Raubgrabung, Zerstörung, Kulturerhalt

Deutsches Archäologisches Institut startet Veranstaltungsreihe im Rahmen des Review-Prozesses „Außenpolitik Weiter Denken“.
Am 15. Oktober 2014 um 18 Uhr diskutieren international Experten im Auswärtigen Amt zum Thema „Meaningful Heritage – New Challenges for Cultural Policy“ über den Kulturerhalt als Bestandteil der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik, die aktuellen internationalen Herausforderungen und Handlungs- und Lösungsoptionen.

Das Deutsche Archäologische Institut (DAI) beteiligt sich aktiv am Review-Prozess des Auswärtigen Amts „Außenpolitik Weiter Denken“, der im Dezember 2013 von Außenminister Frank-Walter Steinmeier initiiert wurde. Als „dritter Säule“ deutscher Außenpolitik kommt der Auswärtigen Kultur- und Bildungspolitik hierbei eine besondere Bedeutung zu. Durch die aktuelle politische Lage etwa im Nahen Osten gewinnt dieser Prozess gerade im Bereich des Kulturerhalts und des Kulturguterschützes neue Brisanz.

Das DAI vertritt seit 185 Jahren das Ideal, dass materielles und immaterielles Kulturerbe zu schützende, zu erhaltende und zu erklärende Grundlagen kultureller Identität und Verständigung sind. Erhalt, Schutz und Vermittlung des Kulturerbes sind Grundlagen stabiler sozialer und ökonomischer Gemeinschaften. Die Fragen, wie die Denkmäler vor Zerstörung und Raub zu bewahren sind, bewegen nicht nur eine kleine Wissenschaftsdisziplin, sondern uns alle.

Weitere Infos zur Veranstaltungsreihe des Deutschen Archäologischen Instituts gibt es hier.
 

Quelle:
Nicole Kehrer
Pressestelle
Deutsches Archäologisches Institut

 

Digitales Forum Romanum

Der Tahrir-Platz in Kairo, der Maidan in Kiew – eindrucksvoll führen diese zwei aktuellen Beispiele vor Augen, wie öffentlichen Plätzen als Bühnen der politischen Kommunikation und des öffentlichen Handelns in den modernen Städten der Neuzeit wieder Leben eingehaucht wird. Diese Erfahrung mag überraschen, galten die urbanen Plätze lange als Relikte vergangener Zeiten, denen lediglich noch eifrige Verkehrsplaner und Touristen Beachtung schenkten. Dieses wiederbelebte Interesse an den öffentlichen Plätzen spiegelt sich auch in der historischen Stadtforschung wider, wie das Forschungs- und Lehrprojekt digitales forum romanum am Winckelmann-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin zeigt.

In Kooperation mit dem Exzellenzcluster Topoi und dem Architekturreferat des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) Berlin arbeiten Wissenschaftler und Studierende der Klassischen Archäologie seit 2011 an der Erstellung eines neuen digitalen 3D Modells des antiken Forum Romanum. Hier an diesem öffentlichen Platz Roms wurde Geschichte geschrieben und Politik gemacht, hier wurden die Geschicke der Stadt und des Römischen Reiches gelenkt, hier konzentrierte sich das öffentlich-politische Leben der größten Metropole der Antike über 1000 Jahre, ehe das Forum Romanum seit Ende des 19. Jahrhunderts zur berühmteste Ausgrabungsstätte im Herzen der Ewigen Stadt wurde.

„Unsere digitale Rekonstruktion des Forum Romanum ist zwar nicht die erste, aber wir verfolgen mit unserem Modell einen anderen, auch wissenschaftlich-kritischen Anspruch“, erläutert Prof. Dr. Susanne Muth vom Institut für Archäologie der Humboldt-Universität zu Berlin, die das Projekt leitet. “Wo andere digitale Rekonstruktionen ein verlorenes Erscheinungsbild des Forums primär ‚visualisieren‘, setzen wir stärker darauf, mit Hilfe unserer Rekonstruktionen das Forum besser ‚verstehbar‘ werden zu lassen.“ Entstanden ist die Idee zu diesem Forschungsprojekt im Rahmen einer interdisziplinären Forschergruppe im Exzellenzclusters TOPOI, die die Konstruktion und Wahrnehmung antiker Stadträume erforscht. Seine Realisierung gelang, indem das Projekt aus dem Forschungsverbund zwischen Humboldt-Universität und Freier Universität mit außeruniversitären Einrichtungen in die Lehre eingebunden wurde: Unter Anleitung durch Susanne Muth und den Topoi-Mitarbeiter Armin Müller (DAI Berlin) erarbeiteten Studierende der Humboldt-Universität sukzessive digitale Rekonstruktionen der Forumsbauten. Seit 2013 wurden diese dann in ein zusammenhängendes Modell des gesamten Forumsplatzes integriert.

