Die steinzeitlichen Wurzeln der Schriftzeichen

Bereits vor 12.000 Jahren erschufen Steinzeitmenschen auf dem Berg Göbekli Tepe in der heutigen Türkei ein Höhenheiligtum, das sich einer entwickelten Bildsprache bediente. Prof. Dr. Ludwig Morenz, Ägyptologe an der Universität Bonn, stellt in seinem Buch dar, wie diese frühen Vorläufer der Schriftzeichen zu einer kulturellen Revolution im Denken und Handeln der Menschen führte.

Seit Urzeiten hat sich der Mensch für die Nachwelt verewigt: Vor Jahrzehntausenden hinterließen eiszeitliche Jäger ihre Höhlenmalereien. Über abstrakte Bildzeichen ging die Entwicklung allmählich weiter bis zur Schrift. Bereits vor mehr als 5.000 Jahren verwendeten die Altägypter Hieroglyphen als älteste Schriftzeichen. „Wie sich abstrakte Bildzeichen in Schriftzeichen wandelten, lag lange weitgehend im Dunkeln“, sagt Prof. Dr. Ludwig Morenz von der Abteilung für Ägyptologie der Universität Bonn.

Mit den Grabungen des Deutschen Archäologischen Instituts unter der Leitung von Prof. Dr. Klaus Schmidt von der Universität Erlangen-Nürnberg auf dem Berg Göbekli Tepe in Südanatolien kam ein steinzeitliches Heiligtum zum Vorschein. Nahe der heutigen türkischen Stadt Sanliurfa – dem antiken Edessa – errichteten Menschen gegen Ende der Eiszeit vor rund 12.000 Jahren mehrere monumentale Ringanlagen, die von T-förmigen, aus Kalkstein gefertigten Pfeilern beherrscht werden.

Fehlendes Bindeglied zwischen Bildern und Schrift

„Das Höhenheiligtum ist so etwas wie das fehlende Bindeglied zwischen Bildern und den ersten Schriftzeichen“, sagt Prof. Morenz, der zusammen mit Prof. Schmidt mehrere Jahre lang die in Göbekli Tepe entdeckten frühneolithischen Zeichen untersuchte. „Sie erlauben neue Einsichten in historische Tiefen der menschlichen Kommunikation.“ Häufig finden sich auf den T-Pfeilern in Flachreliefen dargestellte Tiere, darunter Schlangen, Skorpione, Füchse, Kraniche, Gazellen und Wildesel. Außerdem gibt es stärker abstrahierte Zeichen wie Tiere, Hände oder die Kombination aus Mondscheibe und -sichel.

„Es handelt sich dabei um einen Sprung in eine neue mediale Welt“, sagt der Experte für Bildersprache und Zeichentheorie. Immerhin sei diese frühe Form der Bildzeichen mehr als doppelt so alt wie die ältesten Schriftzeichen der Altägypter. Zum Ende der Eiszeit wurden Grundlagen gelegt, auf denen die spätere kulturelle Revolution aufbauen konnte. Prof. Morenz: „Göbekli Tepe steht für die Entwicklung von reinen Bildern zur Kodierung von darüber hinaus gehender Bedeutung.“ Während es sich bei der Darstellung eines Stieres etwa in der Höhle von Altamira in Spanien um das direkte Abbild des Tieres handelt, sei ein Stierkopf in dem Höhenheiligtum der Türkei von der primären Bildbedeutung losgelöst als abstraktes Symbol für eine Gottheit zu verstehen.

Bereits vor 12.000 Jahren gab es ein einheitliches Zeichensystem

Der Ägyptologe der Universität Bonn untermauert seine These mit der Tatsache, dass insgesamt rund 20 verschiedene Bildzeichen in ähnlicher Form auch noch in anderen frühneolithischen Fundorten im Umkreis von 150 Kilometern um das Höhenheiligtum Göbekli Tepe herum entdeckt wurden. In dieser fruchtbaren Landschaft zwischen den Oberläufen von Euphrat und Tigris wurden Menschen früh sesshaft. Sie teilten in den verschiedenen Siedlungen mit leichten Abwandlungen die gleichen Bildzeichen. „Das kann kein Zufall sein, die Menschen dieses Kulturraumes müssen sich auf ein einheitliches Zeichensystem geeinigt haben“, ist Prof. Morenz überzeugt.

Die Bildzeichen könnten gleichzeitig mehrere Bedeutungen haben: Ein Schlange stehe einerseits für Bedrohung, könne aber auch als Zeichen für etwas Abwesendes verstanden werden – weil der Abdruck der Schlange im Sand verbleibt, wenn das Tier längst weitergezogen ist. Das Abbild einer abstrahierten Hand lasse sich als Geste – etwa von Abwehr – interpretieren. Manche Zeichen waren in kleine, flache Steine geritzt – quasi als „Heiligtum für die Hosentasche“. „Bei dieser frühen Bildsprache handelt es sich aber noch um keine Schriftzeichen“, stellt Prof. Morenz fest. Schriftzeichen seien noch einmal deutlich differenzierter und umfassten auch die lautliche Dimension, das heißt wie ein bestimmtes Zeichen ausgesprochen wird.

