Umstrittenes „Frau Jesu“-Papyrus ist Fälschung – Forscher entlarvt angeblich antikes Schriftstück

Das „Frau Jesu“-Papyrus trieb die Medien- und Wissenschaftswelt lange Zeit um und sorgte für etliche Schlagzeilen über Jesus, Maria Magdalena und die Frauenwelt im frühen Christentum. Können auch Frauen Jünger von Jesus gewesen sein? Und hatte eine oder seine Frau womöglich doch beim letzten Abendmahl unter den Jüngern gesessen? Das ist zwar weiter unklar, klar ist aber: Das antike Papyrusstück ist eine „unglaubliche Fälschung“, wie ein Gastforscher an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster herausfand. Der Experte für neutestamentlichen Textforschung mit einem Schwerpunkt auf koptischen Bibel-Überlieferungen wies die Fälschung nun nach.

Seit September 2012 sorgte das „Frau Jesu“-Papyrus für Zündstoff in der Kirche und in der Wissenschaft: Muss die Geschichte zur Rolle der Frauen im frühen Christentum neu- beziehungsweise umgeschrieben werden? Im Juli 2010 war nämlich ein koptisch-ägyptisches Papyrus-Fragment, groß wie eine EC-Karte, aufgetaucht. Seine Entdeckerin, Kirchenhistorikerin Karen King von der Harvard-Universität, behauptete, auf die Frauen im Urchristentum falle ein neues Licht, auch sie könnten nämlich Jünger Jesus gewesen sein.

In der vermeintlichen Quelle wird Jesus zitiert, er spricht von „Maria“, später von „meiner Frau“ und sagt, „sie wird meine Schülerin sein können.“ Ein Unding für die bisherige männlich dominierte Geschichte des Christentums. Die Entdeckung löste einen Sturm an Berichterstattungen zur Frage „Hatte Jesus nun eine Frau oder nicht?“ aus. Hatte eine oder seine Frau womöglich doch beim letzten Abendmahl unter den Jüngern gesessen?

Aber nun ist klar: Nicht auf die Frauen, aber auf die Quelle, also das antike Papyrusstück, muss ein neues Licht geworfen werden. Es ist nämlich nicht nur nicht echt, sondern sogar eine „unglaubliche Fälschung“, wie der Gastforscher der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster (WWU), Dr. Christian Askeland, sagt.

Der 37-jährige Wissenschaftler widmet sich der neutestamentlichen Textforschung mit einem Schwerpunkt auf koptischen Bibel-Überlieferungen. Er machte sich im Rahmen des Forschungsaufenthaltes an der WWU die Mühe, in die Tiefen des umstrittenen Papyrus‘ einzutauchen, um das Rätsel zu lösen. Zu Hilfe kam ihm ein zweites angeblich antikes Papyrus-Fragment aus den ins Internet gestellten Forschungsmaterialien der Entdeckerin Karen King, das von derselben Quelle stammt, in ähnlicher Weise aufgebaut ist und von dessen Existenz man schon länger wusste, ohne aber Bilder oder eine genaue Beschreibung von ihm zur Verfügung zu haben.

Dieser Zufallsfund förderte Erstaunliches zutage: „Beide Papyri sahen so gleich aus“, sagt Christian Askeland. Auch die Tinte sei anscheinend identisch gewesen, ebenso das benutzte Schreibgerät. Das zweite Fragment ist aus einer koptischen Übersetzung des Johannesevangeliums und sei ganz offensichtlich eine Fälschung – buchstaben- und zeilentreu aus einem echten Papyrus des vierten Jahrhunderts kopiert. Hinzu kam, wie der Gastforscher feststellte, dass der im Dokument verwendete Dialekt für das 7. bis 9. Jahrhundert nach Christus, auf das Karen King das Papyrus datiert hatte, gar nicht möglich sei. Dieser besondere Dialekt sei nämlich bereits im frühen 6. Jahrhundert verschwunden. Wenn das neue Johannesevangelium-Fragment eine Fälschung sei, so die Schlussfolgerung von Christian Askeland, sei notwendigerweise das „Frau Jesu“-Fragment auch eine Fälschung.

Prof. Dr. Stephen Emmel vom Institut für Ägyptologie und Koptologie der WWU, der den Nachwuchsforscher betreute, war von der Arbeit seines Zöglings fasziniert. Erstaunt habe ihn, der schon 2012 Zweifel angemeldet hatte, die Entdeckung der Fälschung allerdings nicht, sei sie doch so offensichtlich gewesen: „Bislang hatte einfach der absolut sichere Beweis gefehlt“, meint Stephen Emmel. Über Christian Askeland sagt er: „Er hat über die koptische Übersetzung des Johannesevangeliums promoviert. Somit war er genau der Richtige, der das entdecken konnte“, sagt der Koptologe. Die Fälschung hält er für recht jung. „Sie dürfte in den vergangenen zehn Jahren entstanden sein“, mutmaßt der Experte.