Das neue Modell des digitalen forum romanum vereint erstmals Rekonstruktionen des Forums durch die verschiedenen Epochen und macht dadurch Entwicklungen sichtbar, die möglicherweise auch für aktuelle Diskurse zur Stadtnutzung fruchtbar sein können. „Hier erschließen wir mit unserem Modell ein spannendes und auch aufregendes Neuland. Dass die dynamischen Veränderungen des Platzes teils so einschneidend waren, war in diesem Umfang bisher nicht absehbar“, erklärt Erika Holter, Koordinatorin des Projektes.

Zwanzig Studierende haben mit viel Engagement und wissenschaftlicher Sorgfalt von Anfang an mitgearbeitet. „Die Einbindung der Studierenden in die aktuelle Forschungsarbeit hat sich als ein Glücksfall erwiesen: Für die Studierenden, indem sie unmittelbar Anteil an wissenschaftlicher Exzellenzforschung nehmen konnten, als auch für das Projekt, indem so viele Personen engagiert ihre Kompetenz einbringen konnten“, betont Susanne Muth.

Erste Ergebnisse des Projekts werden nun auf einer frei zugänglichen Website vorgestellt.

Quelle:
Hans-Christoph Keller
Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Humboldt-Universität zu Berlin

Neues Service-Angebot vom Berliner Antike-Kolleg

Das Berliner Antike-Kolleg stellt auf seinen Internetseiten ein neues umfangreiches Informations- und Rechercheangebot bereit, das die altertumswissenschaftlichen Ressourcen in der Region Berlin-Brandenburg bündelt und öffentlich zugänglich macht. Das Angebot ist Teil des Projekts „Altertumswissenschaften in Berlin/Brandenburg“ und wird vom Berliner Antike-Kolleg und dem Exzellenzcluster Topoi in Zusammenarbeit mit dem Deutschen Archäologischen Institut, der Staatsbibliothek zu Berlin und dem altertumswissenschaftlichen Fachliteraturportal „Propylaeum“ erstellt. Es richtet sich an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Studierende und die interessierte Öffentlichkeit.

Das Angebot umfasst drei Bereiche:

– Ein virtueller Verbundkatalog vereint die wichtigsten Fachbibliotheken in der Region und ermöglicht eine Literatursuche.

– Ein Veranstaltungskalender listet Vorträge, Konferenzen und weitere Ereignisse in der Region, die im Zusammenhang mit altertumswissenschaftlicher Forschungs stehen.

– Mithilfe des Infrastrukturführers können die Standorte von Fachbibliotheken, Instituten und Museen in Berlin und Brandenburg recherchiert werden.

Das Berliner Antike-Kolleg ist 2011 aus dem Exzellenzcluster Topoi hervorgegangen und wird wie dieses von allen Institutionen getragen, die sich in Berlin mit der Alten Welt beschäftigen: Beteiligt sind die Freie Universität und die Humboldt-Universität zu Berlin, die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, das Deutsche Archäologische Institut, das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Das Zentrum umspannt unter anderem die Disziplinen Archäologie, Geschichtswissenschaft, Philologie und Philosophie; integriert sind auch Geo- und andere Naturwissenschaften.

Zum Kolleg gehört auch eine Graduiertenschule zur Doktorandenausbildung. Ein weiterer Bereich ist das Research Center of Ancient Studies, mit dem der internationale wissenschaftliche Austausch in Berlin gefördert werden soll. Die Geschäftsstelle des Berliner Antike Kollegs befindet sich im Archäologischen Zentrum der Staatlichen Museen zu Berlin.

 

Weitere Infos zu dem neuen Service-Angebot des Berliner Antike-Kollegs gibt es hier.

