Klassische Archäologie: deutsch-französischer Studiengang

Gemeinsam mit der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne bietet die Universität des Saarlandes den deutsch-französischen Bachelorstudiengang Klassische Archäologie an. Die Studenten und Studentinnen lernen die Kunst und Alltagskultur der griechischen und römischen Antike kennen, die Europa prägende Grundlagen gegeben haben. Außerdem erwerben sie dabei interkulturelle Kompetenzen und kommen mit einer fremden Wissenschaftskultur in Kontakt. Wer sich für das binationale Studium interessiert, kann sich noch bis zum 30. September an der Saar-Uni bewerben.

Der deutsch-französische Studiengang gibt Einblicke in Leben und Vorstellungswelten antiker Gesellschaften, vermittelt Methoden zur Auswertung ihrer Artefakte und beleuchtet vielfältige kulturhistorische Zusammenhänge. „Das Studium ist in dieser Form ein bundesweit einmaliges Angebot und fördert die Internationalität“, erklärt Carola Reinsberg, Professorin für Klassische Archäologie an der Saar-Uni und Koordinatorin des Studiengangs, der in Saarbrücken als Variante des Studiengangs Altertumswissenschaften angeboten wird.

Das erste und das dritte Studienjahr verbringen die Studentinnen und Studenten in Saarbrücken, das zweite Studienjahr in Paris. Die notwendigen Französischkenntnisse können sie in den ersten beiden Semestern in Sprachkursen an der Saar-Uni verbessern. Darüber hinaus stehen eine größere Exkursion und ein Praktikum auf dem Programm des Studiengangs. Die Absolventen erhalten den Abschluss „Bachelor of Arts“. Wer den Weg zu wissenschaftlicher Forschung einschlagen will, hat dann beste Voraussetzungen für den aufbauenden Masterstudiengang. Ansonsten können Absolventen des deutsch-französischen Studiengangs in den unterschiedlichsten Bereichen in Kultur und Wissensvermittlung dies- und jenseits der Grenze tätig werden – zum Beispiel in Museen, Verlagen, in der Erwachsenenbildung oder im Tourismus.

 

Weitere Infos zu dem deutsch-französischen Bachelorstudiengang gibt es hier.

 

Quelle:
Melanie Löw
Pressestelle der Universität des Saarlandes
Universität des Saarlandes

Archäologie & Politik oder: die Relevanz von Archäologie auf dem Pausenflur. / Archaeology & politics, or: the relevance of Archaeology discussed at the coffee break.

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sprechende dinge Naturkundemuseum Stuttgart sprechende dinge Naturkundemuseum Stuttgart

Archäologie & Politik – ein großes, sehr großes Thema. Momentan beschäftige ich mich gerade damit, denn erstens geht mir dieses Thema seit mehreren Jahren im Kopf herum und zweitens werde ich es Ende Juni auf der ADLAF-Nachwuchs-Tagung in Berlin in einem Kurzvortrag vorstellen.

In Gesprächen mit Bekannten, Kollegen, Freunden sehe ich immer wieder, dass nur sehr wenige Menschen die Relevanz des Themas sehen. Immerhin reden wir hier ja über vergangene Zeiten, nichts was uns jetzt direkt betrifft. Oder? Vergangenheit ist eben vergangen – wie sollte uns das heute betreffen? Meine Faszination und auch meine Vorsicht bei diesem Thema reichen bis weit ins Studium zurück, noch in die Fast-Vor-Internet-Zeiten.  In der Fakultät (und zwar bezeichnenderweise auf dem Pausenflur) erwähnte jemand die Verstrickung der deutschen Ur-und Frühgeschichte in die Volk&Raum-Ideologie der Nazis. Ich war elektrisiert. So eine aktuelle Verbindung von Vorgeschichte und heutiger Zeit? Das war mir nicht…

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Unter Mexiko-Stadt

Nach dem Sieg über die Azteken im 16. Jahrhundert hatten die spanischen Kolonialherren das aztekische Tenochtitlán so konsequent zerstört, dass heute an der Oberfläche nichts mehr an diese Stadt erinnert. Nur im Untergrund von Mexiko-Stadt konnten Spuren Tenochtitláns die Zeit der spanischen Kolonialherrschaft überdauern…

Hier geht es zum lesenswerten Bericht „Under Mexico City“ im Magazin „Archaeology“!