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Quelle:
Juliane Albrecht
Presse- und Informationsstelle
Westfälische Wilhelms-Universität Münster

Basler Ägyptologen identifizieren Grab der Königskinder

Wer hatte das Privileg, das ewige Leben nahe beim Pharao zu verbringen? Ausgrabungen von Ägyptologen der Universität Basel im ägyptischen Tal der Könige zeigen, dass in einer Ruhestätte nahe der Königsgräber die Kinder sowie weitere Angehörigen von zwei Pharaonen bestattet wurden.

Seit drei Jahren arbeiten Basler Ägyptologen im Rahmen des University of Basel Kings‘ Valley Project an der Grabanlage KV 40 im Tal der Könige nahe der Stadt Luxor. Von aussen deutete nur eine Senke im Boden auf die Präsenz eines Schachtgrabes hin. Über den Grundriss der Ruhestätte KV 40 war genauso wenig bekannt wie darüber, für wen sie angelegt und wer darin beigesetzt wurde.

Die Ägyptologen vermuteten, dass es sich um ein nichtkönigliches Grab handelt und datierten es aufgrund seiner Lage in die Zeit der 18. Dynastie. Sie reinigten den sechs Meter tiefen Schacht, der Zugang zu fünf unterirdischen Räumen gewährt, und bargen die zahlreichen Überreste von Grabbeigaben, Särgen und Bestattungen.

Mumifizierte Königskinder

Im Mittelraum und in drei Seitenräumen stiessen die Forscher auf die mumifizierten Überreste von über 50 Personen. Anhand von beschrifteten Keramikgefässen konnten die Wissenschaftler während der diesjährigen Feldarbeiten nun über 30 Personen namentlich identifizieren. Laut Titeln wie «Königssohn» und «Königstochter» handelt es sich zumeist um Familienmitglieder der beiden Pharaonen Thutmosis IV. und Amenhotep III., die ihrerseits im Tal der Könige bestattet wurden. Beide Pharaonen gehörten der 18. Dynastie (Neues Reich) an und regierten im 14. Jahrhundert v. Chr.

Unter den Beigesetzten von KV 40 befinden sich mindestens acht bisher unbekannte Königstöchter, vier Prinzen und einige «Ausländerinnen», wie sich aus den Inschriften in hieratischer (einer mit den Hieroglyphen verwandten) Schrift schliessen lässt. Bei den meisten handelt es sich um Erwachsene, doch wurden hier auch Kinder beigesetzt: «Wir fanden auffallend viele aufwendig mumifizierte Neugeborene und Kleinkinder, die sonst eher einfach bestattet wurden», beschreibt die Ägyptologin Prof. Susanne Bickel den Fund. «Wir vermuten, dass die Mitglieder des königlichen Haushalts über einen Zeitraum von mehreren Jahrzehnten in diesem Grab beigesetzt worden sind.»

Die Identifizierung von Personen, die in der Umgebung der Königsgräber bestattet wurden, gibt dem Forscherteam Aufschluss darüber, wer das Privileg hatte, so nahe beim Pharao das ewige Leben zu verbringen. «In rund zwei Dritteln der Gräber im Tal sind keine Könige bestattet, aber weil diese unbeschriftet sind und stark beraubt wurden, konnten wir bisher meist nur Mutmassungen anstellen, wen man darin begraben hat», erläutert Susanne Bickel die Bedeutung des Funds für die ägyptologischen Forschung.

Spuren späterer Begräbnisse

Obwohl das Grab in der Antike und vermutlich Ende des 19. Jahrhunderts mehrfach ausgeraubt wurde, fanden die Forscher zahlreiche Fragmente der Grabausstattungen wie Sarg- und Stoffreste. «Die Funde und auch die Wände sind von einem Grossbrand stark verrusst, der wohl durch die Fackeln der Grabräuber ausgelöst wurde», vermutet Susanne Bickel. Die Fragmente von verschiedenen Holz- und Kartonagesärgen zeigen, dass die Grabanlage KV 40 nach der Aufgabe des Tals als Pharaonennekropole noch einmal genutzt wurde, diesmal als Beisetzungsort für Angehörige von Priesterfamilien im 9. Jahrhundert v. Chr.

Anthropologische Untersuchungen sowie die weitere Bearbeitung der Grabausstattung werden nun genaueren Aufschluss über die Zusammensetzung und die Lebensbedingungen des pharaonischen Hofstaats der 18. Dynastie und dessen Bestattungssitten liefern.

University of Basel Kings‘ Valley Project

Das archäologische Forschungsprojekt unter der Leitung der Basler Ägyptologin Prof. Susanne Bickel erforscht seit 2009 die Nutzung des Tals der Könige durch auserwählte Mitglieder der Elite und der Königsfamilie im Umkreis der Königsgräber. Den Wissenschaftlern des University of Basel Kings‘ Valley Project, das von der Gertrud Mayer-Stiftung in Basel finanziell unterstützt wird, gelang 2012 die Entdeckung des Grabes KV 64 im Tal der Könige in Zusammenarbeit mit den ägyptischen Behörden und lokalen Arbeitern.