Göbekli Tepe zeigt nach den Untersuchungen des Ägyptologen eindrücklich, wie komplex und spezialisiert bereits die steinzeitliche Gesellschaft vor rund 12.000 Jahren war. „Der Gebrauch von Sprache, Hand und Hirn gingen mit einander einher“, sagt Prof. Morenz. In dem Maß, wie sich die Menschen damals mit großem handwerklichen und intellektuellem Geschick eine abstrakte Bildsprache schufen, drangen sie jenseits der Herausforderungen des Alltags in religiöse Sphären vor und stellten sich bereits den Grundfragen der Menschheit nach dem Jenseits. „Es handelt sich um den Beginn der medialen Entwicklung und um den Aufbruch in neue Denkräume“, sagt Prof. Morenz.

Weitere Infos gibt es hier.

Quelle:
Johannes Seiler
Dezernat 8 – Hochschulkommunikation
Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn

 

Kupferzeitliche Siedlung in Zentralspanien entdeckt

Wissenschaftler des Tübinger Sonderforschungsbereichs RessourcenKulturen finden neue Hinweise auf Ansiedlungen in unwirtlichen Gebieten der Iberischen Halbinsel im dritten Jahrtausend vor Christus.

Forscher des Sonderforschungsbereichs RessourcenKulturen (SFB 1070) an der Universität Tübingen haben in Zusammenarbeit mit Kollegen der spanischen Universität Alcalá de Henares ein bislang unbekanntes kupferzeitliches Siedlungszentrum in der Region Azután (Zentralspanien) entdeckt. Bei einer Feldstudie fanden sie auf einer Fläche von rund 90 Hektar Keramik und Steinwerkzeuge, die sie durch typologische Untersuchungen der Kupferzeit zuweisen konnten.

Chalkolitisches Megalithgrab „Dolmen de Azután“ (Foto: Felicitas Schmitt/Universität Tübingen)
Chalkolitisches Megalithgrab „Dolmen de Azután“
(Foto: Felicitas Schmitt/Universität Tübingen)

Als Kupferzeit oder Chalkolithikum wird der Zeitraum zwischen der Jungsteinzeit und der frühen Bronzezeit im dritten Jahrtausend vor Christus bezeichnet. Kennzeichnend für diese Epoche waren die Nutzung von Kupfererzen, große befestigte Siedlungen im Südosten der Iberischen Halbinsel sowie eine intensivere Nutzung der Umwelt als noch im Neolithikum. Bislang ging man davon aus, dass die zentralspanische Region um Toledo während des Chalkolithikums nur sporadisch besiedelt war: Sie liegt eher ungünstig zwischen zwei Gebirgsmassiven am Lauf des Flusses Tajo, der damals schwer zu überqueren war.

Das bis heute erhaltene „Megalithgrab von Azután“ wies bereits auf Spuren von Menschen im Chalkolithikum hin. Der neue Siedlungsfund liefert nun Hinweise auf eine umfangreiche durchgängige Besiedlung in der Region um Toledo während des vierten und dritten Jahrtausends vor Christus. Zu diesem Schluss gelangte das Forscherteam unter Leitung des Tübinger Archäologen Professor Martin Bartelheim wegen des großen Vorkommens und der Konzentration der Funde. In geomagnetischen Untersuchungen und durch eine gezielte Auswertung von Luftbildern wollen die Wissenschaftler nun Ausmaß und Struktur der Siedlung ermitteln.

Seit den 1980er Jahren rückt die Iberische Halbinsel in der chalkolitischen Periode verstärkt in das Interesse der Forschung. „Dank der neuen Funde bei Azután wurde die Annahme bestätigt, dass es auch in Zentralspanien eine intensive Kupferverarbeitung und Besiedlung gab. Bisher glaubte man, dass sich dies weitgehend auf die fruchtbaren Küstenregionen im Süden der Iberischen Halbinsel beschränkte“, sagt Felicitas Schmitt, Doktorandin am SFB RessourcenKulturen. Im nahegelegenen Aldeanueva de San Bartolomé ist eine weitere, vermutlich sogar befestigte Siedlung vorhanden, die auf ein frühes Kupferverarbeitungszentrum hindeutet. Neue Werkzeugfunde im Bereich Azután lassen sich dem Ackerbau und dem Fischfang (Mühlsteine und Netzsenker) zuordnen. Diese Entdeckungen zeigen, dass bereits in der chalkolitischen Gesellschaft eine verstärkte Ausdifferenzierung in verschiedene, komplexe Arbeitsbereiche stattfand, was einen entscheidenden Entwicklungsschritt auf dem Weg zur Herausbildung verschiedener Berufszweige in der kupferzeitlichen Gesellschaft markiert.

Wie die neu entdeckte Siedlung an die Verkehrs- und Handelsrouten der damaligen Zeit in Zentralspanien angebunden war, wird durch Landschaftssurveys erkundet. Bereits jetzt ist die Nähe zu wichtigen Fernverbindungen entlang des Flusstals und quer verlaufender Wege der Wanderhirten auffällig, die seit alters her das zentraliberische Hochland, die Mesetas, durchziehen. In einer Vergleichsstudie untersucht Javier Escudero Carillo, ebenfalls Doktorand des SFB 1070, an der portugiesischen Algarveküste eine weitere kupferzeitliche Siedlung, wodurch sich Parallelen zwischen beiden Regionen aufzeigen lassen. Felicitas Schmitt: „In beiden Regionen finden sich ähnliche Grabbauten, Bestattungsriten und Fundgegenstände. Deshalb gehen wir davon aus, dass Flüsse und Routen von Wanderhirten als Kommunikationswege schon damals eine wichtige Rolle spielten.“

Weitere Infos zur kupferzeitlichen Siedlung in Zentralspanien gibt es hier.