Archäologie hautnah erleben

Von Freitag, den 29. August, bis einschließlich Sonntag, den 31. August 2014 findet für alle archäologisch Interessierten die 1. Archäologische Sommerakademie in Bamberg statt. Ziel der Sommerakademie ist es, die Arbeit von Archäologen mit den dazugehörigen Methoden einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen. 

Archäologen des Lehrstuhls für Archäologie des Mittelalters und der Neuzeit der Universität Bamberg vermitteln in Vorträgen und praktischen Workshops Grundkenntnisse zu den in der Feldarchäologie angewandten Dokumentationsmethoden sowie zum Umgang mit archäologischem Fundmaterial. Themenschwerpunkte der diesjährigen Sommerakademie bilden die Datierung und Beschreibung von keramischen Funden des Mittelalters und der Neuzeit sowie die Bestimmung und Interpretation von Überresten menschlicher Bestattungen.

Unterstützt werden die Archäologen dabei von Referenten des Bayerischen Landesamtes für Denkmalpflege und der Kommunalarchäologie. Diese erläutern insbesondere Aspekte zum Denkmalschutz und zeigen Möglichkeiten auf, wie sich jeder ehrenamtlich in der bayerischen Bodendenkmalpflege einbringen kann.

Alle archäologisch Interessierten, denkmalpflegerisch tätigen Ehrenamtlichen und wissbegierigen Schülerinnen und Schülern ab 12 Jahren sind herzlich zur Archäologischen Sommerakademie eingeladen!

Die Teilnahmegebühr beträgt für Berufstätige 15 Euro/Tag (Sonderpreis 3 Tage: 35 Euro), für Schüler, Studierende und Arbeitslose 5 Euro/Tag (Sonderpreis 3 Tage: 10 Euro). Anmeldeschluss ist der 31. Juli 2014.

 

Weitere Infos gibt es hier. 

 

Quelle:

Freyja Ebner
Dezernat Kommunikation
Otto-Friedrich-Universität Bamberg

 

 

The Sanctuary Project

Das Max-Weber-Kolleg der Universität Erfurt startet ein neues Forschungsprojekt. „The Sanctuary Project“ soll untersuchen, wie Heiligtümer (sanctuaries) menschliche Erfahrungen und religiöses Wissen in der Antike beeinflussten. Das Projekt wird im Rahmen des Anneliese-Maier-Forschungspreises der Alexander von Humboldt-Stiftung finanziert und von dem Anneliese-Maier-Preisträger Prof. Dr. Gregory Woolf in Zusammenarbeit mit Prof. Dr. Jörg Rüpke als Gastgeber an der Universität Erfurt geleitet.

Heiligtümer sind allgemeine – vielleicht universelle – Produkte menschlicher Gesellschaften. Zuerst nachgewiesen im Zeitalter des Jungpaläolithikums traten die ersten Heiligtümer ungefähr zur gleichen Zeit in Erscheinung wie die ersten Belege für Riten, Kunst und Musik. Da man in Heiligtümern eine Fülle gegenständlicher Objekte einerseits gefunden hat und sie zugleich Orte symbolischen Aufwands sind, zählen sie zu wichtigen Bestandteilen archäologischer Untersuchungen. Als frühe Nachweise für kognitive Aktivitäten des anatomisch modernen Menschen sind sie immer wieder zentral für Debatten um eine „Archäologie des Geistes“.