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Quelle:

Olivia Poisson
Kommunikation & Marketing
Universität Basel

Homo sapiens zog früher aus Afrika aus als gedacht

Der anatomisch moderne Mensch hat sich von Afrika aus in mehreren Wanderungswellen nach Asien und Europa ausgebreitet. Die ersten Vorfahren heutiger Menschen nahmen dabei wahrscheinlich schon vor rund 130.000 Jahren eine südliche Route über die Arabische Halbinsel in Richtung Asien. Zu diesem Ergebnis kommen Professorin Katerina Harvati und ihre Mitarbeiter vom Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie der Universität Tübingen und dem Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universität von Ferrara, Italien, und dem Nationalmuseum für Naturgeschichte, Frankreich. 

Die Forscher überprüften verschiedene hypothetische Ausbreitungsszenarios anhand geografisch möglicher Routen, genetischer Daten und vergleichender Schädeluntersuchungen. Als Resultat setzen sie die erste Auswanderungswelle aus Afrika im Mittleren statt im Späten Pleistozän und damit früher an, als bisherige Untersuchungen ergeben hatten. Eine zweite Ausbreitungswelle ins nördliche Eurasien erfolgte ihren Untersuchungen zufolge vor rund 50.000 Jahren. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Wissenschaftler in der Online-Ausgabe (Online Early Edition) der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences.

Dass alle heutigen Menschen von einer Population abstammen, die vor 100.000 bis 200.000 Jahren in Afrika lebte, ist unter Wissenschaftlern kaum umstritten. Doch bisher gingen viele beim Auszug unserer Vorfahren aus Afrika von einer einzigen Wanderungsbewegung vor 50.000 bis 75.000 Jahren aus. Dafür schien die Beobachtung zu sprechen, dass die genetische Vielfalt und die morphologische Diversität der Menschen mit wachsender geografischer Entfernung vom subsaharischen Südafrika abnahmen. Neuere Ergebnisse genetischer, archäologischer und paläoanthropologischer Studien stellen dieses Szenario jedoch in Frage.

Die Forscher um Professorin Katerina Harvati überprüften die beiden gängigen Out-of-Africa-Hypothesen einer einzelnen gegenüber mehrfachen Wanderungsbewegungen der anatomisch modernen Menschen aus Afrika. In ihren Untersuchungen nutzten sie Daten anatomischer Schädelvergleiche heutiger Menschen aus verschiedenen Regionen, neutrale genetische Daten und die zurückzulegenden Distanzen der verschiedenen möglichen Ausbreitungsrouten. Ebenso wurden basierend auf den genetischen Daten und dem jeweiligen Ausbreitungsmodell die Zeitspannen berechnet, die zur Aufspaltung der Populationen notwendig waren. Jedes Ausbreitungsszenario ist mit spezifischen geografischen und zeitlichen Voraussetzungen verbunden. Diese bekannten Parameter stellten die Forscher den neutralen biologischen Distanzen aus den genetischen und anatomischen Untersuchungen gegenüber.

„Beide Beweisketten, sowohl die anatomischen Schädelvergleiche als auch die genetischen Daten, sprechen für mehrfache Auswanderungswellen“, sagt Katerina Harvati. Eine erste Gruppe unserer Vorfahren brach vor rund 130.000 Jahren von Afrika aus auf und wanderte an der Küste der Arabischen Halbinsel entlang bis nach Australien und in das Gebiet des Westpazifiks. „Australier, Papuas und Melanesier blieben nach dieser frühen Ausbreitung über die Südroute zunächst relativ isoliert“, sagt Hugo Reyes-Centeno, Erstautor der Studie und Mitarbeiter des Tübinger Forscherteams. „Andere asiatische Populationen scheinen dagegen einer späteren Auswanderungswelle zu entstammen, die vor etwa 50.000 Jahren von Afrika aus ins nördliche Eurasien aufkam.“ 

Die Forscher gehen davon aus, dass weitere Feldstudien sowie Fortschritte in der Genetik die Befunde zu den Wanderrouten der urgeschichtlichen Menschen besser absichern und weitere Details in der raumzeitlichen Auflösung liefern können. Bisher lässt sich nur spekulieren, ob zum Beispiel starke Dürrezeiten in Ostafrika in der Zeit zwischen 135.000 und 75.000 Jahren die Wanderungen ausgelöst und die Entwicklung der menschlichen Populationen beeinflusst haben könnten. Die südliche Route umfasst ein großes geografisches Gebiet, in dem zum jetzigen Zeitpunkt nur wenige archäologische und anthropologische Forschungen stattgefunden haben und welches daher für künftige Forschungen sehr vielversprechend ist.

 

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Quelle:
Dr. Karl Guido Rijkhoek
Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

Deutsche Archäologen entdecken Goldmünzen aus dem 6. Jahrhundert in einem koptischen Kloster in Luxor

Ein Team des Deutschen Archäologischen Instituts hat im Kloster Deir el-Bachît, dem antiken Pauloskloster (Dra’ Abu el-Naga Nord/Theben-West), einen aus 29 byzantinischen Goldmünzen bestehenden Hortfund entdeckt.

