Weltweit größter antiker Steinblock in Baalbek entdeckt

Der monolithische Block im Steinbruch von Baalbek ist 19,60 m lang, 6 m breit und mindestens 5,5 m. Sein Gewicht wird auf ca. 1650 Tonnen geschätzt. Nun soll erforscht werden, warum der Steinblock nicht fertiggestellt wurde und im Steinbruch verblieb – und mit welchen Mitteln er überhaupt hätte transportiert werden können.

Im Sommer 2014 führte die Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts Ausgrabungen im Steinbruch von Baalbek durch. Dort liegt, seit langem bekannt, der megalithische Steinblock „Hajjar al-Hibla“. Steinblöcke wie diese, mit einer Länge von etwa 20 Metern und einem Querschnitt von ca. 4 x 4 m, wurden für das Podium des riesigen Jupiter-Tempels im römischen Heiligtum von Baalbek verbaut.

Ziel der diesjährigen Ausgrabungen war es, neue Daten zur Abbautechnik sowie zum Transport dieser Megalithen zu finden. Es wurden Bearbeitungsspuren dokumentiert und die alten, durch die Steinbrucharbeiten entstandenen Abfallhalden nach datierbaren und stratifizierbaren Keramikscherben und Kleinfunden untersucht.

Wie nun nachgewiesen werden konnte, blieb der Steinblock „Hajjar al-Hibla“ im Steinbruch liegen, weil sich seine Steinqualität in einer Ecke als minderwertig erwies und ein natürlicher Riss den Block vermutlich beim Transport hätte brechen lassen.

In der Steinlage unter dem „Hajjar al-Hibla“ und direkt neben diesem, befindet sich ein weiterer megalithischer Steinblock, der dessen Maße um einiges übertrifft: er ist 19,60 m lang, 6 m breit und mindestens 5,5 m hoch. Um die genaue Höhe feststellen zu können, muss die archäologische Sondage in einer nächsten Ausgrabungskampagne erweitert werden. Konnte man das Gewicht des „Hajjar al-Hibla“ mit knapp 1000 Tonnen berechnen, bringt der neue Steinblock etwa 1650 Tonnen auf die Waage. Da eine Schmalseite bereits sehr gut geglättet ist und die Vorgaben für die Glättung einer Langseite erhalten sind, muss geplant gewesen sein, den Block in diesen Gesamtmaßen auszuliefern und zu transportieren. Es handelt sich damit um den bislang größten bekannten Steinblock aus der Antike.

Die Arbeiten standen unter der örtlichen Leitung von Prof. Dr. Jeanine Abdul Massih, Lebanese University/derzeit Senior Fellow des Exzellenzclusters TOPOI und langjährige Kooperationspartnerin im Baalbek-Projekt der Orient-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (Leitung Dr. Margarete van Ess). Die Forschungen fanden in enger Kooperation mit der libanesischen Antikenverwaltung statt. Sie wurden aus Mitteln des Deutschen Archäologischen Instituts und des Excellenzclusters TOPOI finanziert.

 

Quelle:
Nicole Kehrer
Pressestelle
Deutsches Archäologisches Institut

Neue Grabstele auf dem Kerameikos in Athen entdeckt

Forscher des Deutschen Archäologischen Instituts stießen bei den aktuellen Ausgrabungen überraschend auf eine Familienstele.

Die Ausgrabungen konzentrieren sich auf einen Abschnitt der Heiligen Straße, die von Athen nach Eleusis führte. Der Fundort liegt wenige Meter stadteinwärts, unweit des Heiligen Tores, ganz am Rande des archäologischen Parks. Das Fragment stammt von einer sog. Familienstele. Es zeigt eine sitzende Frau und ein kleines Mädchen im Vordergrund, im Hintergrund stehend eine weitere Frau und einen bärtigen Mann.

Von der Darstellung ist ungefähr die Hälfte erhalten, auf der verlorenen rechten Hälfte waren wohl 2-3 weitere Personen dargestellt. Auf dem Architrav der Giebelstele ist schwach eine Inschrift zu lesen, die einen Mann namens Demostratos als Grabinhaber nennt. Die Form der Grabstele sowie der Typus und der Stil der Darstellung machen deutlich, daß das Grabdenkmal ursprünglich im dritten Viertel des 4. Jahrhunderts v.Chr. aufgestellt worden ist.