 

Quelle:
Antje Karbe
Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

Grabungen auf dem Kapellenberg

Auch in diesem Jahr werden die archäologischen Untersuchungen im Innenraum der jungsteinzeitlichen Höhensiedlung Kapellenberg in Hofheim/Ts. fortgeführt. Ziel der am 1. September beginnenden Grabungen ist das Verständnis der ehemaligen Bebauungsdichte und die Frage, wie viele Menschen dort zugleich gewohnt hatten – letztlich, ob man von einer frühen Stadt sprechen kann.

Die Grabungen konzentrieren sich wieder auf das bereits im Jahr 2013 untersuchte Areal. Dort fanden die Archäologen des Römisch-Germanischen Zentralmuseum (RGZM) und der Johannes-Gutenberg-Universität Mainz Konzentrationen von Keramik, Lehm, Holzkohle und einige Steingeräte aus der Zeit um 4000 v. Chr. Die Funde zeigen, dass noch Teile der ehemaligen Oberfläche um die damaligen Häuser erhalten sind. Das macht den Kapellenberg aus archäologischer Sicht so bedeutend, denn in den meisten steinzeitlichen Siedlungen sind diese Oberflächen abgeschwemmt.

Geophysikalische Prospektion auf dem Kapellenberg durch Patrick Mertl, Universität Mainz, August 2014. (Foto: RGZM / D. Gronenborn)
Geophysikalische Prospektion auf dem Kapellenberg durch Patrick Mertl, Universität Mainz, August 2014. (Foto: RGZM / D. Gronenborn)

Bereits im Frühjahr 2014 ist in Kooperation mit Prof. Dr. Heinrich Thiemeyer von der Goethe-Universität in Frankfurt das Plateau des Kapellenberges und die seitlichen Hänge abgebohrt worden, so dass nun die Erosions- und Umgestaltungsgeschichte der Oberfläche besser verstanden ist. Demnach wurde bereits vor 6000 Jahren der Boden weitgehend durch die Siedlungsaktivitäten verändert. Im kommenden Herbst und Winter werden geophysikalische Messungen an geeigneten Flächen weitere Informationen zur Besiedlungsdichte geben, ein erster Versuch im August erbrachte vielversprechende Ergebnisse.

Letztendlich zielen alle diese Forschungen auf die Frage nach der ehemaligen Besiedlungsdichte und Größe der Höhensiedlung – es geht es um den Beginn städtischer Siedlungen in Mitteleuropa. Während man früher städtische Strukturen erst zu Beginn der Eisenzeit sehen wollte, zeigen neue Forschungen, dass Siedlungen mit vielen Tausend Einwohnern als Zentrum eines Umlandes bereits um 4000 v. Chr. in mehreren Regionen Europas existierten. Anhand des Kapellenberges lassen sich diese Fragen ausgezeichnet untersuchen.

Die Grabung und die Prospektionen werden ausgerichtet vom RGZM und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz in Kooperation mit der hessenARCHÄOLOGIE und unterstützt von der Stadt Hofheim. Das Grabungsteam besteht aus Studierenden der Johannes-Gutenberg-Universität in Mainz und wird geleitet von Timo Lang M.A.

Mehr Infos zu den Grabungen auf dem Kapellenberg gibt es hier. 

Quelle:
Christina Nitzsche
Vermittlung und Öffentlichkeitsarbeit
Römisch-Germanisches Zentralmuseum (RGZM) – Forschungsinstitut für Archäologie

Zurück! Steinzeit. Bronzezeit. Eisenzeit.

Heute wurde die neue Dauerausstellung des Museums für Vor- und Frühgeschichte im Neuen Museum feierlich eröffnet. Das wollte ich mir nicht entgehen lassen. Allein schon wegen der besonderen Architektur des Gebäudes, der wunderbaren Verbindung von historischer Substanz mit modernen Materialien und schlichten Formen, komme ich immer wieder gern an diesen Ort.

Mit der heutigen Eröffnung beginnt „das Erlebnis, die ältesten Epochen der Menschheitsgeschichte in einer Ausstellung lebendig werden zu lassen.“, so heißt es im Programm. Klingt vielversprechend. Der Rundgang startet im Roten Saal. Gleich beim Betreten des Raumes habe ich tatsächlich das Gefühl, in die Vergangenheit gereist zu sein, wenn auch nicht bis zum Ursprung der Menschheitsgeschichte, sondern „nur“ etwa 150 Jahre zurück. Im Roten Saal werden die größten und bedeutendsten Sammlungen, die im späten 19. und frühen 20. Jahrhundert den Grundstock des Museums für Vor- und Frühgeschichte bildeten, in traditionellen Vitrinen präsentiert. Ganz im Ambiente einer Studiensammlung des 19. Jahrhunderts.

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Archäologie in Berlin (LH)

Einen absolut erfrischenden Kontrast dazu bildet der nächste Raum mit aktuellen Funden aus dem Zentrum von Berlin. Hier gibt es Objekte wie mittelalterliche Keramik bis hin zu verrosteten Soldatenhelmen aus dem Zweiten Weltkrieg. In der modernen archäologischen Forschung geht es eben schon längst nicht mehr nur um „alte“, längst vergangene Epochen!