Bisherige Studien zu Heiligtümern untersuchten diese unter anderem als rituelle Orte, als Bühne für die Festkultur, als Kontaktstätte zum Göttlichen oder auch als Einflussfaktoren bei der Bildung von Staaten. Das „Sanctuary Project“ baut auf diesen bisherigen Studien auf, fokussiert sich jedoch auf den religiösen Akt und erforscht, welche Rolle Heiligtümer bei der Bildung religiöser Erfahrungen von Personen, die antike Kultstätten besuchten, spielten. Dafür sollen Experten miteinander ins Gespräch kommen, die aus ganz unterschiedlichen wissenschaftlichen Perspektiven wie der Archäologie, Sozialanthropologie, der Alten Geschichte, Kunstgeschichte sowie der Jüdischen und Frühchristlichen Studien auf diese Frage blicken. Das „Sanctuary Project“ möchte zudem Nachwuchsforscher ermutigen, sich an dem interdisziplinären Austausch zu beteiligen und sich so auch mit anderen Fachgebieten vertraut zu machen. Entsprechende Dissertationsstipendien werden dafür an der Universität Erfurt ausgeschrieben.

Weitere Infos gibt es hier. 

 

Quelle:
Carmen Voigt
Pressestelle
Universität Erfurt

DAI unterstützt Capacity Building in Libyen

Gemeinsam mit der Universität Durham hat die Abteilung Rom des DAI einen zweiwöchigen Intensivkurs für libysche Archäologen zu GIS und Geodatenbanken in Sfax (Tunesien) durchgeführt.

Der Kurs für sechs Mitarbeiter des libyschen Antikendienstes fand vom 12. bis 23. Mai 2014 an der Universität Sfax in Tunesien statt. An dem Kurs nahmen Angestellte des Zentrums für Digitalisierung in Tripolis teil, die mit der archäologischen Landesaufnahme und der Erstellung digitaler archäologischer Karten beauftragt sind. Der Leiter des Zentrums, Dr. Moftah Haddad, war während des Kurses ebenfalls anwesend und vermittelte die Inhalte zusammen mit dem Kursleiter Marco Nebbia von der Universität Durham. Gelehrt wurden Grundkenntnisse in der Arbeit mit Geo-Informations-Systemen, in der Verarbeitung anhand von Satellitenbildern und im Feld aufgenommen Daten, sowie in der Erstellung, Pflege und Nutzung von Geodatenbanken für die wissenschaftliche und denkmalpflegerische Arbeit.
Der Kurs in Sfax ist Teil des Engagements des DAI für capacity building in den Gastländern und soll in Zukunft auch in dieser inhaltlichen Ausrichtung weitergeführt werden.

Durch die Ausbildung der libyschen Kollegen leisten das DAI und die Universität Durham einen bedeutenden Beitrag zu Erfassung und Schutz von antiken Denkmälern in Libyen. Im Rahmen des Projekts liegt der Schwerpunkt besonders auf der Siedlungsentwicklung im frühen Mittelalter unmittelbar nach der arabisch-islamischen Eroberung Nordafrikas, einer Epoche, die bisher wissenschaftlich vernachlässigt wurde, gerade heute jedoch im Zentrum auch des gesellschaftlichen Interesses in Nordafrika liegt. Die Denkmäler dieser Epoche stellen einen bedeutenden Teil des kulturellen Erbes der Maghrebländer dar. Das Ziel des Projekts ist ihre wissenschaftliche Erforschung, es will aber gleichzeitig auch einen Beitrag zum Kulturerhalt und zur Ausbildung in den Partnerländern in Nordafrika leisten.

 

Weitere Infos gibt es hier.

 

Quelle:

Nicole Kehrer
Pressestelle
Deutsches Archäologisches Institut

Jahrbuch des RGZM ab 2014 online

Mainz. Ab jetzt erscheint das Jahrbuch des Römisch-Germanischen Zentralmuseums (RGZM) auch online: Die wichtige archäologische Fachzeitschrift wird ab 2014 neben der Druckversion digital über die Universitätsbibliothek Heidelberg erscheinen. Bislang sind die beiden aktuellsten Jahrgänge 58 (2011) und 57 (2010) abrufbar. Vorangegangene Ausgaben sollen kontinuierlich retrodigitalisiert werden.