Das Grabrelief war ursprünglich vermutlich in der Nekropole entlang der Straße vor dem Heiligen Tor aufgestellt. Es wurde zu einem unbekannten Zeitpunkt vom ursprünglichen Platz genommen und als Baumaterial, wegen der Beschaffenheit der Oberfläche wohl zunächst als Türschwelle, wiederverwendet. Im Zuge der Erneuerung des kommunalen Wassersystems von Athen im 6. Jahrhundert n. Chr. hat man das Fragment schließlich zum dritten Mal, als Abdeckung für eine Abwasserleitung unter der Heiligen Straße verwendet.

Mehr Infos gibt es hier.

Nicole Kehrer
Pressestelle
Deutsches Archäologisches Institut

Scanstraße CultLab3D

Es ist eine Revolution im Museum: Mit der Scanstraße CultLab3D können Sammlungsobjekte in nur wenigen Minuten dreidimensional erfasst und in authentische digitale Modelle gerechnet werden. Waren 3D-Reproduktionstechniken von Museumsschätzen bislang teuer und vor allem zeitaufwendig, bietet die neue, rund sieben Meter lange Digitalisie-rungsstraße CultLab3D nun ein optimiertes und ökonomisches Verfahren. Entwickelt wurde sie vom Fraunhofer IGD gemeinsam mit den Staatlichen Museen zu Berlin und dem Liebieghaus in Frankfurt in einem vom Bun-desministerium für Wirtschaft geförderten Projekt.

Die digitale Reproduktion dreidimensionaler Objekte rückt heute zunehmend in den Vordergrund. Im Unterschied zu herkömmlichen fotografischen Methoden bilden digitale 3D-Modelle die komplette Geometrie des Objekts ab. Damit sind sie für ein breites Anwendungsspektrum das ideale Reproduktionsmedium. In vielen Bereichen der Sammlungs- oder Funddokumentation erlauben digitale 3D-Modelle eine berührungsfreie Vermessung und einen authentischeren Blick auf Materialität und Statik, als dies mit zweidimensionalen Abbildungen möglich wäre. Für die Wissenschaft und Forschung sind sie zudem oft der einzige Weg, komplexe Sachverhalte zu veranschaulichen oder den analysierenden Vergleich hypothetischer Varianten zu erlauben. Darüber hinaus lassen sich mittels 3D-Modelle attraktive Vermittlungsangebote entwickeln – von der virtuellen Rekonstruktion fragmentierter historischer Bauten und Objekte bis zur Nutzung im Bereich der Augmented Reality. Auch die Anfertigung von Repliken im Maßstab 1:1 ist möglich.

Noch bis zum 7. November 2014 ist CultLab3D in Berlin (Kulturforum) und digitalisiert in einem Testlauf Statuetten der Antikensammlung, Keilschrifttafeln des Vorderasiatischen Museums, Objektkunst aus den Sammlungen der Kunstbibliothek, Blasinstrumente der musikethnologischen Sammlung des Ethnologischen Museums, Objekte des Ägyptischen Museums sowie der Gipsformerei, aber auch kleinere Objekte wie Münzen aus dem Münzkabinett (Sonderausstellungshalle am Kulturforum (Untergeschoss). Der Testlauf dient der Weiterentwicklung der Scanstraße und der Evaluierung des Verfahrens. Herausgefunden werden soll, welche spezifischen Anforderungen in der Museumspraxis zu berücksichtigen sind, welches die Vorteile gegenüber den bisherigen Verfahren sind und wie die Technik zu optimieren ist.

 

Weitere Infos zum CultLab3D gibt es hier.

 

Quelle:

Birgit Jöbstl
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Stiftung Preußischer Kulturbesitz

Bisher unbekannte antike Kultstätte bei Ausgrabungen in Didyma entdeckt

Archäologen des von der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste geförderten Forschungsprojektes „Kulte im Kult“ haben im bekannten Orakelheiligtum des Apollon in Didyma (Türkei) das Fundament eines hellenistischen Tempels entdeckt. Die Forscherinnen und Forscher vermuten, den seit Jahrzehnten gesuchten Tempel der Artemis, der Zwillingsschwester Apollons, gefunden zu haben.

Bei den Ausgrabungen der Nordrhein-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und der Künste und des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) in Didyma wurden unter der Leitung von Prof. Dr. Helga Bumke (Universität Halle-Wittenberg) im vergangenen Jahr Teile dieses Fundaments freigelegt. Ihr Zusammenhang und ihre Bedeutung konnten aber erst jetzt zweifelsfrei erklärt werden. So gelang es durch die Ausgrabungen sowohl den Grundriss des etwa 12 x 32 m großen Fundamentes vollständig zu ermitteln als auch seine aufgehende Architektur weitgehend zu rekonstruieren.