 

Quelle:
Dr. Nina Diezemann
Stabsstelle für Presse und Kommunikation
Freie Universität Berlin

Von Rom verschmäht

Neuigkeiten aus der Antike: Irland war den alten Römern zu unattraktiv für eine Invasion – zu diesem Befund gelangt der Marburger Althistoriker Patrick Reinard aufgrund eingehender Quellenstudien. Das römische Imperium ließ die Insel demnach erkunden, sah aber nach gründlicher Kosten-Nutzen-Abwägung von einem militärischen Engagement ab. Reinard berichtet über seine Ergebnisse in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „Marburger Beiträge zur Antiken Handelsgeschichte“.

Das grüne Irland: Für Römer zu unattraktiv?
Das grüne Irland: Für Römer zu unattraktiv?

 

 

Römer in Irland? „In der Forschung war man bisher stets der Meinung, dass die Insel keineswegs im römischen Interessengebiet gelegen habe“, erklärt Reinard. „Eine römische Präsenz, vielleicht sogar eine militärische Invasion, wurde immer ausgeschlossen.“ Dabei fänden sich bei den Autoren Juvenal und Tacitus, die noch dazu zeitgleich lebten, Angaben zu römischen Militäraktionen in Irland und sogar zu einer detaillierten Planung einer Einnahme der Insel; „Juvenal war als Soldat höchstwahrscheinlich in der Provinz Britannia stationiert“. Außerdem sei mit Drumanagh, nördlich von Dublin an der Ostküste gelegen, eine als römisch anzusprechende Anlage archäologisch nachgewiesen, die als Anlaufstelle für den Handelsverkehr diente.

Reinard zog für seine Untersuchung sämtliche literarischen und archäologischen Quellen aus der Antike heran und verglich sie mit Befunden zu anderen Grenzregionen der römischen Welt. Der Geschichtswissenschaftler kommt zu einem eindeutigen Ergebnis: „Die Römer waren definitiv auf der Insel!“

Römische Erkundungsfahrten hätten Irland mit Sicherheit sorgfältig erforscht. „Die Quellen zeigen, dass sich Rom an der ‚irischen Seegrenze‘ genauso wie an jeder anderen Grenze verhalten hat“, führt Reinard aus: „Land und Leute wurden genau untersucht, mögliche ökonomische, militärische und politische Potenziale ebenso beobachtet und bewertet wie die geographische und nautische Situation.“ Es müsse zudem intensive politische und wirtschaftliche Kontakte zwischen der britannischen Provinz und Irland gegeben haben.

Warum kam es dennoch nicht zu einer Invasion und einer dauerhaften Provinzialisierung Irlands? Reinard macht hierfür zwei Gründe geltend: Die ökonomische Leistung der Insel sowie die militärische Bedrohung durch sie waren letztlich zu gering. Dennoch blieb Irland keineswegs ein entlegener Teil der antiken Welt – von Mitte des 1. Jahrhunderts an gab es enge Handelsbeziehungen zur römischen Provinz Britannia.

„Tacitus nutzt das Thema der unterlassenen Irland-Invasion, um den verhassten Kaiser Domitian als unfähigen Herrscher abzuqualifizieren, der aus persönlichem Neid die günstige Gelegenheit der Einnahme einer bisher unbekannten Insel habe verstreichen lassen“, urteilt Reinard: Die Propaganda des Tacitus habe den klaren Blick auf die realen Beweggründe der römischen Außenpolitik verstellt.

Originalveröffentlichung: „arma ultra litora Iuvernae promovimus – Römer in Irland?“, in: Marburger Beiträge zur Antiken Handelsgeschichte 31 (2013), S. 1-36.

 

Weitere Infos zum Bericht von Patrick Reinard gibt es hier. 

 

Quelle:
Johannes Scholten
Philipps-Universität Marburg

Klassische Archäologie: deutsch-französischer Studiengang

Gemeinsam mit der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne bietet die Universität des Saarlandes den deutsch-französischen Bachelorstudiengang Klassische Archäologie an. Die Studenten und Studentinnen lernen die Kunst und Alltagskultur der griechischen und römischen Antike kennen, die Europa prägende Grundlagen gegeben haben. Außerdem erwerben sie dabei interkulturelle Kompetenzen und kommen mit einer fremden Wissenschaftskultur in Kontakt. Wer sich für das binationale Studium interessiert, kann sich noch bis zum 30. September an der Saar-Uni bewerben.