Das Jahrbuch des RGZM ist eine jährlich erscheinende archäologische Fachzeitschrift des RGZM. 1953 gegründet, wird das Jahrbuch mit einer Druckauflage von etwa 900 Exemplaren im hauseigenen Verlag produziert. Ein Jahrgang umfasst in der Regel zwei Bände sowie den Jahresbericht über die Tätigkeit des RGZM. Aufgenommen werden umfangreichere, grundlegende archäologische Beiträge zu den Forschungsschwerpunkten des Institutes.

Alle Zeitschriftenbeiträge erhalten einen digitalen Objektbezeichner (Digital Object Identifier, doi), der das Zitieren und Verlinken der Artikel vereinfacht. Das Hosting für das Jahrbuch online übernimmt die Universität Heidelberg, die Kooperationspartner in diesem Projekt ist und die Langzeitarchivierung der Beiträge garantiert.

Das Jahrbuch wird auch weiterhin als Printausgabe erscheinen. Eine Qualitätssicherung durch ein Peer-Review-Verfahren wird angestrebt.

Weitere Infos gibt es hier.

Quelle:

Christina Nitzsche
Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit
Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) – Forschungsinstitut für Archäologie

Umstrittenes „Frau Jesu“-Papyrus ist Fälschung – Forscher entlarvt angeblich antikes Schriftstück

Das „Frau Jesu“-Papyrus trieb die Medien- und Wissenschaftswelt lange Zeit um und sorgte für etliche Schlagzeilen über Jesus, Maria Magdalena und die Frauenwelt im frühen Christentum. Können auch Frauen Jünger von Jesus gewesen sein? Und hatte eine oder seine Frau womöglich doch beim letzten Abendmahl unter den Jüngern gesessen? Das ist zwar weiter unklar, klar ist aber: Das antike Papyrusstück ist eine „unglaubliche Fälschung“, wie ein Gastforscher an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster herausfand. Der Experte für neutestamentlichen Textforschung mit einem Schwerpunkt auf koptischen Bibel-Überlieferungen wies die Fälschung nun nach.

Seit September 2012 sorgte das „Frau Jesu“-Papyrus für Zündstoff in der Kirche und in der Wissenschaft: Muss die Geschichte zur Rolle der Frauen im frühen Christentum neu- beziehungsweise umgeschrieben werden? Im Juli 2010 war nämlich ein koptisch-ägyptisches Papyrus-Fragment, groß wie eine EC-Karte, aufgetaucht. Seine Entdeckerin, Kirchenhistorikerin Karen King von der Harvard-Universität, behauptete, auf die Frauen im Urchristentum falle ein neues Licht, auch sie könnten nämlich Jünger Jesus gewesen sein.

In der vermeintlichen Quelle wird Jesus zitiert, er spricht von „Maria“, später von „meiner Frau“ und sagt, „sie wird meine Schülerin sein können.“ Ein Unding für die bisherige männlich dominierte Geschichte des Christentums. Die Entdeckung löste einen Sturm an Berichterstattungen zur Frage „Hatte Jesus nun eine Frau oder nicht?“ aus. Hatte eine oder seine Frau womöglich doch beim letzten Abendmahl unter den Jüngern gesessen?

Aber nun ist klar: Nicht auf die Frauen, aber auf die Quelle, also das antike Papyrusstück, muss ein neues Licht geworfen werden. Es ist nämlich nicht nur nicht echt, sondern sogar eine „unglaubliche Fälschung“, wie der Gastforscher der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), Dr. Christian Askeland, sagt.

Der 37-jährige Wissenschaftler widmet sich der neutestamentlichen Textforschung mit einem Schwerpunkt auf koptischen Bibel-Überlieferungen. Er machte sich im Rahmen des Forschungsaufenthaltes an der WWU die Mühe, in die Tiefen des umstrittenen Papyrus‘ einzutauchen, um das Rätsel zu lösen. Zu Hilfe kam ihm ein zweites angeblich antikes Papyrus-Fragment aus den ins Internet gestellten Forschungsmaterialien der Entdeckerin Karen King, das von derselben Quelle stammt, in ähnlicher Weise aufgebaut ist und von dessen Existenz man schon länger wusste, ohne aber Bilder oder eine genaue Beschreibung von ihm zur Verfügung zu haben.