Aus antiken Inschriften ist bekannt, dass in Didyma neben Apollon noch weitere Gottheiten verehrt wurden, insbesondere Artemis, Zeus und Aphrodite, die teilweise auch eigene Kultbauten besessen haben sollen. Allerdings konnten diese bisher nie gefunden werden, obwohl deutsche Archäologen bereits seit 1906 in Didyma forschen. Jahrzehntelang wurde vergeblich versucht diese Kultstätten zu lokalisieren. Architekturteile von Kultbauten traten seit Beginn der deutschen Ausgrabungen im Jahre 1906 zwar immer wieder zutage, doch Gebäudefundamente wurden überhaupt nicht gefunden, so dass die antike Gestalt des Gesamtheiligtums ebenso wie der Zusammenhang seiner sakralen Strukturen bis heute im Dunkeln blieben – bis nun dem Team um Prof. Dr. Helga Bumke der Durchbruch gelang.

Bemerkenswert ist, dass die Ausmaße und die architektonische Ausgestaltung des neuen Tempels darauf hindeuten, dass er im 2. Jh. v. Chr. nach dem Vorbild des zentralen Kultbaus des Apollon entworfen wurde, eines kleinen ionischen Tempels, der im Innenhof des monumentalen Apollontempels stand. Die These der Forscherinnen und Forscher: dies ist der in den Inschriften bezeugte Tempel seiner Zwillingsschwester Artemis.
Endgültige Gewissheit über den göttlichen Inhaber des Tempels werden aber erst weitere Grabungen und Forschungen bringen. So gilt es nun, den zugehörigen Altar zu lokalisieren und Aufschluss über die unmittelbare Umgebung des Tempels zu erhalten.
Seit 2009 verfolgt das Akademieprojekt „Kulte im Kult“ im Rahmen der Erforschung außerstädtisch gelegener Heiligtümer das Ziel, die Kulttopographie von Didyma durch archäologische Feldforschungen zu erschließen.

Weitere Infos zu der Kultstätte in Didyma gibt es hier.

Quelle:
Dirk Borhart
Presse und Kommunikation
Nordrhein-Westfälische Akademie der Wissenschaften und Künste

Siedlungen aus dem späten Pleistozän in den Anden entdeckt

In den südlichen Anden Perus hat ein Archäologenteam unter der Beteiligung von Forschern der Universität Tübingen und dem Senckenberg Center for Human Evolution and Paleoenvironment (HEP) die höchstgelegenen menschlichen Eiszeitsiedlungen der Welt entdeckt. Die Siedlungsplätze liegen etwa 4.500 Meter über dem Meeresspiegel. Die neuen Ergebnisse zeigen, dass menschliche Behausungen bereits tausend Jahre früher als bisher gedacht in diesen Höhen existierten. Jäger und Sammler haben sich vor rund 12.000 Jahren, im späten Pleistozän, trotz tiefer Temperaturen, hoher Sonneneinstrahlung und niedrigen Sauerstoffwerten in der abgelegenen, baumlosen Landschaft niedergelassen – und das bereits 2.000 Jahre, nachdem die ersten Menschen Südamerika erreichten.

„Das Wissen über die Anpassung der Menschen an extreme Umweltbedingungen ist wichtig, um unsere kulturelle und genetische Leistungsfähigkeit fürs Überleben zu verstehen“, so das Forscherteam, das von Dr. Kurt Rademaker von der University of Maine geleitet wird, in der Fachzeitschrift Science. Rademaker ist zurzeit Gastwissenschaftler am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Tübingen im Rahmen des Programms „Teach at Tübingen“. Kurt Rademaker hat außerdem in diesem Jahr den Tübinger Förderpreis für Ältere Urgeschichte und Quartärökologie erhalten. Zusammen mit Christopher Miller, Juniorprofessor für Geoarchäologie am Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie der Universität Tübingen und Mitglied des HEP, hat er die zwei neu entdeckten archäologischen Fundplätze im Pucuncho-Becken in den peruanischen Anden untersucht.

Einer der Fundplätze, als Pucuncho bezeichnet, liegt auf 4.355 Metern Höhe. Dort wurden 260 Steinwerkzeuge entdeckt, darunter bis zu 12.800 Jahre alte Geschossspitzen. Der zweite Fundplatz, der Cuncaicha-Felsen auf 4.480 Metern Höhe, barg gut erhaltene und sicher zu datierende Objekte, die vor bis zu 12.400 Jahren genutzt wurden. Der Felsüberhang, der Aussicht auf Feuchtgebiete und Wiesen bietet, hat rußgeschwärzte Decken und enthält künstlerische Felsdarstellungen. Er wurde vermutlich als Lagerstelle genutzt.