Der Münzhort wurde in einer kleinen Kapelle gefunden, die in ein pharaonisches Grab eingebaut war und zu den ältesten Einrichtungen des Klosters gehört. Die Münzen selbst waren in ein Tuch gewickelt in einer Säule des Altartisches versteckt und können in zwei Gruppen unterteilt werden: 18 größere Münzen, bei denen es sich um Solidi handelt, und elf kleinere, sog. Tremisses.
Nach einer ersten Sichtung lassen sich die Münzen den Kaisern Valens, Valentinian, Justin I. und Justinian I. zuordnen. Mit dem dadurch gewonnenen Datierungsansatz für eine Deponierung im 6. Jahrhundert n. Chr. findet sich der früheste Nachweis für eine Klosterkapelle in Theben-West. Darüber hinaus liefert der Fund einen zeitlichen Beleg für die Umwandlung der von einem Eremiten seit dem 5. Jahrhundert n. Chr. als Wohnbehausung genutzten Grabhöhle in ein sakrales Zentrum, das bis ins 12. Jahrhundert Bestand hatte, wie Besucherinschriften belegen. Der Fund gibt außerdem interessante Einblicke in die ökonomische Situation eines Klosterverbandes der Spätantike.

Die Ausgrabung findet im Rahmen eines von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) finanzierten Kooperationsprojektes zwischen dem Deutschen Archäologischen Institut Kairo (Dr. Daniel Polz), dem Römisch-Germanischen Zentralmuseum Mainz (Dr. Ina Eichner) und der Ludwig-Maximilians-Universität München (Dr. Thomas Beckh) statt.

 

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Quelle:
Nicole Kehrer M.A.
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Deutsches Archäologisches Institut

Das Berliner Antike-Kolleg nimmt seine Tätigkeit im Archäologischen Zentrum auf

Die Geschäftsstelle des Berliner Antike-Kollegs zieht dauerhaft in das Archäologische Zentrum in unmittelbarer Nähe der Museumsinsel. Damit wird die international herausragende fächer- und institutionenübergreifende Zusammenarbeit in den Altertumswissenschaften in Berlin weiter ausgebaut. Zum Kolleg, das 2011 aus dem Exzellenzcluster Topoi hervorgegangen ist und mit diesem eng kooperiert, gehört auch eine Graduiertenschule zur Doktorandenausbildung. Ein weiterer Bereich ist das Research Center of Ancient Studies, mit dem der internationale wissenschaftliche Austausch in Berlin gefördert werden soll.

Das Berliner Antike-Kolleg ist mit dem Exzellenzcluster Topoi eng verzahnt und wird wie dieses von allen Institutionen getragen, die sich in Berlin mit der Alten Welt beschäftigen: Beteiligt sind Freie Universität und Humboldt-Universität zu Berlin, die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften, das Deutsche Archäologische Institut, das Max-Planck-Institut für Wissenschaftsgeschichte und die Stiftung Preußischer Kulturbesitz. Das Zentrum umspannt unter anderem die Disziplinen Archäologie, Geschichtswissenschaft, Philologie und Philosophie; integriert sind auch Geo- und andere Naturwissenschaften.

Das 2012 eröffnete Archäologische Zentrum vereint die archäologischen Kompetenzen der Staatlichen Museen zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz unter einem Dach. Es bietet damit eine interdisziplinäre Plattform für eigene Mitarbeiter sowie Wissenschaftler und Studierende aus dem In- und Ausland. Fünf archäologische Museen von Weltrang nutzen das Zentrum: das Ägyptische Museum und die Papyrussammlung, die Antikensammlung, das Museum für Islamische Kunst, das Museum für Vor- und Frühgeschichte und das Vorderasiatische Museum haben hier Büros, Arbeitsplätze für Wissenschaftler, Depots und Restaurierungswerkstätten. Außerdem haben das Zentralarchiv der Staatlichen Museen zu Berlin und die Archäologische Bibliothek der Kunstbibliothek hier ihren Sitz. Damit besteht eine einzigartige Infrastruktur für die Beschäftigung mit den Altertumswissenschaften, wie sie vom Berliner Antike-Kolleg betrieben wird.

Der erste Fellow des Berliner Antike-Kollegs in diesem Jahr ist Prof. Dr. Orhan Bingöl von der Universität Ankara. Vom 1. März bis 31. Mai 2014 wird er sich mit der Grabungsgeschichte der antiken Stadt Magnesia in der heutigen Türkei beschäftigen; Berliner Archäologen hatten die Überreste der Stadt Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts freigelegt. Orhan Bingöl, seit den 1980er Jahren selbst Grabungsleiter in Magnesia am Mäander, nutzt die Quellenbestände der am Berliner Antiker Kolleg beteiligten Institutionen: Tagebücher und Briefe der Archäologen sowie weitere wichtige zeitgeschichtliche Dokumente werden im Deutschen Archäologischen Institut aufbewahrt; weitere Quellen existieren in den Archivbeständen der Staatlichen Museen zu Berlin.