 

Unmittelbar hinter den Funden aus dem Zweiten Weltkrieg wird der Besucher zurück in die frühen Kapitel der Menschheitsgeschichte geführt. Kaum habe ich den Raum betreten, blicke ich direkt in die Augen des Neandertalers aus Le Moustier. Die auf der Grundlage aktueller Forschungen erstellte Gesichtsrekonstruktion wirkt ergreifend lebendig. In Zusammenarbeit mit Fachspezialisten und dem Museum für Vor- und Frühgeschichte wurden anhand des Schädels und der vermuteten Lebensumstände des ca. 11-jährigen Neandertalerjungen die physiognomischen Merkmale und die zu erwartende Dicke der Weichteilauflagen erarbeitet.

 

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Ergreifend echt: Der Neandertaler aus Le Moustier. (LH)

 

In rauhen Mengen wird im nächsten Raum das neue, der folgenden Epoche seinen Namen gebende Material präsentiert: Bronzegegenstände, wohin ich auch blicke. Die Anordnung der Großvitrinen erfolgt wie in einer Prozessionsstraße und gibt die Sicht auf den berühmten Berliner Goldhut frei.

Zeremonialhut aus der Bronzezeit (LH)
Zeremonialhut aus der Bronzezeit (LH)

 

Den Abschluss der Dauerausstellung bilden die Funde aus der Eisenzeit. Die Eisenverhüttung, die Gesellschaft und Kultur nachhaltig veränderte, wird nicht nur durch historische Fundobjekte aus Eisen dokumentiert. Der Vorgang der Verhüttung von Eisenerz in sogenannten Rennöfen aus Lehm ist für die Besucher in allen Schritten nachvollziehbar; vermittelt wird so ein Eindruck von dessen technischer Komplexität.

 

Zwischendurch komme ich an einer „Zeitmaschine“ vorbei. In dieser Videoinstallation ist die vorgeschichtliche Entwicklung des Menschen zu sehen, dargestellt in Aquarellbildern mit fiktiven Landschafts-Ausschnitten. Während des Filmes entdecke ich immer wieder Exponate aus der Ausstellung, wie zum Beispiel den Zeremonialhut aus der Bronzezeit. Es wird nachvollziehbar, welche Rolle diese Exponate im Leben unserer Vorgänger gespielt haben. Hier zeigt sich die Grundidee der Ausstellung: Eine spannende Reise zu den frühen Epochen der Menschheitsgeschichte in Europa.

Eine Reise in die früheste Menschheitsgeschichte. (LH)
Eine Reise in die früheste Menschheitsgeschichte. (LH)

 

Die Präsentation von Sammlungen und Aufstellung von Exponaten ist nach wie vor eine große Herausforderung für WissenschaftlerInnen und AusstellungsgestalterInnen. Denn das moderne Bild von den ältesten Epochen der Menschheitsgeschichte wird immer detaillierter, eine übersichtliche Darstellung hiervon immer schwieriger. Diesem Anspruch wird die neue Dauerausstellung in jedem Fall gerecht. Sie schafft es, die Objekte und ihre jeweiligen Kontexte anschaulich und spannend zu vermitteln, und zwar für alle Besucher – egal, ob jung oder alt. Ganz im Einklang mit diesem Ziel fand zur heutigen Eröffnung gleichzeitig auch ein Familientag mit einem umfangreichen Bildungs- und Vermittlungsprogramm im Kolonnadenhof statt.

Steinzeit erfahrbar machen für Jung und Alt. (LH)
Steinzeit erfahrbar machen für Jung und Alt. (LH)

 

Öffnungszeiten: täglich von 10 bis 18 Uhr

Adresse: Neues Museum (Museumsinsel), Besuchereingang: Bodestraße 1-3, 10178 Berlin

 

Weitere Infos zum Neuen Museum gibt es hier.

Homo sapiens zog früher aus Afrika aus als gedacht

Der anatomisch moderne Mensch hat sich von Afrika aus in mehreren Wanderungswellen nach Asien und Europa ausgebreitet. Die ersten Vorfahren heutiger Menschen nahmen dabei wahrscheinlich schon vor rund 130.000 Jahren eine südliche Route über die Arabische Halbinsel in Richtung Asien. Zu diesem Ergebnis kommen Professorin Katerina Harvati und ihre Mitarbeiter vom Institut für Naturwissenschaftliche Archäologie der Universität Tübingen und dem Senckenberg Center for Human Evolution and Palaeoenvironment in Zusammenarbeit mit Kollegen der Universität von Ferrara, Italien, und dem Nationalmuseum für Naturgeschichte, Frankreich. 

Die Forscher überprüften verschiedene hypothetische Ausbreitungsszenarios anhand geografisch möglicher Routen, genetischer Daten und vergleichender Schädeluntersuchungen. Als Resultat setzen sie die erste Auswanderungswelle aus Afrika im Mittleren statt im Späten Pleistozän und damit früher an, als bisherige Untersuchungen ergeben hatten. Eine zweite Ausbreitungswelle ins nördliche Eurasien erfolgte ihren Untersuchungen zufolge vor rund 50.000 Jahren. Ihre Ergebnisse veröffentlichen die Wissenschaftler in der Online-Ausgabe (Online Early Edition) der Fachzeitschrift Proceedings of the National Academy of Sciences.

Dass alle heutigen Menschen von einer Population abstammen, die vor 100.000 bis 200.000 Jahren in Afrika lebte, ist unter Wissenschaftlern kaum umstritten. Doch bisher gingen viele beim Auszug unserer Vorfahren aus Afrika von einer einzigen Wanderungsbewegung vor 50.000 bis 75.000 Jahren aus. Dafür schien die Beobachtung zu sprechen, dass die genetische Vielfalt und die morphologische Diversität der Menschen mit wachsender geografischer Entfernung vom subsaharischen Südafrika abnahmen. Neuere Ergebnisse genetischer, archäologischer und paläoanthropologischer Studien stellen dieses Szenario jedoch in Frage.