Der deutsch-französische Studiengang gibt Einblicke in Leben und Vorstellungswelten antiker Gesellschaften, vermittelt Methoden zur Auswertung ihrer Artefakte und beleuchtet vielfältige kulturhistorische Zusammenhänge. „Das Studium ist in dieser Form ein bundesweit einmaliges Angebot und fördert die Internationalität“, erklärt Carola Reinsberg, Professorin für Klassische Archäologie an der Saar-Uni und Koordinatorin des Studiengangs, der in Saarbrücken als Variante des Studiengangs Altertumswissenschaften angeboten wird.

Das erste und das dritte Studienjahr verbringen die Studentinnen und Studenten in Saarbrücken, das zweite Studienjahr in Paris. Die notwendigen Französischkenntnisse können sie in den ersten beiden Semestern in Sprachkursen an der Saar-Uni verbessern. Darüber hinaus stehen eine größere Exkursion und ein Praktikum auf dem Programm des Studiengangs. Die Absolventen erhalten den Abschluss „Bachelor of Arts“. Wer den Weg zu wissenschaftlicher Forschung einschlagen will, hat dann beste Voraussetzungen für den aufbauenden Masterstudiengang. Ansonsten können Absolventen des deutsch-französischen Studiengangs in den unterschiedlichsten Bereichen in Kultur und Wissensvermittlung dies- und jenseits der Grenze tätig werden – zum Beispiel in Museen, Verlagen, in der Erwachsenenbildung oder im Tourismus.

 

Weitere Infos zu dem deutsch-französischen Bachelorstudiengang gibt es hier.

 

Quelle:
Melanie Löw
Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

Archäologie hautnah erleben

Von Freitag, den 29. August, bis einschließlich Sonntag, den 31. August 2014 findet für alle archäologisch Interessierten die 1. Archäologische Sommerakademie in Bamberg statt. Ziel der Sommerakademie ist es, die Arbeit von Archäologen mit den dazugehörigen Methoden einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. 

Archäologen des Lehrstuhls für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit der Universität Bamberg vermitteln in Vorträgen und praktischen Workshops Grundkenntnisse zu den in der Feldarchäologie angewandten Dokumentationsmethoden sowie zum Umgang mit archäologischem Fundmaterial. Themenschwerpunkte der diesjährigen Sommerakademie bilden die Datierung und Beschreibung von keramischen Funden des Mittelalters und der Neuzeit sowie die Bestimmung und Interpretation von Überresten menschlicher Bestattungen.

Unterstützt werden die Archäologen dabei von Referenten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege und der Kommunalarchäologie. Diese erläutern insbesondere Aspekte zum Denkmalschutz und zeigen Möglichkeiten auf, wie sich jeder ehrenamtlich in der bayerischen Bodendenkmalpflege einbringen kann.

Alle archäologisch Interessierten, denkmalpflegerisch tätigen Ehrenamtlichen und wissbegierigen Schülerinnen und Schülern ab 12 Jahren sind herzlich zur Archäologischen Sommerakademie eingeladen!

Die Teilnahmegebühr beträgt für Berufstätige 15 Euro/Tag (Sonderpreis 3 Tage: 35 Euro), für Schüler, Studierende und Arbeitslose 5 Euro/Tag (Sonderpreis 3 Tage: 10 Euro). Anmeldeschluss ist der 31. Juli 2014.

 

Weitere Infos gibt es hier. 

 

Quelle:

Freyja Ebner
Dezernat Kommunikation
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

 

 

The Sanctuary Project

Das Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt startet ein neues Forschungsprojekt. „The Sanctuary Project“ soll untersuchen, wie Heiligtümer (sanctuaries) menschliche Erfahrungen und religiöses Wissen in der Antike beeinflussten. Das Projekt wird im Rahmen des Anneliese-Maier-Forschungspreises der Alexander von Humboldt-Stiftung finanziert und von dem Anneliese-Maier-Preisträger Prof. Dr. Gregory Woolf in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Jörg Rüpke als Gastgeber an der Universität Erfurt geleitet.