Das Berliner Antike Kolleg wird von einem aus drei Personen bestehenden Vorstand geleitet: Vorsitzender des Vorstands ist derzeit Prof. Dr. Dres. h. c. Christoph Markschies von der Humboldt-Universität zu Berlin. Seine Position übernimmt im April Prof. Dr. Eva Cancik-Kirschbaum von der Freien Universität. Weiteres Mitglied des Vorstands als Vertreter der außeruniversitären Einrichtungen ist der Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Prof. Dr. Dr. h. c. mult. Hermann Parzinger. Geschäftsführerin der Einrichtung ist die promovierte Ägyptologin Henrike Simon.

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Quelle:
Dr. Nina Diezemann
Stabsstelle für Presse und Kommunikation
Freie Universität Berlin

Römisch–Germanisches Zentralmuseum etabliert internationales Forschungsprojekt »Caričin Grad«

Das Römisch-Germanische Zentralmuseum (RGZM) beginnt 2014 ein langfristiges interdisziplinäres Forschungsprojekt zur Untersuchung der frühbyzantinischen Stadt Caričin Grad im heutigen Südserbien. Dieses wird in Kooperation mit dem Institut für Archäologie, Belgrad (IA) und der École française de Rome (EFR) durchgeführt. Beide Institutionen arbeiten bereits seit 1978 erfolgreich gemeinsam in Caričin Grad. Inhaltlich ist das Projekt an den »WissenschaftsCampus Mainz: Byzanz zwischen Orient und Okzident« angeschlossen. Das im Leibniz-Wettbewerb geförderte Projekt schafft der Forschung des RGZM wertvolle wissenschaftliche Kontakte in Belgrad, aber auch in Italien und Frankreich.

Zeiten des kulturellen Umbruchs bedeuten Veränderungen mit häufig unumkehrbaren Auswirkungen für die betroffenen Gesellschaften, die dabei mit vielfältigen Herausforderungen konfrontiert werden. Den Umgang mit entsprechenden Auswirkungen zu analysieren ist ein zunehmend wichtiges Thema in der Archäologie. Hierfür ist Caričin Grad ein besonderes Beispiel. Die Geschichte und Erhaltung der Fundstelle bieten ideale Bedingungen, um eine Siedlung in der Übergangsphase von der Spätantike zum Frühmittelalter zu untersuchen.

Die in Südserbien gelegene byzantinische Ruinenstadt ist vermutlich identisch mit »Iustiniana Prima«, der schriftlich belegten Neugründung Kaiser Justinians. Wird Caričin Grad zu Recht mit »Iustiniana Prima« identifiziert, so stellte es als Erzbistum das administrative und religiöse Zentrum der Region dar. Die Ruinen von Caričin Grad passen in dieses Bild. Der Ort bestand gemäß dem Fundmaterial von ca. 530 bis ca. 615 n. Chr. Er zeigt repräsentative urbane Architektur in antiken Traditionen und vereint die etablierten Charakteristika einer hellenistisch-römischen Stadt mit den jüngeren einer Siedlung christlicher Prägung. Die Architektur, insbesondere die repräsentativen Bauten sind bereits Gegenstand umfassender Untersuchungen und Rekonstruktionen.

Inhaltlich sollen daher in den folgenden Jahren vor allem Fragen zur Wirtschafts-, Umwelt- und Sozialgeschichte behandelt werden. Hierbei wird das Umland Caričin Grads zur Rekonstruktion der zeitgleichen Kulturlandschaft einbezogen. Langfristig soll ein Bild der Stadt als Humanökosystem rekonstruiert werden, welches sowohl die Umweltfaktoren als auch die Gesellschaft berücksichtigt. Die erste Kampagne der Feldforschungen findet im Sommer 2014 statt. Die Projektleitung für das RGZM übernimmt Dr. Rainer Schreg.

„Die klar umrissene Dauer der Belegung, und die Tatsache, dass nach der Auflassung der Stadt keine weitere Überbauung erfolgte, machen »Caričin Grad« zu einer Fundstelle mit außergewöhnlichem Forschungspotential. Wir freuen uns daher sehr auf die Zusammenarbeit mit den serbischen und französischen Kollegen in diesem spannenden Projekt“, so Professor Falko Daim, Generaldirektor des RGZM.

Das RGZM ist eine weltweit tätige Forschungseinrichtung für Archäologie mit Hauptsitz in Mainz sowie Nebenstellen in Mayen und Neuwied. 1852 vom Gesamtverein der deutschen Geschichts- und Altertumsvereine gegründet, ist es seit 1870 eine Stiftung des öffentlichen Rechts und seit 2002 Mitglied der Leibniz-Gemeinschaft.
Archäologen und Naturwissenschaftler untersuchen am RGZM vergangene Gesellschaften auf der Grundlage archäologischer Quellen: Hierbei steht der Mensch in Wechselwirkung mit seiner Umwelt im Mittelpunkt. Stärken des RGZM liegen in der Zusammenarbeit zwischen Wissenschaft, Restaurierung und Archäometrie sowie in seiner internationalen und interdisziplinären Vernetzung. In mehreren Museen und breitgefächerten Publikationen aus dem eigenen Verlag vermittelt es seine Forschungsergebnisse an die Öffentlichkeit.