Dieser Zufallsfund förderte Erstaunliches zutage: „Beide Papyri sahen so gleich aus“, sagt Christian Askeland. Auch die Tinte sei anscheinend identisch gewesen, ebenso das benutzte Schreibgerät. Das zweite Fragment ist aus einer koptischen Übersetzung des Johannesevangeliums und sei ganz offensichtlich eine Fälschung – buchstaben- und zeilentreu aus einem echten Papyrus des vierten Jahrhunderts kopiert. Hinzu kam, wie der Gastforscher feststellte, dass der im Dokument verwendete Dialekt für das 7. bis 9. Jahrhundert nach Christus, auf das Karen King das Papyrus datiert hatte, gar nicht möglich sei. Dieser besondere Dialekt sei nämlich bereits im frühen 6. Jahrhundert verschwunden. Wenn das neue Johannesevangelium-Fragment eine Fälschung sei, so die Schlussfolgerung von Christian Askeland, sei notwendigerweise das „Frau Jesu“-Fragment auch eine Fälschung.

Prof. Dr. Stephen Emmel vom Institut für Ägyptologie und Koptologie der WWU, der den Nachwuchsforscher betreute, war von der Arbeit seines Zöglings fasziniert. Erstaunt habe ihn, der schon 2012 Zweifel angemeldet hatte, die Entdeckung der Fälschung allerdings nicht, sei sie doch so offensichtlich gewesen: „Bislang hatte einfach der absolut sichere Beweis gefehlt“, meint Stephen Emmel. Über Christian Askeland sagt er: „Er hat über die koptische Übersetzung des Johannesevangeliums promoviert. Somit war er genau der Richtige, der das entdecken konnte“, sagt der Koptologe. Die Fälschung hält er für recht jung. „Sie dürfte in den vergangenen zehn Jahren entstanden sein“, mutmaßt der Experte.

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Quelle:
Juliane Albrecht
Presse- und Informationsstelle
Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Basler Ägyptologen identifizieren Grab der Königskinder

Wer hatte das Privileg, das ewige Leben nahe beim Pharao zu verbringen? Ausgrabungen von Ägyptologen der Universität Basel im ägyptischen Tal der Könige zeigen, dass in einer Ruhestätte nahe der Königsgräber die Kinder sowie weitere Angehörigen von zwei Pharaonen bestattet wurden.

Seit drei Jahren arbeiten Basler Ägyptologen im Rahmen des University of Basel Kings‘ Valley Project an der Grabanlage KV 40 im Tal der Könige nahe der Stadt Luxor. Von aussen deutete nur eine Senke im Boden auf die Präsenz eines Schachtgrabes hin. Über den Grundriss der Ruhestätte KV 40 war genauso wenig bekannt wie darüber, für wen sie angelegt und wer darin beigesetzt wurde.

Die Ägyptologen vermuteten, dass es sich um ein nichtkönigliches Grab handelt und datierten es aufgrund seiner Lage in die Zeit der 18. Dynastie. Sie reinigten den sechs Meter tiefen Schacht, der Zugang zu fünf unterirdischen Räumen gewährt, und bargen die zahlreichen Überreste von Grabbeigaben, Särgen und Bestattungen.

Mumifizierte Königskinder

Im Mittelraum und in drei Seitenräumen stiessen die Forscher auf die mumifizierten Überreste von über 50 Personen. Anhand von beschrifteten Keramikgefässen konnten die Wissenschaftler während der diesjährigen Feldarbeiten nun über 30 Personen namentlich identifizieren. Laut Titeln wie «Königssohn» und «Königstochter» handelt es sich zumeist um Familienmitglieder der beiden Pharaonen Thutmosis IV. und Amenhotep III., die ihrerseits im Tal der Könige bestattet wurden. Beide Pharaonen gehörten der 18. Dynastie (Neues Reich) an und regierten im 14. Jahrhundert v. Chr.