Die Forscher um Professorin Katerina Harvati überprüften die beiden gängigen Out-of-Africa-Hypothesen einer einzelnen gegenüber mehrfachen Wanderungsbewegungen der anatomisch modernen Menschen aus Afrika. In ihren Untersuchungen nutzten sie Daten anatomischer Schädelvergleiche heutiger Menschen aus verschiedenen Regionen, neutrale genetische Daten und die zurückzulegenden Distanzen der verschiedenen möglichen Ausbreitungsrouten. Ebenso wurden basierend auf den genetischen Daten und dem jeweiligen Ausbreitungsmodell die Zeitspannen berechnet, die zur Aufspaltung der Populationen notwendig waren. Jedes Ausbreitungsszenario ist mit spezifischen geografischen und zeitlichen Voraussetzungen verbunden. Diese bekannten Parameter stellten die Forscher den neutralen biologischen Distanzen aus den genetischen und anatomischen Untersuchungen gegenüber.

„Beide Beweisketten, sowohl die anatomischen Schädelvergleiche als auch die genetischen Daten, sprechen für mehrfache Auswanderungswellen“, sagt Katerina Harvati. Eine erste Gruppe unserer Vorfahren brach vor rund 130.000 Jahren von Afrika aus auf und wanderte an der Küste der Arabischen Halbinsel entlang bis nach Australien und in das Gebiet des Westpazifiks. „Australier, Papuas und Melanesier blieben nach dieser frühen Ausbreitung über die Südroute zunächst relativ isoliert“, sagt Hugo Reyes-Centeno, Erstautor der Studie und Mitarbeiter des Tübinger Forscherteams. „Andere asiatische Populationen scheinen dagegen einer späteren Auswanderungswelle zu entstammen, die vor etwa 50.000 Jahren von Afrika aus ins nördliche Eurasien aufkam.“ 

Die Forscher gehen davon aus, dass weitere Feldstudien sowie Fortschritte in der Genetik die Befunde zu den Wanderrouten der urgeschichtlichen Menschen besser absichern und weitere Details in der raumzeitlichen Auflösung liefern können. Bisher lässt sich nur spekulieren, ob zum Beispiel starke Dürrezeiten in Ostafrika in der Zeit zwischen 135.000 und 75.000 Jahren die Wanderungen ausgelöst und die Entwicklung der menschlichen Populationen beeinflusst haben könnten. Die südliche Route umfasst ein großes geografisches Gebiet, in dem zum jetzigen Zeitpunkt nur wenige archäologische und anthropologische Forschungen stattgefunden haben und welches daher für künftige Forschungen sehr vielversprechend ist.

 

Mehr Infos hierzu gibt es hier.

 

Quelle:
Dr. Karl Guido Rijkhoek
Hochschulkommunikation
Eberhard Karls Universität Tübingen

Einzigartiger Schädelfund widerlegt frühmenschliche Artenvielfalt

Paläoanthropologen der Universität Zürich haben im georgischen Dmanisi den intakten Schädel eines Frühmenschen gefunden. Dieser Fund zwingt die Paläoanthropologie zum Umdenken: Die menschliche Artenvielfalt vor zwei Millionen Jahren war viel kleiner als bisher angenommen. Dafür war die Vielfalt beim «Homo erectus», der ersten globalen Menschenart, so gross wie beim heutigen Menschen.

Es ist der bis jetzt am besten erhaltene Fossilfund aus der Frühzeit unserer Gattung. Pikant ist, dass er über eine Kombination von Merkmalen verfügt, die bis jetzt unbekannt war: Der Schädel, den Anthropologen der Universität Zürich in einer vom Schweizerischen Nationalfonds geförderten Zusammenarbeit mit georgischen Kollegen in Dmanisi gefunden haben, hat das grösste Gesicht, die massivsten Kiefer und Zähne und das kleinste Gehirn innerhalb der Dmanisi-Gruppe.
Es ist der fünfte Schädelfund aus Dmanisi. Bis dahin fand man in Dmanisi vier ebenfalls gut erhaltene Frühmenschenschädel sowie einige Skelettteile. Alle Funde zusammen zeigen, dass bereits vor 1.85 Millionen Jahren die ersten Vertreter der Gattung «Homo» sich aus Afrika über Eurasien auszubreiten begannen.

Vielfalt innerhalb der Art anstatt Artenvielfalt

Weil der Schädel vollständig erhalten ist, lassen sich verschiedene Fragen klären, die bis jetzt ein weites Feld für Spekulationen boten. Es geht dabei um nichts weniger als den evolutionären Beginn der Gattung «Homo» in Afrika vor etwa zwei Millionen Jahren zu Beginn der Eiszeit, auch Pleistozän genannt. Gab es damals in Afrika mehrere spezialisierte «Homo»-Arten, von denen zumindest eine sich auch ausserhalb Afrikas behaupten konnte? Oder gab es nur eine einzige Art, die sich in den verschiedensten Ökosystemen zurechtfand? Obwohl die frühmenschlichen Funde aus Afrika eine grosse Formenvielfalt aufweisen, liess sich diese Frage bis anhin nicht entscheiden. Ein Grund liegt in den verfügbaren Fundstücken, wie Christoph Zollikofer, Anthropologe der Universität Zürich erläutert: «Es handelt sich um meist fragmentarische Einzelfunde, die über weite räumliche Distanzen verstreut sind, und die zudem aus einer Zeitspanne von mindestens 500’000 Jahren stammen. Somit ist letztlich nicht klar ist, ob es sich bei den afrikanischen Fossilien um Artenvielfalt handelt, oder um Vielfalt innerhalb einer Art».