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Quelle:
Christina Nitzsche
Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit
Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) – Forschungsinstitut für Archäologie

Homo floresiensis doch eine eigene Species

Seit der Entdeckung streitet sich die Wissenschaft darüber, ob es sich bei Homo floresiensis um eine kleinwüchsige Inselpopulation des Homo erectus oder um krankheitsbedingt veränderte Überreste von anatomisch modernen Menschen handelt. Wissenschaftler des Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment der Universität Tübingen untersuchten in Zusammenarbeit mit Kollegen von der Stony Brook University New York und der Universität von Minnesota die anatomischen Merkmale der gefundenen Schädel. Die Ergebnisse unterstützen die Theorie, dass H. floresiensis eine eigene Art der Gattung Homo darstellt. Die Forschungsergebnisse wurden in PLOS ONE publiziert.

Seit der Entdeckung der etwa 18.000 Jahre alten Überreste auf der indonesischen Insel Flores ist die Abstammung des Homo floresiensis stark umstritten. Grundlegende Frage ist, ob es sich um eine eigene Art handelt oder nicht. Hatte sich auf der Insel eine kleinwüchsige Population des Homo erectus etabliert? Oder waren es moderne Menschen, die an einer Krankheit litten? Der Schädel mit der Fundnummer LB1 hat eine geringe Größe und umfasste wohl nur ein eher kleines Gehirn. Als Ursachen kämen zum Beispiel eine Form der Unterfunktion der Schilddrüse oder das Laron-Syndrom sowie Mikrozephalie in Frage.

An digitalen Darstellungen der Schädel analysierten die Forscher mit Hilfe dreidimensionaler Vermessung (Geometric-Morphometric Untersuchungen) und multivarianter statistischer Berechnungen die Koordinaten der anatomischen Merkmale der Schädeloberfläche.
Sie verglichen die Form des LB1-Schädels sowohl mit fossilen Schädeln verschiedener Arten der Gattung Homo als auch mit denen moderner Menschen, die an unterschiedlichen Krankheiten litten, die als Auslöser für Kleinwüchsigkeit bekannt sind.

„Damit liegt eine umfassende Untersuchung der beiden wichtigsten, gegensätzlichen Hypothesen zur umstrittenen Einordnung des Homo floresiensis vor“, so Professorin Katerina Harvati. Die Ergebnisse zeigen, dass der LB1-Schädel größere Übereinstimmungen mit der Gruppe der fossilen als mit den modernen, krankheitsbedingt veränderten Schädeln aufweist.
Obwohl die Oberfläche Ähnlichkeiten zu den von Krankheit deformierten Schädeln zeigt, existieren bei LB1 doch zusätzliche Merkmale, die diesen Schädel ausschließlich mit den fossilen Funden verbinden.

„Unsere Ergebnisse erbringen den bisher eindeutigsten Nachweis einer engen Verbindung zwischen Homo floresiensis und den fossilen Überresten der Gattung Homo“, fassen die Autoren die Resultate des Forscherteams zusammen: „Unsere Studie widerspricht der Hypothese, dass es sich bei LB1 um einen anatomisch modernen Menschen handelt, der an einer krankheitsbedingten Veränderung, wie sie zum Beispiel durch Mikrozephalie verursacht wird, litt.“

Publikation:

Baab, Karen L.; Mc Nulty, Kieran P.; Harvati, Katerina: Homo floresiensis contextualized: a geometric morphometric comparative analysis of fossil and pathological human samples, PLOS ONE (2013):http://dx.plos.org/10.1371/journal.pone.0069119

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Quelle:
Dr. Sören Dürr
Senckenberg Pressestelle
Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseen

Den Urmenschen auf der Spur

Pressekonferenz der Wissenschaftler und der namibischen San-„Buschleute“ zu ihrem Projekt „Tracking in Caves“

Das Team „Tracking Caves“, bestehend aus Wissenschaftlern und Fährtenlesern, wird in einer Pressekonferenz von seinen Entdeckungen in den eiszeitlichen Bilderhöhlen der südfranzösischen Ariège berichten. Vor über einem Monat war die Expedition zuerst nach Namibia aufgebrochen, um sich dort mit den drei Fährtenlesern vom Volk der San („Buschmänner“) vorzubereiten. Seit Anfang des Monats haben die erfahrenen Spurensucher Tsamkxao Cigae, C/wi /Kunta und C/wi G/aqo De!u die Geschichte hinter den Hand- und Fußabdrücken im Höhlenboden enträtselt. Nun stellen Wissenschaftler und Fährtenleser die Ergebnisse auf einer Pressekonferenz vor. Die Universität zu Köln und das Neanderthal Museum in Mettmann laden zu der Pressekonferenz herzlich ein. Die Klicksprache der Buschleute wird von Tsamkxao Cigae ins Englische übersetzt.