Christopher Miller analysierte Dünnschliffe von den Sedimenten dieses Felsüberhangs und identifizierte mikroskopisch kleine Aschereste, die von den Feuern der frühesten Höhlenbewohner stammten. „Diese Asche entstand vermutlich bei der Verbrennung von den dort vorkommenden Polsterpflanzen, die bis heute von den Einheimischen zu diesem Zweck genutzt werden“, sagt Miller. „Dieser Nachweis belegt die bemerkenswerten Fähigkeiten der frühen Andenbewohner, in einer extrem rauen Umgebung zu überleben.“ Die meisten Steinwerkzeuge von der Cuncaicha-Fundstelle waren aus dem vor Ort vorhandenen Obsidian, Andesit oder Jaspis gefertigt. Den Wissenschaftlern zufolge weisen die Werkzeuge auf Jagd und Schlachtung hin, was plausibel erscheint, da es auf dem Plateau sonst kaum Ernährungsmöglichkeiten gab. Knochen am Fundplatz lassen auf die Jagd von Vikunjas und Guanakos, beide aus der Familie der Kamele, sowie Andenhirschen schließen.

Das Pucuncho-Becken war eine hochgelegene Oase für spezialisierte Jäger, vor allem auf Vikunjas. Später könnten dort Herden domestizierter Alpakas und Lamas gehalten worden sein, so die Wissenschaftler. Die Gegend war für die ganzjährige Besiedlung geeignet, doch dürften die Menschen von Stürmen in der feuchten Jahreszeit, der Sorge vor Unterkühlung, zum Sammeln essbarer Pflanzen und dem Bedürfnis nach Gesellschaft regelmäßig zum Abstieg in geringere Höhen getrieben worden sein. Auf solche Ausflüge deuten Steinwerkzeuge und Überreste von Steinabschlägen unter den Funden hin, die von ortsfremden, feinkörnigen Felssteinen stammen. Die Plateaubewohner müssen sie aus dem Geröll tiefer gelegener Flüsse mitgebracht haben.

Es ist unklar, ob die Siedlung in großer Höhe den Menschen bestimmte genetische Anpassungen oder spezielle Fähigkeiten zur Anpassung an die Umwelt abverlangte. Der Nachweis der frühen menschlichen Siedlungen in großer Höhe könnte auch bedeuten, dass die späteiszeitlichen Gebiete in den Anden gemäßigter waren als bisher gedacht und die Menschen im Pleistozän größere physiologische Fähigkeiten mitbrachten, als man ihnen bisher zugetraut hatte.

Weitere Infos zu der Entdeckung in den peruanischen Anden gibt es hier. 

Quelle:
Dr. Karl Guido Rijkhoek
Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

Speiseplan der römischen Gladiatoren

Römische Gladiatoren ernährten sich überwiegend vegetarisch und nahmen nach dem Training einen Aschetrunk als Tonikum zu sich. Das haben anthropologische Untersuchungen an Knochen von Kämpfern, die bei Ausgrabungen im antiken Ephesos gefunden wurden, ergeben.

Historische Quellen berichten, dass Gladiatoren eine eigene Diät hielten. Diese bestand aus Bohnen und Getreide. In zeitgenössischen Berichten werden sie als «hordearii» («Gerstenfresser») bezeichnet.
In einer Studie des Departments für Gerichtsmedizin der Medizinischen Uni Wien in Kooperation mit der Abteilung für Anthropologie des Instituts für Rechtsmedizin der Universität Bern wurden Knochen eines im Jahr 1993 gefundenen Gladiatorenfriedhofs aus dem 2./3. Jahrhundert nach Christus im damals römischen Ephesos (heutige Türkei) untersucht. Ephesos war damals die Hauptstadt der römischen Provinz Asia und hatte über 200’000 Einwohner.

Mit Hilfe von spektroskopischen Methoden wurden stabile Isotopenverhältnisse (Kohlenstoff, Stickstoff und Schwefel) im Kollagen der Knochen sowie das Verhältnis von Strontium zu Calcium im Knochenmineral untersucht.

Das Ergebnis zeigt, dass sich Gladiatoren hauptsächlich pflanzlich ernährten. Hier gab es kaum Ernährungsunterschiede zur örtlichen «Normalbevölkerung». Auf dem Speiseplan standen vor allem Getreidegerichte und fleischlose Kost. Das Wort «Gerstenfresser» bezieht sich hier darauf, dass Gladiatoren wohl Getreide von minderer Qualität erhielten. «Man könnte annehmen, dass Gladiatoren besonders viel Fleisch bekommen haben», sagt Sandra Lösch vom Institut für Rechtsmedizin der Universität Bern, die als Anthropologin die Isotopenanalysen gemacht hat, «aber wir haben keine signifikanten Unterschiede zur Normalbevölkerung von Ephesos gefunden.»