So viele Arten wie Forscher

Auf einen weiteren Grund weist Marcia Ponce de León, auch sie ist Anthropologin an der Universität Zürich, hin: Paläoanthropologen gingen oft stillschweigend davon aus, dass das Fossil, das sie gerade gefunden hatten, repräsentativ sei für die Art, das heisst, dass es diese gut charakterisiere. Dies sei statistisch zwar nicht sehr wahrscheinlich, dennoch gäbe es Forschende, die bis zu fünf gleichzeitig existierende frühe Arten der Gattung «Homo» in Afrika postulierten, wie etwa «Homo habilis», «Homo rudolfensis», «Homo ergaster», «Homo erectus», u.a.m. Ponce de León bringt das Problem auf den Punkt: «Zur Zeit gibt es eben so viele Unterteilungen in Arten, wie es Wissenschaftler gibt, die sich mit diesem Problem beschäftigen».

Dank Perspektivenwechsel Entwicklung des «Homo erectus» über eine Million Jahre verfolgen

Dmanisi bietet nun den Schlüssel zur Lösung. Laut Zollikofer ist der fünfte Schädel deshalb so wichtig, weil er in sich Merkmale vereint, die bisher als Argument gebraucht wurden, um verschiedene afrikanischen «Arten» zu charakterisieren – mit anderen Worten: «Wären Hirn- und Gesichtsschädel des Dmanisi-Exemplars als Einzelteile gefunden worden, wären sie mit grosser Wahrscheinlichkeit zwei verschiedenen Arten zugeordnet worden». Ponce de León fügt an: «Entscheidend ist auch, dass wir in Dmanisi fünf gut erhaltene Individuen haben, von denen wir wissen, dass sie am selben Ort und zur selben Zeit gelebt haben». Diese einzigartige Fundsituation macht es möglich, die Formenvielfalt in Dmanisi mit der Formenvielfalt innerhalb moderner Populationen des Menschen und des Schimpansen zu vergleichen. Zollikofer fasst das Resultat der statistischen Analysen zusammen: «Bei den Dmanisi-Funden handelt es sich erstens um die Population einer einzigen fossilen Menschenart. Zweitens unterscheiden sich die fünf Dmanisi-Individuen tatsächlich stark voneinander, aber auch nicht mehr als fünf be¬liebige Menschen oder fünf beliebige Schimpansen aus einer modernen Population».
Vielfalt innerhalb einer Art ist also die Regel, nicht die Ausnahme. Die aktuellen Resultate werden von einer weiteren, vor Kurzem in der Zeitschrift PNAS publizierten Studie gestützt: In dieser zeigen Ponce de León und Zollikofer mit Kollegen, dass bei den Dmanisi-Hominiden wesentliche Unterschiede der Gesichtsform auf den individuell unterschiedlichen Abnützungsgrad ihrer Gebisse zurückzuführen sind.

Damit ist ein Perspektivenwechsel angezeigt: Bei den afrikanischen Fossilien aus der Zeit vor etwa 1.8 Millionen Jahren handelt es sich wohl um Vertreter ein und derselben Art, die am besten als «Homo erectus» bezeichnet wird. «Homo erectus» ist demnach vor etwa zwei Millionen Jahren in Afrika entstanden und hat sich bald danach über Eurasien – dort unter anderem auch via Dmanisi – bis nach China und Java ausgebreitet, wo er ab etwa 1.2 Millionen Jahren nachgewiesen ist. Ein Vergleich der Formenvielfalt in Afrika, Eurasien und Ostasien lässt Rückschlüsse auf die Populationsbiologie dieser ersten globalen Menschenart zu.

«Homo erectus» ist also der erste «Global Player» der menschlichen Evolution. Seine Neudefinition bietet jetzt Anlass, die Entwicklung dieser fossilen Menschenart über einen Zeitraum von einer Million Jahren zu verfolgen.

Weitere Infos gibt es hier.

Quelle:

Beat Müller
Kommunikation
Universität Zürich

Ötzi hatte schlechte Zähne

Erstmals haben Forscher vom Zentrum für Evolutionäre Medizin der Universität Zürich gemeinsam mit ausländischen Kollegen an der Mumie Ötzi Paradontitis, Karies und unfallbedingte Zahnverletzungen nachweisen können. Die neuesten wissenschaftlichen Resultate geben interessante Hinweise auf das Ernährungsverhalten des neolithischen Mannes aus dem Eis und zur Evolution von medizinisch bedeutenden Zahnkrankheiten.

Die neolithische Mumie Ötzi (ca. 3300 v. Chr) zeigt erstaunlicherweise zahlreiche, auch heutzutage noch weitverbreitete Erkrankungen an den Zähnen und dem Zahnhalteapparat. Wie Prof. Frank Rühli, Leiter der Studie, erklärt, litt Ötzi an einer starken Zahnabschleifung, an mehreren Stellen an teilweiser ausgeprägter Karies und hatte einen vermutlich unfallbedingten abgestorbenen Frontzahn.