Dr. Tilman Lenssen-Erz von der Forschungsstelle Afrika der Universität zu Köln und Dr. Andreas Pastoors vom Neanderthal Museum in Mettmann sind Leiter des Projektes. Die Wissenschaftler sind Experten der Höhlenkunst und Felsbildmalerei. Tsamkxao Cigae arbeitet als Jagdführer auf der Tsumkwe Country Lodge, lebt in Tsumkwe; spricht gut Englisch und wird als Übersetzer fungieren. C/wi /Kunta arbeitet als Fährtensucher für einen professionellen Jäger, lebt in //xa/oba, einem Dorf 20 km nördlich von Tsumkwe, wo auch als „Living Hunters Museum“ die gegenwärtige und traditionelle Lebensweise der San für Touristen dargeboten wird. C/wi G/aqo De!u arbeitet als Fährtensucher für Jagdgesellschaften, lebt in einem Dorf ca. 20 km SSW von Tsumkwe.

Der Hintergrund des Projekts ist der zum Teil exzellente Erhaltungsgrad der Spuren. Eine Reihe von Höhlen in den Pyrenäen enthalten bis zu 17000 Jahre alte Fuß- und Handabdrücke des eiszeitlichen modernen Menschen. Bis heute wurden diese Zeugnisse unserer Vorfahren nicht ausreichend untersucht. Ein Team von Archäologen der Universität zu Köln und des Neanderthal Museums in Mettmann haben dafür eine Gruppe besonderer Spezialisten angeworben: Jäger der San (Buschmänner) aus Namibia.

Die Jäger sind hervorragende Fährtenleser, die Details aus den Spuren lesen können, die anderen Betrachtern entgehen. „Die San gehören zu den letzten ‚gelernten‘ Jägern und Sammlern des südlichen Afrika“, erklärt Tilman Lenssen-Erz. „Die Spuren in den Höhlen wurden also von Leuten untersucht, die wirklich etwas davon verstehen.“ Der Wissenschaftler vergleicht das Vorgehen der Buschleute dabei mit der wissenschaftlichen Empirie. „Es ist eine Vorform der geisteswissenschaftlichen wissenschaftlichen Arbeit. Man erarbeitet eine Hypothese, die dann an den Fakten überprüft wird. Das ist ein Wissenschaftsprozess, der dabei abläuft.“

Das Forschungsfeld der Abdrücke liegt im Moment brach. Die Vorgeschichtsforscher haben bis jetzt Lage und Größe der Abdrücke aufgenommen. Andreas Pastoors möchte aber mehr: „Wir erhoffen uns ein Plus an Informationen: Ob die Person in Eile war, ob sie vielleicht krank war oder etwas getragen hat. Mehr Informationen, die Leben in die Abdrücke bringen.“ Dahinter steht der Wunsch, die kulturellen Erzeugnisse der Urmenschen besser zu verstehen: „Unsere große Aufgabe ist es, die Höhlenkunst zu interpretieren und herauszufinden, was die Menschen in diesen Höhlen mit den Höhlenbildern gemacht haben. Wir müssen alle Informationen über den Kontext dieser Bilder heranziehen.“

Wann: 17. Juli 2013, 11.00 Uhr

Ort: Neues Seminargebäude, Tagungsraum im Erdgeschoss
Albertus-Magnus-Platz

Weitere Informationen gibt es hier.

Quelle:
Gabriele Rutzen
Presse und Kommunikation
Universität zu Köln

Grabungen in Asien zeigen Neues zur Kulturgeschichte der Landwirtschaft

Archäologen der Universität Tübingen dokumentieren die Ursprünge der Landwirtschaft im iranischen Zagros-Vorgebirge.

Seit Jahrzehnten erforschen Archäologen die Ursprünge der Landwirtschaft im Vorderen Orient. Diese Forschungen wiesen bislang auf eine frühe Pflanzendomestikation im westlichen und nördlichen „Fruchtbaren Halbmond“ hin, eine regenreiche Region, die sich von der Küste Israels bis zum Iran erstreckt. In der Ausgabe des Fachmagazins Science vom 5. Juli zeigen Wissenschaftler der Universität Tübingen, des Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment Tübingen und vom Iranischen Zentrum für Archäologische Forschung, dass das iranische Vorland des Zagros-Gebirges im östlichen Teil des „Fruchtbaren Halbmondes“ ebenfalls ein Schlüsselgebiet bei der ersten Domestikation wilder Pflanzen zu Kulturpflanzen darstellt.

Die Archäologen Professor Nicholas Conard und Mohsen Zeidi aus Tübingen führten zwischen 2009 und 2010 archäologische Ausgrabungen am Tell-Fundplatz Chogha Golan durch. Sie fanden eine acht Meter tiefe Abfolge von ausschließlich akeramischen Kulturschichten des Neolithikums, die in einen Entstehungszeitraum zwischen 11.700 und 9.800 Jahren vor heute fallen. Bei Ausgrabungen wurde eine Fülle von Bauresten, Stein- und Knochengeräten und figürlichen Darstellungen von Menschen und Tieren gefunden. Vermutlich am bedeutendsten waren zudem die Funde der bislang reichsten Ablagerungen verkohlter Pflanzenreste, die jemals aus dem akeramischen Neolithikum des Vorderen Orients geborgen wurden.