Aufbautrunk nach körperlicher Anstrengung

Hoch signifikant ist der Unterschied zwischen Gladiatoren und Normalbevölkerung bei dem gemessenen Strontium-Anteil in den Knochen. Das lässt auf eine gesteigerte Mineralaufnahme der Gladiatoren aus einer Strontium-reichen Calciumquelle schliessen. Den in der Literatur überlieferten Aschetrunk gab es wohl wirklich.

«Pflanzliche Asche wurde offenbar zur Kräftigung nach körperlicher Anstrengung und zur verbesserten Knochenheilung eingenommen», erklärt Studienleiter Fabian Kanz vom Department für Gerichtsmedizin der MedUni Wien, «da verhielt es sich ähnlich wie heutzutage die Einnahme von Magnesium und Calcium (etwa in Form von Brausetabletten) nach körperlicher Anstrengung.» Calcium ist essentiell für den Knochenaufbau und kommt üblicherweise vor allem in Milchprodukten vor.

Ein weiterführendes Forschungsprojekt zielt auf die Migration der Gladiatoren ab, die oft aus unterschiedlichen Gebieten des römischen Reiches nach Ephesos kamen. Ein Vergleich der Knochendaten der Gladiatoren mit jenen der lokalen Tierwelt wird hier so manchen Unterschied erkennbar machen, hoffen die Forscher.

Weitere Infos zur Ernährung der Gladiatoren gibt es hier.

Quelle:
lic. phil. Nathalie Matter
Abteilung Kommunikation
Universität Bern

Die steinzeitlichen Wurzeln der Schriftzeichen

Bereits vor 12.000 Jahren erschufen Steinzeitmenschen auf dem Berg Göbekli Tepe in der heutigen Türkei ein Höhenheiligtum, das sich einer entwickelten Bildsprache bediente. Prof. Dr. Ludwig Morenz, Ägyptologe an der Universität Bonn, stellt in seinem Buch dar, wie diese frühen Vorläufer der Schriftzeichen zu einer kulturellen Revolution im Denken und Handeln der Menschen führte.

Seit Urzeiten hat sich der Mensch für die Nachwelt verewigt: Vor Jahrzehntausenden hinterließen eiszeitliche Jäger ihre Höhlenmalereien. Über abstrakte Bildzeichen ging die Entwicklung allmählich weiter bis zur Schrift. Bereits vor mehr als 5.000 Jahren verwendeten die Altägypter Hieroglyphen als älteste Schriftzeichen. „Wie sich abstrakte Bildzeichen in Schriftzeichen wandelten, lag lange weitgehend im Dunkeln“, sagt Prof. Dr. Ludwig Morenz von der Abteilung für Ägyptologie der Universität Bonn.

Mit den Grabungen des Deutschen Archäologischen Instituts unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Schmidt von der Universität Erlangen-Nürnberg auf dem Berg Göbekli Tepe in Südanatolien kam ein steinzeitliches Heiligtum zum Vorschein. Nahe der heutigen türkischen Stadt Sanliurfa – dem antiken Edessa – errichteten Menschen gegen Ende der Eiszeit vor rund 12.000 Jahren mehrere monumentale Ringanlagen, die von T-förmigen, aus Kalkstein gefertigten Pfeilern beherrscht werden.

Fehlendes Bindeglied zwischen Bildern und Schrift

„Das Höhenheiligtum ist so etwas wie das fehlende Bindeglied zwischen Bildern und den ersten Schriftzeichen“, sagt Prof. Morenz, der zusammen mit Prof. Schmidt mehrere Jahre lang die in Göbekli Tepe entdeckten frühneolithischen Zeichen untersuchte. „Sie erlauben neue Einsichten in historische Tiefen der menschlichen Kommunikation.“ Häufig finden sich auf den T-Pfeilern in Flachreliefen dargestellte Tiere, darunter Schlangen, Skorpione, Füchse, Kraniche, Gazellen und Wildesel. Außerdem gibt es stärker abstrahierte Zeichen wie Tiere, Hände oder die Kombination aus Mondscheibe und -sichel.

„Es handelt sich dabei um einen Sprung in eine neue mediale Welt“, sagt der Experte für Bildersprache und Zeichentheorie. Immerhin sei diese frühe Form der Bildzeichen mehr als doppelt so alt wie die ältesten Schriftzeichen der Altägypter. Zum Ende der Eiszeit wurden Grundlagen gelegt, auf denen die spätere kulturelle Revolution aufbauen konnte. Prof. Morenz: „Göbekli Tepe steht für die Entwicklung von reinen Bildern zur Kodierung von darüber hinaus gehender Bedeutung.“ Während es sich bei der Darstellung eines Stieres etwa in der Höhle von Altamira in Spanien um das direkte Abbild des Tieres handelt, sei ein Stierkopf in dem Höhenheiligtum der Türkei von der primären Bildbedeutung losgelöst als abstraktes Symbol für eine Gottheit zu verstehen.

Bereits vor 12.000 Jahren gab es ein einheitliches Zeichensystem

Der Ägyptologe der Universität Bonn untermauert seine These mit der Tatsache, dass insgesamt rund 20 verschiedene Bildzeichen in ähnlicher Form auch noch in anderen frühneolithischen Fundorten im Umkreis von 150 Kilometern um das Höhenheiligtum Göbekli Tepe herum entdeckt wurden. In dieser fruchtbaren Landschaft zwischen den Oberläufen von Euphrat und Tigris wurden Menschen früh sesshaft. Sie teilten in den verschiedenen Siedlungen mit leichten Abwandlungen die gleichen Bildzeichen. „Das kann kein Zufall sein, die Menschen dieses Kulturraumes müssen sich auf ein einheitliches Zeichensystem geeinigt haben“, ist Prof. Morenz überzeugt.

Die Bildzeichen könnten gleichzeitig mehrere Bedeutungen haben: Ein Schlange stehe einerseits für Bedrohung, könne aber auch als Zeichen für etwas Abwesendes verstanden werden – weil der Abdruck der Schlange im Sand verbleibt, wenn das Tier längst weitergezogen ist. Das Abbild einer abstrahierten Hand lasse sich als Geste – etwa von Abwehr – interpretieren. Manche Zeichen waren in kleine, flache Steine geritzt – quasi als „Heiligtum für die Hosentasche“. „Bei dieser frühen Bildsprache handelt es sich aber noch um keine Schriftzeichen“, stellt Prof. Morenz fest. Schriftzeichen seien noch einmal deutlich differenzierter und umfassten auch die lautliche Dimension, das heißt wie ein bestimmtes Zeichen ausgesprochen wird.

Göbekli Tepe zeigt nach den Untersuchungen des Ägyptologen eindrücklich, wie komplex und spezialisiert bereits die steinzeitliche Gesellschaft vor rund 12.000 Jahren war. „Der Gebrauch von Sprache, Hand und Hirn gingen mit einander einher“, sagt Prof. Morenz. In dem Maß, wie sich die Menschen damals mit großem handwerklichen und intellektuellem Geschick eine abstrakte Bildsprache schufen, drangen sie jenseits der Herausforderungen des Alltags in religiöse Sphären vor und stellten sich bereits den Grundfragen der Menschheit nach dem Jenseits. „Es handelt sich um den Beginn der medialen Entwicklung und um den Aufbruch in neue Denkräume“, sagt Prof. Morenz.

Weitere Infos gibt es hier.

Quelle:
Johannes Seiler
Dezernat 8 – Hochschulkommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

 

Digitales Forum Romanum

Der Tahrir-Platz in Kairo, der Maidan in Kiew – eindrucksvoll führen diese zwei aktuellen Beispiele vor Augen, wie öffentlichen Plätzen als Bühnen der politischen Kommunikation und des öffentlichen Handelns in den modernen Städten der Neuzeit wieder Leben eingehaucht wird. Diese Erfahrung mag überraschen, galten die urbanen Plätze lange als Relikte vergangener Zeiten, denen lediglich noch eifrige Verkehrsplaner und Touristen Beachtung schenkten. Dieses wiederbelebte Interesse an den öffentlichen Plätzen spiegelt sich auch in der historischen Stadtforschung wider, wie das Forschungs- und Lehrprojekt digitales forum romanum am Winckelmann-Institut der Humboldt-Universität zu Berlin zeigt.

In Kooperation mit dem Exzellenzcluster Topoi und dem Architekturreferat des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) Berlin arbeiten Wissenschaftler und Studierende der Klassischen Archäologie seit 2011 an der Erstellung eines neuen digitalen 3D Modells des antiken Forum Romanum. Hier an diesem öffentlichen Platz Roms wurde Geschichte geschrieben und Politik gemacht, hier wurden die Geschicke der Stadt und des Römischen Reiches gelenkt, hier konzentrierte sich das öffentlich-politische Leben der größten Metropole der Antike über 1000 Jahre, ehe das Forum Romanum seit Ende des 19. Jahrhunderts zur berühmteste Ausgrabungsstätte im Herzen der Ewigen Stadt wurde.