Heiligtümer sind allgemeine – vielleicht universelle – Produkte menschlicher Gesellschaften. Zuerst nachgewiesen im Zeitalter des Jungpaläolithikums traten die ersten Heiligtümer ungefähr zur gleichen Zeit in Erscheinung wie die ersten Belege für Riten, Kunst und Musik. Da man in Heiligtümern eine Fülle gegenständlicher Objekte einerseits gefunden hat und sie zugleich Orte symbolischen Aufwands sind, zählen sie zu wichtigen Bestandteilen archäologischer Untersuchungen. Als frühe Nachweise für kognitive Aktivitäten des anatomisch modernen Menschen sind sie immer wieder zentral für Debatten um eine „Archäologie des Geistes“.

Bisherige Studien zu Heiligtümern untersuchten diese unter anderem als rituelle Orte, als Bühne für die Festkultur, als Kontaktstätte zum Göttlichen oder auch als Einflussfaktoren bei der Bildung von Staaten. Das „Sanctuary Project“ baut auf diesen bisherigen Studien auf, fokussiert sich jedoch auf den religiösen Akt und erforscht, welche Rolle Heiligtümer bei der Bildung religiöser Erfahrungen von Personen, die antike Kultstätten besuchten, spielten. Dafür sollen Experten miteinander ins Gespräch kommen, die aus ganz unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven wie der Archäologie, Sozialanthropologie, der Alten Geschichte, Kunstgeschichte sowie der Jüdischen und Frühchristlichen Studien auf diese Frage blicken. Das „Sanctuary Project“ möchte zudem Nachwuchsforscher ermutigen, sich an dem interdisziplinären Austausch zu beteiligen und sich so auch mit anderen Fachgebieten vertraut zu machen. Entsprechende Dissertationsstipendien werden dafür an der Universität Erfurt ausgeschrieben.

Weitere Infos gibt es hier. 

 

Quelle:
Carmen Voigt
Pressestelle
Universität Erfurt

DAI unterstützt Capacity Building in Libyen

Gemeinsam mit der Universität Durham hat die Abteilung Rom des DAI einen zweiwöchigen Intensivkurs für libysche Archäologen zu GIS und Geodatenbanken in Sfax (Tunesien) durchgeführt.

Der Kurs für sechs Mitarbeiter des libyschen Antikendienstes fand vom 12. bis 23. Mai 2014 an der Universität Sfax in Tunesien statt. An dem Kurs nahmen Angestellte des Zentrums für Digitalisierung in Tripolis teil, die mit der archäologischen Landesaufnahme und der Erstellung digitaler archäologischer Karten beauftragt sind. Der Leiter des Zentrums, Dr. Moftah Haddad, war während des Kurses ebenfalls anwesend und vermittelte die Inhalte zusammen mit dem Kursleiter Marco Nebbia von der Universität Durham. Gelehrt wurden Grundkenntnisse in der Arbeit mit Geo-Informations-Systemen, in der Verarbeitung anhand von Satellitenbildern und im Feld aufgenommen Daten, sowie in der Erstellung, Pflege und Nutzung von Geodatenbanken für die wissenschaftliche und denkmalpflegerische Arbeit.
Der Kurs in Sfax ist Teil des Engagements des DAI für capacity building in den Gastländern und soll in Zukunft auch in dieser inhaltlichen Ausrichtung weitergeführt werden.

Durch die Ausbildung der libyschen Kollegen leisten das DAI und die Universität Durham einen bedeutenden Beitrag zu Erfassung und Schutz von antiken Denkmälern in Libyen. Im Rahmen des Projekts liegt der Schwerpunkt besonders auf der Siedlungsentwicklung im frühen Mittelalter unmittelbar nach der arabisch-islamischen Eroberung Nordafrikas, einer Epoche, die bisher wissenschaftlich vernachlässigt wurde, gerade heute jedoch im Zentrum auch des gesellschaftlichen Interesses in Nordafrika liegt. Die Denkmäler dieser Epoche stellen einen bedeutenden Teil des kulturellen Erbes der Maghrebländer dar. Das Ziel des Projekts ist ihre wissenschaftliche Erforschung, es will aber gleichzeitig auch einen Beitrag zum Kulturerhalt und zur Ausbildung in den Partnerländern in Nordafrika leisten.

 

Weitere Infos gibt es hier.