Simone Riehl, Leiterin des Archäobotanischen Labors in Tübingen, wertete mehr als 30.000 Pflanzenreste aus 75 Verwandtschaftsgruppen am Chogha Golan aus, die einen Zeitraum von mehr als 2000 Jahren umfassen. Die Ergebnisse zeigen, dass die Ursprünge der Landwirtschaft im Vorderen Orient multiplen Zentren zuzuordnen sind und nicht, wie bislang angenommen, einem einzigen Kerngebiet entspringen. Daraus schließen die Wissenschaftler, dass der östliche Teil des „Fruchtbaren Halbmondes“ eine Schlüsselrolle im Prozess der Domestikation einnahm.

Viele Fundplätze des akeramischen Neolithikums weisen nur kurze Besiedlungsphasen auf. Im Gegensatz dazu steht die lange Sedimentabfolge am Chogha Golan, die es ermöglichte, die Langzeitentwicklung menschlicher Subsistenz an einer Fundstelle zu untersuchen. Unter den Pflanzenresten vom Chogha Golan finden sich am häufigsten die wilden Vorfahren unserer heutigen Kulturpflanzen, wie Wildgerste, Aegilops und Linse. Diese und andere Arten kommen bereits in den ältesten Siedlungsschichten (Horizont XI) sehr häufig vor und stammen aus dem Ende der letzten Eiszeit vor ca. 11.700 Jahren. In der Siedlungsschicht Horizont II, die auf 9.800 Jahre datiert wird, taucht domestizierter Emmer-Weizen auf.

Die Pflanzenreste vom Chogha Golan repräsentieren einen einzigartigen Langzeitbeleg der Kultivierung wilder Pflanzenarten im östlichen „Fruchtbaren Halbmond“. Über einen Zeitraum von zwei Jahrtausenden entwickelte sich die Bewirtschaftung an der Fundstelle hin zu domestizierten Arten, die eine Basis für die Entstehung sesshafter Dorfsiedlungen und nachfolgender Zivilisationen im Vorderen Orient bildeten. Pflanzen wie verschiedene Weizenformen, Gerste und Linse begleiteten später zusammen mit domestizierten Tieren die frühen Ackerbauern auf ihrem Weg über das westliche Eurasien, wo sie allmählich die einheimischen Jäger- und Sammler-Populationen ersetzten. Viele der Pflanzen, die im „Fruchtbaren Halbmond“ domestiziert wurden, stellen die ökonomische Basis und Nahrungsgrundlage der heutigen Weltbevölkerung dar.

Mehr Informationen gibt es hier.

Quelle:

Myriam Hönig, Antje Karbe
Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

Digital Classicist Seminar Berlin 2013/14: Call for Papers

Wir freuen uns, hiermit den Call for Papers für die zweite Reihe des
Digital Classicist Seminar Berlin im Wintersemester 2013/14
bekanntgeben zu können. Diese Seminarreihe orientiert sich an dem
Digital Classicist Work in Progress Seminar [2] in London und wird
unter anderem von dem Deutschen Archäologischen Institut und dem
Excellenzcluster TOPOI in Berlin veranstaltet.

Sie sind herzlich dazu eingeladen, Beiträge einzureichen, welche die
innovative Anwendung moderner digitaler Methoden, Ressourcen und
Techniken in den verschiedensten Bereichen der Altertumswissenschaften
thematisieren. Vorschläge in deutscher oder englischer Sprache im
Umfang von **300-500 Wörtern** (ohne bibliographische Angaben) können
bis spätestens **Mitternacht (MET) am 1. September 2013** über die
unten genannte Webseite hochgeladen werden [3].

Die Vorträge können beispielsweise folgende Themenbereiche
adressieren: digitale Editionen, Technologien zur maschinellen
Sprachverarbeitung, Bildverarbeitung und Visualisierung, Linked Data
und Semantic Web, Open Access, Raum- und Netzwerk-Analyse sowie andere
digitale oder statistische Methoden. Besonders werden dabei Vorschläge
begrüßt, aus denen hervorgeht, wie dank der Anwendung digitaler
Methoden fachübergreifende Fragen beantwortet werden können. Die im
Seminar präsentierten Inhalte sollten sowohl Philologen, Historiker
und Archäologen als auch Informationswissenschaftler und andere
Personen mit wissenschaftlichem Interesse an den genannten
Fragestellungen ansprechen.

Die Seminare werden alle 14 Tage jeweils **dienstags um 18.00 – 19.30
Uhr** in den Räumen der TOPOI-Häuser in Dahlem oder Mitte stattfinden
[4]. Das vollständige Programm wird voraussichtlich Mitte September
bekannt gegeben werden. Wie im vergangenen Jahr sollen die Seminare
aufgezeichnet und als Videos online bereitgestellt werden. Außerdem
wird angestrebt, die Beiträge in einem Band der neuen Open Access
Reihe von TOPOI zu veröffentlichen [5]. Die Vortragenden sollen so
weit wie möglich bei der Finanzierung ihrer Reise- und
Unterkunftskosten unterstützt werden. Nähere Informationen dazu werden
bei der Veröffentlichung des Programms mitgeteilt.

Weitere Informationen hierzu finden Sie hier.

Quelle:

Nicole Kehrer

Pressestelle

Deutsches Archäologisches Institut