„Unsere digitale Rekonstruktion des Forum Romanum ist zwar nicht die erste, aber wir verfolgen mit unserem Modell einen anderen, auch wissenschaftlich-kritischen Anspruch“, erläutert Prof. Dr. Susanne Muth vom Institut für Archäologie der Humboldt-Universität zu Berlin, die das Projekt leitet. “Wo andere digitale Rekonstruktionen ein verlorenes Erscheinungsbild des Forums primär ‚visualisieren‘, setzen wir stärker darauf, mit Hilfe unserer Rekonstruktionen das Forum besser ‚verstehbar‘ werden zu lassen.“ Entstanden ist die Idee zu diesem Forschungsprojekt im Rahmen einer interdisziplinären Forschergruppe im Exzellenzclusters TOPOI, die die Konstruktion und Wahrnehmung antiker Stadträume erforscht. Seine Realisierung gelang, indem das Projekt aus dem Forschungsverbund zwischen Humboldt-Universität und Freier Universität mit außeruniversitären Einrichtungen in die Lehre eingebunden wurde: Unter Anleitung durch Susanne Muth und den Topoi-Mitarbeiter Armin Müller (DAI Berlin) erarbeiteten Studierende der Humboldt-Universität sukzessive digitale Rekonstruktionen der Forumsbauten. Seit 2013 wurden diese dann in ein zusammenhängendes Modell des gesamten Forumsplatzes integriert.

Das neue Modell des digitalen forum romanum vereint erstmals Rekonstruktionen des Forums durch die verschiedenen Epochen und macht dadurch Entwicklungen sichtbar, die möglicherweise auch für aktuelle Diskurse zur Stadtnutzung fruchtbar sein können. „Hier erschließen wir mit unserem Modell ein spannendes und auch aufregendes Neuland. Dass die dynamischen Veränderungen des Platzes teils so einschneidend waren, war in diesem Umfang bisher nicht absehbar“, erklärt Erika Holter, Koordinatorin des Projektes.

Zwanzig Studierende haben mit viel Engagement und wissenschaftlicher Sorgfalt von Anfang an mitgearbeitet. „Die Einbindung der Studierenden in die aktuelle Forschungsarbeit hat sich als ein Glücksfall erwiesen: Für die Studierenden, indem sie unmittelbar Anteil an wissenschaftlicher Exzellenzforschung nehmen konnten, als auch für das Projekt, indem so viele Personen engagiert ihre Kompetenz einbringen konnten“, betont Susanne Muth.

Erste Ergebnisse des Projekts werden nun auf einer frei zugänglichen Website vorgestellt.

Quelle:
Hans-Christoph Keller
Stabsstelle Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Humboldt-Universität zu Berlin

Häfen von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter

Deutsches Schiffahrtsmuseum in Bremerhaven präsentiert erste Forschungsergebnisse zum Thema „Häfen von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter“.

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert seit Juni 2012 im Rahmen eines Schwerpunktprogramms (SPP) „Häfen von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter“ verschiedene Forschungsprojekte. Darin widmen sich in der Förderperiode von zweimal drei Jahren rund 60 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler der interdisziplinären Erforschung des Phänomens „Hafen“. Die national und international beteiligten Institutionen zeigen am Donnerstag, 2. Oktober 2014, um 19.00 Uhr im Deutschen Schiffahrtsmuseum (DSM) in einer Posterpräsentation ihre ersten Ergebnisse der interessierten Öffentlichkeit. Die Teilnahme an der Eröffnung ist kostenfrei. Die Posterpräsentation ist anschließend bis zum Sonntag, 1. Februar 2015 im DSM zu sehen.

„Häfen sind hochkomplexe Systeme, in denen sich ökologische, logistische, ökonomische, soziale, juristische, militärische und kultische Subsysteme überlagern und gegenseitig bedingen. Um das Phänomen „Hafen“ in seiner gesamten Tragweite und zeitlichen Tiefe methodisch adäquat bewerten zu können, strebt das SPP eine Identifikation dieser Subsysteme und deren Bedeutung auf das Siedlungsgeschehen selbst an“, erläutert Prof. Dr. Sunhild Kleingärtner, Geschäftsführende Direktorin des DSM. Das Ziel: Um Häfen als systemrelevante Komponenten zu verstehen, sollen fächerübergreifend chronologische Hürden sowie räumliche Grenzen überwunden und Vergleichsanalysen initiiert werden.

Die Koordinatoren des Programms sind Prof. Dr. Claus von Carnap-Bornheim, Zentrum für Baltische und Skandinavische Archäologie Stiftung Schleswig-Holsteinische Landesmuseen, Schloss Gottorf (gleichzeitig SPP Sprecher), Prof. Dr. Falko Daim, Römisch-Germanisches Zentralmuseum, Forschungsinstitut für Archäologie, und Prof. Dr. Peter Ettel, Lehrstuhl für Ur- und Frühgeschichte der Friedrich-Schiller-Universität, sowie Dr. Ursula Warnke, Direktorin am DSM.

Weit gefächerte europäische und interdisziplinäre Hafenforschung

Das dafür eingerichtete DFG-Schwerpunktprogramm möchte unterschiedliche Richtungen einer zeitlich und räumlich weit gefächerten europäischen Hafenforschung aufgreifen, interdisziplinär vernetzen und methodisch fortführen. Zudem sollen auch naturwissenschaftliche Werkzeuge weiterentwickelt und erprobt werden, die zur Erkundung und Erfassung dienen sowie den Wert und die Bedeutung von bislang unbekannten Hafenbefunden feststellen können. Dabei wird sich das SPP auf jene Häfen konzentrieren, die primär zivilen Nutzungen unterlagen, ohne dass dabei militärische Anlagen und Schnittflächen umgangen oder ausgegrenzt werden dürfen. Anlagen, die rein militärischen Zwecken dienten, werden jedoch nicht mit einbezogen, beschreibt die Webseite http://www.spp-haefen.de das Programm.

„Das Arbeitsgebiet umfasst Europa in seiner gesamten geografischen Ausdehnung. Grundgerüst der geografischen Bestimmung des Arbeitsraumes sind zum einen die Meere und Binnenmeere Europas: Atlantik, Mittelmeer, einschließlich seiner afrikanischen Küste, sowie Nordsee und Os-see, die durch Seehäfen erschlossen werden“, erläutert Warnke weiter das Programm. Zum anderen seien die großen, schiffbaren Flüsse Europas wie Rhein, Rhone, Elbe, Oder und Donau mit ihren Zuflüssen von Bedeutung, da sie eine Verbindung zwischen Nord- und Ostsee sowie Schwarzem Meer beziehungsweise Mittelmeer herstellen und Binnenhäfen aufweisen, die das Zentrum regionaler Verkehrsnetze bilden. An diese angebundenen Flussgebiete würden einerseits die ökonomischen Ressourcen des Hinterlandes anschließen und andererseits den weiträumigen Warentransfer erlauben. „Damit stellen Hafenanlagen Teile grundlegender Infrastrukturen als Schnittstelle zwischen Land und Wasser dar“, so Warnke.

Von der Römischen Kaiserzeit bis ins 13. Jahrhundert

Die von den vier Initiatoren für dieses Programm gewählte Zeitspanne reicht von der Römischen Kaiserzeit bis ins 13. Jahrhundert. Das SPP stellt auf seiner Webseite zur Diskussion: „Die Entwicklung in den einzelnen Regionen und Zeitabschnitten suggeriert bislang den Eindruck, dass sie isoliert und ohne Bezug zueinander stehen. Die bereits auf eine Jahrhunderte währende Tradition zurückblickenden Hafenanlagen des Mittelmeeres scheinen konstruktiv und funktional zunächst wenig mit den gleichzeitigen Strukturen der Binnenschifffahrt in den römischen Provinzen oder den sich im Frühmittelalter entwickelnden Seehandelsplätzen Nordeuropas vergleichbar zu sein. Dagegen vermag die Schiffsarchäologie durchaus technikgeschichtliche Verbindungen zwischen der Mittelmeerwelt und den Regionen nördlich der Alpen herzustellen. Ebenso stellt der historisch und archäologisch nachweisbare Fernhandel eine Möglichkeit für den Transfer von Kenntnissen zur baulichen Ausgestaltung und dem Betrieb von Hafenanlagen dar.“

 

Weitere Infos zum Schwerpunktprogramm „Häfen von der Römischen Kaiserzeit bis zum Mittelalter“ gibt es hier.

 

Quelle
Imke Engelbrecht
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Schiffahrtsmuseum

Tag des Offenen Denkmals in Berlin

Wie unerwartet farbig viele Berliner Denkmale sind, kann man beim Tag des offenen Denkmals am 13. und 14. September entdecken. Das diesjährige Schwerpunktthema „Farbe“ verspricht sinnliche Erlebnisse und lenkt den Blick auf Details wie Wandmalereien, Glasfenster und Mosaike. In Berlin warten weit über 300 Denkmale auf Entdeckung.
Fast alle Angebote sind kostenfrei. Für Führungen ist häufig eine rechtzeitige Anmeldung erforderlich.

Infos zum Programm am Tag des Offenen Denkmals findet ihr hier!