Obwohl seit über 20 Jahren an dieser bedeutenden Mumie geforscht wird, waren die Zähne kaum beachtet worden. Der Zahnarzt Roger Seiler vom Zentrum für Evolutionäre Medizin der UZH hat nun Ötzis Zähne basierend auf den aktuellsten computertomografischen Daten untersucht und stellt fest: «Der Schwund des Zahnhalteapparates war schon immer eine sehr häufige Erkrankung wie Schädelfunde aus der Steinzeit oder die Untersuchung ägyptischer Mumien zeigen. Ötzi erlaubt uns einen speziell guten Einblick in eine solch frühe Form dieser Erkrankung», erklärt Seiler. Er ist spezialisiert auf die Untersuchung von Zahnerkrankungen in früheren Zeiten.

Fortgeschrittene Parodontitis

Die computertomografischen dreidimensionalen Rekonstruktionen geben einen Einblick in die Mundhöhle des Eismannes und zeigen, wie sehr er unter einer fortgeschrittenen Parodontitis litt. Vor allem im Bereich der hinteren Backenzähne fand Seiler einen Verlust des parodontalen Stützgewebes, der beinahe die Wurzelspitze erreichte. Zwar hatte Ötzi wohl kaum seine Zähne geputzt, die abschleifende Nahrung hatte jedoch viel zur Selbstreinigung beigetragen. Heute wird Paradontitis mit den Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems in Zusammenhang gebracht. Interessanterweise zeigt der Eismann auch Arterienverkalkungen, wofür wie im Falle der Parodontitis in erster Linie seine genetische Veranlagung verantwortlich war.

Dass der Eismann unter Karies litt, ist auf die vermehrt stärkehaltige Nahrung wie Brot und Getreidebrei zurückzuführen, die durch den aufkommenden Ackerbau in der Jungsteinzeit vermehrt konsumiert werden konnte. Dazu war die Nahrung durch Verunreinigungen und den Abrieb der Mahlsteine stark abschleifend, wie die abgeschliffenen Zähne des Eismannes zeigen. Seine unfallbedingten Zahnschäden zeugen wie seine anderen Verletzungen vom rauen Leben in jener Zeit. Ein Frontzahn ist durch einen Schlag abgestorben – die Verfärbung ist noch deutlich sichtbar und ein Backenzahn hat wohl durch einen Kauunfall, vielleicht ein Steinchen in Getreidebrei, einen Höcker verloren.

Quelle:
Nathalie Huber
Kommunikation
Universität Zürich

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Konzept von Pfeil und Bogen entschlüsselt – Ungeahnt komplexes frühmenschliches Werkzeugverhalten

Pfeil und Bogen werden lange schon als möglicher Indikator für moderne kulturelle Fähigkeiten gehandelt. Erste Hinweise auf ihre Nutzung stammen aus Südafrika und werden auf ca. 64 000 Jahren vor heute datiert. Bislang war die Bedeutung dieses Gerätesets für die kognitiven Fähigkeiten des Menschen unklar. Nun gelang es zwei Wissenschaftlerinnen, Miriam Haidle von der Forschungsstelle ROCEEH der Heidelberger Akademie der Wissenschaften am Senckenberg Forschungsinstitut und der Universität Tübingen und Marlize Lombard von der University of Johannesburg, die neuartige konzeptionelle Basis des Umgangs mit Pfeil und Bogen zu entschlüsseln.

Auf der Grundlage archäologischer Funde, völkerkundlicher Analogien und durch Experimente wurden die für die Herstellung von Pfeil und Bogen notwendigen Schritte und Elemente rekonstruiert. Beide Gegenstände sind ein Beispiel für ein komplementäres Werkzeugset. Diese bestehen aus getrennten, aber in Abhängigkeit voneinander entwickelten Elementen. Der Bogen stellt dabei den kontrollierenden bzw. verstärkenden Teil dar, Pfeile die flexibel einsetz- und austauschbaren Verbrauchselemente. Zunächst nutzte der Mensch Werkzeuge zur Herstellung von Werkzeugen (seit ca. 2,5 Millionen Jahren), dann aus verschiedenen Teilen zusammengesetzte Geräte, die eine Einheit mit neuen Eigenschaften bilden wie hölzerne Speere mit Spitzen aus Stein (seit 200-300.000 Jahren). Pfeil und Bogen und andere komplementäre Werkzeugsets waren eine weitere Möglichkeit für prähistorische Menschen, die Flexibilität ihrer Reaktion auf die Herausforderungen der Umwelt enorm zu steigern.

Das Konzept komplementärer Werkzeugsets beinhaltet verschiedenartige Anwendungen wie Nadel und Faden, Angel und Haken, Hammer und Meißel. Pfeil und Bogen sind ein besonders komplexes Beispiel dafür. An der heutigen Rekonstruktion eines einfachen Bogens und Pfeilen mit Vorschaft sind zehn verschiedene Werkzeuge beteiligt. Aus insgesamt 22 Rohmaterialien und drei unspezifischen Halbfertigprodukten (Bindematerial, Multikomponentenkleber) werden in fünf Herstellungsabschnitten ein Bogen und in weiteren Herstellungseinheiten dazugehörige Pfeile gefertigt. Die vorliegende Untersuchung konnte eine derartige Komplexität im Umgang mit Geräten zu einem frühen Zeitpunkt in der Geschichte des Homo sapiens erstmals sichtbar machen.
Die Ergebnisse werden in der aktuellen Ausgabe des Cambridge Archaeological Journal vorgestellt.