Unter den Beigesetzten von KV 40 befinden sich mindestens acht bisher unbekannte Königstöchter, vier Prinzen und einige «Ausländerinnen», wie sich aus den Inschriften in hieratischer (einer mit den Hieroglyphen verwandten) Schrift schliessen lässt. Bei den meisten handelt es sich um Erwachsene, doch wurden hier auch Kinder beigesetzt: «Wir fanden auffallend viele aufwendig mumifizierte Neugeborene und Kleinkinder, die sonst eher einfach bestattet wurden», beschreibt die Ägyptologin Prof. Susanne Bickel den Fund. «Wir vermuten, dass die Mitglieder des königlichen Haushalts über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten in diesem Grab beigesetzt worden sind.»

Die Identifizierung von Personen, die in der Umgebung der Königsgräber bestattet wurden, gibt dem Forscherteam Aufschluss darüber, wer das Privileg hatte, so nahe beim Pharao das ewige Leben zu verbringen. «In rund zwei Dritteln der Gräber im Tal sind keine Könige bestattet, aber weil diese unbeschriftet sind und stark beraubt wurden, konnten wir bisher meist nur Mutmassungen anstellen, wen man darin begraben hat», erläutert Susanne Bickel die Bedeutung des Funds für die ägyptologischen Forschung.

Spuren späterer Begräbnisse

Obwohl das Grab in der Antike und vermutlich Ende des 19. Jahrhunderts mehrfach ausgeraubt wurde, fanden die Forscher zahlreiche Fragmente der Grabausstattungen wie Sarg- und Stoffreste. «Die Funde und auch die Wände sind von einem Grossbrand stark verrusst, der wohl durch die Fackeln der Grabräuber ausgelöst wurde», vermutet Susanne Bickel. Die Fragmente von verschiedenen Holz- und Kartonagesärgen zeigen, dass die Grabanlage KV 40 nach der Aufgabe des Tals als Pharaonennekropole noch einmal genutzt wurde, diesmal als Beisetzungsort für Angehörige von Priesterfamilien im 9. Jahrhundert v. Chr.

Anthropologische Untersuchungen sowie die weitere Bearbeitung der Grabausstattung werden nun genaueren Aufschluss über die Zusammensetzung und die Lebensbedingungen des pharaonischen Hofstaats der 18. Dynastie und dessen Bestattungssitten liefern.

University of Basel Kings‘ Valley Project

Das archäologische Forschungsprojekt unter der Leitung der Basler Ägyptologin Prof. Susanne Bickel erforscht seit 2009 die Nutzung des Tals der Könige durch auserwählte Mitglieder der Elite und der Königsfamilie im Umkreis der Königsgräber. Den Wissenschaftlern des University of Basel Kings‘ Valley Project, das von der Gertrud Mayer-Stiftung in Basel finanziell unterstützt wird, gelang 2012 die Entdeckung des Grabes KV 64 im Tal der Könige in Zusammenarbeit mit den ägyptischen Behörden und lokalen Arbeitern.

Weitere Infos gibt es hier.

Quelle:

Olivia Poisson
Kommunikation & Marketing
Universität Basel

Homo sapiens zog früher aus Afrika aus als gedacht

Der anatomisch moderne Mensch hat sich von Afrika aus in mehreren Wanderungswellen nach Asien und Europa ausgebreitet. Die ersten Vorfahren heutiger Menschen nahmen dabei wahrscheinlich schon vor rund 130.000 Jahren eine südliche Route über die Arabische Halbinsel in Richtung Asien. Zu diesem Ergebnis kommen Professorin Katerina Harvati und ihre Mitarbeiter vom Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie der Universität Tübingen und dem Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universität von Ferrara, Italien, und dem Nationalmuseum für Naturgeschichte, Frankreich. 

