für capacity building in den Gastländern und soll in Zukunft auch in dieser inhaltlichen Ausrichtung weitergeführt werden.

Durch die Ausbildung der libyschen Kollegen leisten das DAI und die Universität Durham einen bedeutenden Beitrag zu Erfassung und Schutz von antiken Denkmälern in Libyen. Im Rahmen des Projekts liegt der Schwerpunkt besonders auf der Siedlungsentwicklung im frühen Mittelalter unmittelbar nach der arabisch-islamischen Eroberung Nordafrikas, einer Epoche, die bisher wissenschaftlich vernachlässigt wurde, gerade heute jedoch im Zentrum auch des gesellschaftlichen Interesses in Nordafrika liegt. Die Denkmäler dieser Epoche stellen einen bedeutenden Teil des kulturellen Erbes der Maghrebländer dar. Das Ziel des Projekts ist ihre wissenschaftliche Erforschung, es will aber gleichzeitig auch einen Beitrag zum Kulturerhalt und zur Ausbildung in den Partnerländern in Nordafrika leisten.

 

Weitere Infos gibt es hier.

 

Quelle:

Nicole Kehrer
Pressestelle
Deutsches Archäologisches Institut

Jahrbuch des RGZM ab 2014 online

Mainz. Ab jetzt erscheint das Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) auch online: Die wichtige archäologische Fachzeitschrift wird ab 2014 neben der Druckversion digital über die Universitätsbibliothek Heidelberg erscheinen. Bislang sind die beiden aktuellsten Jahrgänge 58 (2011) und 57 (2010) abrufbar. Vorangegangene Ausgaben sollen kontinuierlich retrodigitalisiert werden.

Das Jahrbuch des RGZM ist eine jährlich erscheinende archäologische Fachzeitschrift des RGZM. 1953 gegründet, wird das Jahrbuch mit einer Druckauflage von etwa 900 Exemplaren im hauseigenen Verlag produziert. Ein Jahrgang umfasst in der Regel zwei Bände sowie den Jahresbericht über die Tätigkeit des RGZM. Aufgenommen werden umfangreichere, grundlegende archäologische Beiträge zu den Forschungsschwerpunkten des Institutes.

Alle Zeitschriftenbeiträge erhalten einen digitalen Objektbezeichner (Digital Object Identifier, doi), der das Zitieren und Verlinken der Artikel vereinfacht. Das Hosting für das Jahrbuch online übernimmt die Universität Heidelberg, die Kooperationspartner in diesem Projekt ist und die Langzeitarchivierung der Beiträge garantiert.

Das Jahrbuch wird auch weiterhin als Printausgabe erscheinen. Eine Qualitätssicherung durch ein Peer-Review-Verfahren wird angestrebt.

Weitere Infos gibt es hier.

Quelle:

Christina Nitzsche
Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit
Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) – Forschungsinstitut für Archäologie

Karl der Große: das Kanalprojekt

Zum 1200. Todestag Karls des Großen zeigt das Römisch-Germanische Zentralmuseum eine Sonderausstellung im Museum für Antike Schiffahrt: Mittelpunkt ist ein 793 n. Chr. auf die Initiative Karls des Großen entstandener schiffbarer Kanal, der Rhein und Donau verband. Das Interessante: Die Besucher erhalten Einblicke in die Fragen und Methoden, mit denen die archäologische Forschung solch ein Bauwerk „zum Sprechen“ bringt und in der Folge auch unser Verständnis für die karolingische Zeit erweitert. Die rund 300 Quadratmeter große Ausstellung basiert auf aktuellen Forschungen des DFG-Schwerpunktprogramms „Häfen von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter“, an dem das RGZM maßgeblich beteiligt ist.

Bereits mehr als 1000 Jahre vor der Erbauung des Ludwig-Donau-Main-Kanals Mitte des 19. Jahrhunderts ließ Karl der Große einen Kanal errichten, um die Flusssysteme von Rhein und Donau miteinander zu verbinden. Damit sollte die europäische Hauptwasserscheide überwunden und die Schiffahrt zwischen Nordsee und Schwarzem Meer entscheidend erleichtert werden. Dieses ambitionierte Vorhaben hat in der Landschaft Spuren hinterlassen, die noch heute von einem der bedeutendsten wasserbaulichen Großprojekte des Frühen Mittelalters Zeugnis abgeben. Ein aktuelles Forschungsprojekt untersucht den sogenannten „Karlsgraben“ als Bindeglied der Hafen-Netzwerke an Rhein und Donau. Dabei wird nicht nur das Bauwerk selbst untersucht, sondern auch der Frage nachgegangen, wie sich das Bauvorhaben auf die umgebende Siedlungslandschaft auswirkte.

Die Ausstellung führt die Besucherinnen und Besucher in den laufenden Forschungsprozess; sie beschäftigt sich mit Fragen nach planerischen und technischen Voraussetzungen des Kanalbaus, aber auch nach der Art und Weise seiner Nutzung, nach wirtschaftlichen und machtpolitischen Aspekten. Und nicht zuletzt zeigt sie, mit welchen Methoden die Wissenschaft diese Fragen beantworten will.
Der „Karlsgraben“ oder „Fossa Carolina“ genannte Kanal, der sich in der Nähe von Treuchtlingen in Mittelfranken befindet, wird derzeit von Forscherteams der Universität Jena, der Universität Leipzig und des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms untersucht.

Hinweise zur Teilnahme:
Der Eintritt in die Sonderausstellung ist frei!

Weitere Infos gibt es hier.

Quelle:
Christina Nitzsche
Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit
Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) – Forschungsinstitut für Archäologie

Die Entstehung der Welt – Ägyptens letzter Schöpfungsmythos

am 13. September 2014 startet im Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim die große Sonderausstellung „Die Entstehung der Welt. Ägyptens letzter Schöpfungsmythos“. Erstmals in Europa werden Originale des geheimnisvollen „Buches vom Fayum“ zu sehen sein, einem prächtig illustrierten Papyrus aus dem griechisch-römischen Ägypten, die sonst in den Magazinen des Walters Art Museum, Baltimore, und der Morgan Library and Museum, New York, verschlossen sind. 

 

Buch vom Fayum (Ausschnitt) Das Krokodil stellt den Ur- und Schöpfergott dar. © Walters Art Museum, Baltimore
Buch vom Fayum (Ausschnitt)
Das Krokodil stellt den Ur- und Schöpfergott dar.
© Walters Art Museum, Baltimore

Was war vor der Schöpfung? Wie entstanden Zeit und Raum und wer ist ihr Schöpfer? Diese und andere Fragen zur Entstehung und dem Fortbestand der Welt stellt der letzte große Schöpfungsmythos der Alten Ägypter: das berühmte „Buch vom Fayum“. Seit mehreren Jahrzehnten widmet sich ein internationales Expertenteam der Entschlüsselung dieses Papyrus, der Mitte des 19. Jahrhunderts in der ägyptischen Oase Fayum entdeckt wurde. Die beiden Hauptteile befinden sich heute im Walters Art Museum in Baltimore und in der Pierpont Morgan Library & Museum in New York, zwei weitere Teile im Ägyptischen Museum in Kairo.

Einlage eines Krokodilkopfes Glas © Walters Art Museum, Baltimore
Einlage eines Krokodilkopfes
Glas
© Walters Art Museum, Baltimore

Das Roemer- und Pelizaeus-Museum präsentiert vom 13. September bis 11. Januar 2015 diesen erstaunlichen Papyrus – ergänzt durch eine Reihe internationaler Leihgaben, die die ungewöhnlichen Bilder dreidimensional umsetzen. In dieser Ausstellung können die Besucher auf eine Reise durch das altägyptische Universum gehen. Sie können den Göttern begegnen und gemeinsam mit dem krokodilsgestaltigen Sonnengott in den See der Oase Fayum eintauchen, um die Erneuerung des Gottes und damit der Schöpfung zu erleben.

Statue der Göttin Theoris Fayence © Roemer- und Pelizaeus Museum, Hildesheim, Foto: Sh. Shalchi
Statue der Göttin Theoris
Fayence
© Roemer- und Pelizaeus Museum, Hildesheim, Foto: Sh. Shalchi

Weitere Infos gibt es hier.

Kontakt:

Roemer- und Pelizaeus-Museum Hildesheim GmbH
Am Steine 1-2, 31134 Hildesheim

www.rpmuseum.de

Umstrittenes „Frau Jesu“-Papyrus ist Fälschung – Forscher entlarvt angeblich antikes Schriftstück

Das „Frau Jesu“-Papyrus trieb die Medien- und Wissenschaftswelt lange Zeit um und sorgte für etliche Schlagzeilen über Jesus, Maria Magdalena und die Frauenwelt im frühen Christentum. Können auch Frauen Jünger von Jesus gewesen sein? Und hatte eine oder seine Frau womöglich doch beim letzten Abendmahl unter den Jüngern gesessen? Das ist zwar weiter unklar, klar ist aber: Das antike Papyrusstück ist eine „unglaubliche Fälschung“, wie ein Gastforscher an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster herausfand. Der Experte für neutestamentlichen Textforschung mit einem Schwerpunkt auf koptischen Bibel-Überlieferungen wies die Fälschung nun nach.

Seit September 2012 sorgte das „Frau Jesu“-Papyrus für Zündstoff in der Kirche und in der Wissenschaft: Muss die Geschichte zur Rolle der Frauen im frühen Christentum neu- beziehungsweise umgeschrieben werden? Im Juli 2010 war nämlich ein koptisch-ägyptisches Papyrus-Fragment, groß wie eine EC-Karte, aufgetaucht. Seine Entdeckerin, Kirchenhistorikerin Karen King von der Harvard-Universität, behauptete, auf die Frauen im Urchristentum falle ein neues Licht, auch sie könnten nämlich Jünger Jesus gewesen sein.

In der vermeintlichen Quelle wird Jesus zitiert, er spricht von „Maria“, später von „meiner Frau“ und sagt, „sie wird meine Schülerin sein können.“ Ein Unding für die bisherige männlich dominierte Geschichte des Christentums. Die Entdeckung löste einen Sturm an Berichterstattungen zur Frage „Hatte Jesus nun eine Frau oder nicht?“ aus. Hatte eine oder seine Frau womöglich doch beim letzten Abendmahl unter den Jüngern gesessen?

Aber nun ist klar: Nicht auf die Frauen, aber auf die Quelle, also das antike Papyrusstück, muss ein neues Licht geworfen werden. Es ist nämlich nicht nur nicht echt, sondern sogar eine „unglaubliche Fälschung“, wie der Gastforscher der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), Dr. Christian Askeland, sagt.

Der 37-jährige Wissenschaftler widmet sich der neutestamentlichen Textforschung mit einem Schwerpunkt auf koptischen Bibel-Überlieferungen. Er machte sich im Rahmen des Forschungsaufenthaltes an der WWU die Mühe, in die Tiefen des umstrittenen Papyrus‘ einzutauchen, um das Rätsel zu lösen. Zu Hilfe kam ihm ein zweites angeblich antikes Papyrus-Fragment aus den ins Internet gestellten Forschungsmaterialien der Entdeckerin Karen King, das von derselben Quelle stammt, in ähnlicher Weise aufgebaut ist und von dessen Existenz man schon länger wusste, ohne aber Bilder oder eine genaue Beschreibung von ihm zur Verfügung zu haben.

Dieser Zufallsfund förderte Erstaunliches zutage: „Beide Papyri sahen so gleich aus“, sagt Christian Askeland. Auch die Tinte sei anscheinend identisch gewesen, ebenso das benutzte Schreibgerät. Das zweite Fragment ist aus einer koptischen Übersetzung des Johannesevangeliums und sei ganz offensichtlich eine Fälschung – buchstaben- und zeilentreu aus einem echten Papyrus des vierten Jahrhunderts kopiert. Hinzu kam, wie der Gastforscher feststellte, dass der im Dokument verwendete Dialekt für das 7. bis 9. Jahrhundert nach Christus, auf das Karen King das Papyrus datiert hatte, gar nicht möglich sei. Dieser besondere Dialekt sei nämlich bereits im frühen 6. Jahrhundert verschwunden. Wenn das neue Johannesevangelium-Fragment eine Fälschung sei, so die Schlussfolgerung von Christian Askeland, sei notwendigerweise das „Frau Jesu“-Fragment auch eine Fälschung.

Prof. Dr. Stephen Emmel vom Institut für Ägyptologie und Koptologie der WWU, der den Nachwuchsforscher betreute, war von der Arbeit seines Zöglings fasziniert. Erstaunt habe ihn, der schon 2012 Zweifel angemeldet hatte, die Entdeckung der Fälschung allerdings nicht, sei sie doch so offensichtlich gewesen: „Bislang hatte einfach der absolut sichere Beweis gefehlt“, meint Stephen Emmel. Über Christian Askeland sagt er: „Er hat über die koptische Übersetzung des Johannesevangeliums promoviert. Somit war er genau der Richtige, der das entdecken konnte“, sagt der Koptologe. Die Fälschung hält er für recht jung. „Sie dürfte in den vergangenen zehn Jahren entstanden sein“, mutmaßt der Experte.

Weitere Infos gibt es hier.

Quelle:
Juliane Albrecht
Presse- und Informationsstelle
Westfälische Wilhelms-Universität Münster