 

Quelle:

Nicole Kehrer
Pressestelle
Deutsches Archäologisches Institut

Jahrbuch des RGZM ab 2014 online

Mainz. Ab jetzt erscheint das Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) auch online: Die wichtige archäologische Fachzeitschrift wird ab 2014 neben der Druckversion digital über die Universitätsbibliothek Heidelberg erscheinen. Bislang sind die beiden aktuellsten Jahrgänge 58 (2011) und 57 (2010) abrufbar. Vorangegangene Ausgaben sollen kontinuierlich retrodigitalisiert werden.

Das Jahrbuch des RGZM ist eine jährlich erscheinende archäologische Fachzeitschrift des RGZM. 1953 gegründet, wird das Jahrbuch mit einer Druckauflage von etwa 900 Exemplaren im hauseigenen Verlag produziert. Ein Jahrgang umfasst in der Regel zwei Bände sowie den Jahresbericht über die Tätigkeit des RGZM. Aufgenommen werden umfangreichere, grundlegende archäologische Beiträge zu den Forschungsschwerpunkten des Institutes.

Alle Zeitschriftenbeiträge erhalten einen digitalen Objektbezeichner (Digital Object Identifier, doi), der das Zitieren und Verlinken der Artikel vereinfacht. Das Hosting für das Jahrbuch online übernimmt die Universität Heidelberg, die Kooperationspartner in diesem Projekt ist und die Langzeitarchivierung der Beiträge garantiert.

Das Jahrbuch wird auch weiterhin als Printausgabe erscheinen. Eine Qualitätssicherung durch ein Peer-Review-Verfahren wird angestrebt.

Weitere Infos gibt es hier.

Quelle:

Christina Nitzsche
Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit
Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) – Forschungsinstitut für Archäologie

Karl der Große: das Kanalprojekt

Zum 1200. Todestag Karls des Großen zeigt das Römisch-Germanische Zentralmuseum eine Sonderausstellung im Museum für Antike Schiffahrt: Mittelpunkt ist ein 793 n. Chr. auf die Initiative Karls des Großen entstandener schiffbarer Kanal, der Rhein und Donau verband. Das Interessante: Die Besucher erhalten Einblicke in die Fragen und Methoden, mit denen die archäologische Forschung solch ein Bauwerk „zum Sprechen“ bringt und in der Folge auch unser Verständnis für die karolingische Zeit erweitert. Die rund 300 Quadratmeter große Ausstellung basiert auf aktuellen Forschungen des DFG-Schwerpunktprogramms „Häfen von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter“, an dem das RGZM maßgeblich beteiligt ist.

Bereits mehr als 1000 Jahre vor der Erbauung des Ludwig-Donau-Main-Kanals Mitte des 19. Jahrhunderts ließ Karl der Große einen Kanal errichten, um die Flusssysteme von Rhein und Donau miteinander zu verbinden. Damit sollte die europäische Hauptwasserscheide überwunden und die Schiffahrt zwischen Nordsee und Schwarzem Meer entscheidend erleichtert werden. Dieses ambitionierte Vorhaben hat in der Landschaft Spuren hinterlassen, die noch heute von einem der bedeutendsten wasserbaulichen Großprojekte des Frühen Mittelalters Zeugnis abgeben. Ein aktuelles Forschungsprojekt untersucht den sogenannten „Karlsgraben“ als Bindeglied der Hafen-Netzwerke an Rhein und Donau. Dabei wird nicht nur das Bauwerk selbst untersucht, sondern auch der Frage nachgegangen, wie sich das Bauvorhaben auf die umgebende Siedlungslandschaft auswirkte.

Die Ausstellung führt die Besucherinnen und Besucher in den laufenden Forschungsprozess; sie beschäftigt sich mit Fragen nach planerischen und technischen Voraussetzungen des Kanalbaus, aber auch nach der Art und Weise seiner Nutzung, nach wirtschaftlichen und machtpolitischen Aspekten. Und nicht zuletzt zeigt sie, mit welchen Methoden die Wissenschaft diese Fragen beantworten will.
Der „Karlsgraben“ oder „Fossa Carolina“ genannte Kanal, der sich in der Nähe von Treuchtlingen in Mittelfranken befindet, wird derzeit von Forscherteams der Universität Jena, der Universität Leipzig und des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege im Rahmen des DFG-Schwerpunktprogramms untersucht.

Hinweise zur Teilnahme:
Der Eintritt in die Sonderausstellung ist frei!

Weitere Infos gibt es hier.

Quelle:
Christina Nitzsche
Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit
Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) – Forschungsinstitut für Archäologie