Quelle:

Dr. Herbert von Bose
Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der Akademie der Wissenschaften
Heidelberger Akademie der Wissenschaften

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LegendäreMeisterWerke. Kulturgeschichte(n) aus Württemberg


Anlässlich des 150-jährigen Jubiläums des Landesmuseums Württemberg wurde letzte Woche die neue Schausammlung „LegendäreMeisterWerke. Kulturgeschichte(n) aus Württemberg“ eröffnet. Statt der früheren heterogenen Ausstellungsbereiche erwartet den Besucher ein chronologischer Rundgang wie „aus einem Guss“ – durch nicht weniger als 80.000 Jahre Menschheitsgeschichte, vorbei an mehr als 1.500 Objekten!

Zu den ältesten Exponaten gehören z.B. die 40.000 Jahre alte Mammutfigur aus der Vogelherd-Höhle und das weltweit älteste Musikinstrument, eine Flöte aus der Geißenklösterle-Höhle bei Blaubeuren. Nach der Eiszeit geht es weiter in den Ausstellungsraum der Jungsteinzeit. Wie tiefgreifend und innovativ diese Epoche war, wird mir spätestens dann bewusst, als ich das Fragment eines 5000 Jahre alten Rads erblicke. Auch die ersten Waffen wie Pfeil und Bogen stammen aus diesem Zeitalter – ob ich mit dieser Waffe treffsicher genug gewesen wäre, um mir mein Mittagessen zu jagen, kann ich an einer interaktiven Mitmachstation ausprobieren.

Je weiter ich mich von den Kunstwerken aus der Eiszeit entferne, umso mehr verändern sich die Farben um mich herum. Bronze- und erdfarbene Wände künden eine Zeit an, in der die Menschen den Nutzen von Metallen entdeckten. Aus Bronze-, später dann aus Eisen gossen sie neue, bessere Waffen, aber auch Werkzeuge und Schmuck.

Der nächste Ausstellungsbereich zeigt mir die Entwicklung einer Hochkultur, in der sich die Bewohner des späteren Württembergs immer stärker an kulturellen Vorbildern und Innovationen aus fernen Ländern orientieren. Doch wie behalte ich bei den vielen neuen Einflüssen noch den Überblick? Das Museumsteam hat sich hierzu eine nützliche Hilfe einfallen lassen, sogenannte Epochenboxen. Die leuchtenden Säulen liefern in jedem Raum die wichtigsten historischen, vor allem überregionalen Informationen des jeweiligen Zeitalters.

Auf die Eisenzeit folgt die Zeit der römischen Herrschaft. Zwar gehörte Südwestdeutschland nur etwas mehr als zwei Jahrhunderte zum Imperium Romanum, trotzdem haben die Römer eine Fülle von Zeugnissen hinterlassen. Dazu gehören Kleidung, Schmuck, Waffen, Münzen – und eine Vielzahl von Göttern. Auf Regalen aufgestellt, füllen sie eine ganze Wand des Raumes aus. Der Alltag speziell im römischen Militär wird auch virtuell veranschaulicht. Auf zwei einander gegenüber aufgehängten Bildschirmen marschieren zwei schwer bepackte Soldaten und unterhalten sich miteinander. Ich kann in ihrer Mitte stehen und zuhören, was die beiden sich auf ihrem Marsch so alles erzählen. Hier, wie in allen übrigen Räumen, zeigt sich, wie viel Wert das Team des Museums darauf legte, gerade auch den jüngsten Besuchern die einzelnen Epochen spannend und vielseitig zu vermitteln.

Auf den Zusammenbruch des Römischen Reiches und die darauffolgenden kriegerischen Auseinandersetzungen während der Völkerwanderungszeit weisen schiefe, dunkel gehaltene Ausstellungselemente hin. Neben der Völkerwanderungszeit gibt es in diesem Ausstellungsbereich zwei weitere Themenblöcke: die Franken und die Christianisierung der Alamannen. Funde aus Gräbern spielen dabei eine wichtige Rolle.

Über einen schmalen Gang – gleich einem Kreuzgang mit Glasgemälden – bewegt sich der Besucher nun vom frühen Mittelalter in die Zeit des Hohen Mittelalters. Archäologische Funde weichen Objekten aus dem sakralen Bereich. Über die Herzogszeit hin endet die Schausammlung schließlich im Industriezeitalter mit einem Ausblick auf den ersten Weltkrieg, an dessen Ende der letzte König Württembergs abdankt.

An der neuen Schausammlung überzeugt mich vor allem die Präsentation der Objekte, aber auch die Raumgestaltung. Ohne viele Worte der Erklärung vermitteln sie sofort die Hauptaussage der jeweiligen Epoche.

Meine Eindrücke speziell zu den archäologischen Funden der Sammlung habe ich in folgenden Bildern festgehalten.

Weg in Richtung Eiszeit (LH)


Eiszeit-Raum (LH)
40.000 Jahre alte Mammutfigur (LH)
Das bislang weltweit älteste Musikinstrument (LH)
Auf der Jagd (LH)
Leuchtende Epochenboxen (LH)
Silberring aus dem 1. Jh. v. Chr. (LH)
Unterwegs mit römischen Soldaten (LH)
Restauratoren erlauben sich einen Scherz (LH)
Götter über Götter (LH)
Römische Münzen (LH)

Informationen zur Schausammlung finden Sie unter folgendem Link.