Die Forscher überprüften verschiedene hypothetische Ausbreitungsszenarios anhand geografisch möglicher Routen, genetischer Daten und vergleichender Schädeluntersuchungen. Als Resultat setzen sie die erste Auswanderungswelle aus Afrika im Mittleren statt im Späten Pleistozän und damit früher an, als bisherige Untersuchungen ergeben hatten. Eine zweite Ausbreitungswelle ins nördliche Eurasien erfolgte ihren Untersuchungen zufolge vor rund 50.000 Jahren. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Wissenschaftler in der Online-Ausgabe (Online Early Edition) der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences.

Dass alle heutigen Menschen von einer Population abstammen, die vor 100.000 bis 200.000 Jahren in Afrika lebte, ist unter Wissenschaftlern kaum umstritten. Doch bisher gingen viele beim Auszug unserer Vorfahren aus Afrika von einer einzigen Wanderungsbewegung vor 50.000 bis 75.000 Jahren aus. Dafür schien die Beobachtung zu sprechen, dass die genetische Vielfalt und die morphologische Diversität der Menschen mit wachsender geografischer Entfernung vom subsaharischen Südafrika abnahmen. Neuere Ergebnisse genetischer, archäologischer und paläoanthropologischer Studien stellen dieses Szenario jedoch in Frage.

Die Forscher um Professorin Katerina Harvati überprüften die beiden gängigen Out-of-Africa-Hypothesen einer einzelnen gegenüber mehrfachen Wanderungsbewegungen der anatomisch modernen Menschen aus Afrika. In ihren Untersuchungen nutzten sie Daten anatomischer Schädelvergleiche heutiger Menschen aus verschiedenen Regionen, neutrale genetische Daten und die zurückzulegenden Distanzen der verschiedenen möglichen Ausbreitungsrouten. Ebenso wurden basierend auf den genetischen Daten und dem jeweiligen Ausbreitungsmodell die Zeitspannen berechnet, die zur Aufspaltung der Populationen notwendig waren. Jedes Ausbreitungsszenario ist mit spezifischen geografischen und zeitlichen Voraussetzungen verbunden. Diese bekannten Parameter stellten die Forscher den neutralen biologischen Distanzen aus den genetischen und anatomischen Untersuchungen gegenüber.

„Beide Beweisketten, sowohl die anatomischen Schädelvergleiche als auch die genetischen Daten, sprechen für mehrfache Auswanderungswellen“, sagt Katerina Harvati. Eine erste Gruppe unserer Vorfahren brach vor rund 130.000 Jahren von Afrika aus auf und wanderte an der Küste der Arabischen Halbinsel entlang bis nach Australien und in das Gebiet des Westpazifiks. „Australier, Papuas und Melanesier blieben nach dieser frühen Ausbreitung über die Südroute zunächst relativ isoliert“, sagt Hugo Reyes-Centeno, Erstautor der Studie und Mitarbeiter des Tübinger Forscherteams. „Andere asiatische Populationen scheinen dagegen einer späteren Auswanderungswelle zu entstammen, die vor etwa 50.000 Jahren von Afrika aus ins nördliche Eurasien aufkam.“ 

Die Forscher gehen davon aus, dass weitere Feldstudien sowie Fortschritte in der Genetik die Befunde zu den Wanderrouten der urgeschichtlichen Menschen besser absichern und weitere Details in der raumzeitlichen Auflösung liefern können. Bisher lässt sich nur spekulieren, ob zum Beispiel starke Dürrezeiten in Ostafrika in der Zeit zwischen 135.000 und 75.000 Jahren die Wanderungen ausgelöst und die Entwicklung der menschlichen Populationen beeinflusst haben könnten. Die südliche Route umfasst ein großes geografisches Gebiet, in dem zum jetzigen Zeitpunkt nur wenige archäologische und anthropologische Forschungen stattgefunden haben und welches daher für künftige Forschungen sehr vielversprechend ist.

 

Mehr Infos hierzu gibt es hier.

 

Quelle:
Dr. Karl Guido Rijkhoek
Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen